Alzheimer: Glucosamin erhöht Risiko um 25 Prozent
Veröffentlicht am: 21.06.2026 um 13:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Experten wie Professor Behl hinterfragen, ob der Fokus der vergangenen Jahrzehnte auf die richtigen Mechanismen gerichtet war. Während klassische Ansätze zur Debatte stehen, liefern aktuelle Studien überraschende Erkenntnisse: Risiken durch Nahrungsergänzungsmittel und präventive Potenziale bereits zugelassener Medikamente.
Glucosamin erhöht Alzheimer-Risiko deutlich
Eine Studie der University of Florida in Nature Metabolism weckt Alarm. Die Analyse von rund 50.000 Personen aus den Jahren 2012 bis 2024 zeigt: Regelmäßige Glucosamin-Einnahme erhöht bei Patienten mit leichter kognitiver Beeinträchtigung das Alzheimer-Risiko um 25 Prozent. Bei bestehender Demenz steigt das Sterberisiko ebenfalls um 25 Prozent.
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Als möglichen Mechanismus identifizierten die Forscher die sogenannte Hyperglykosylierung. Im Tierversuch verschlechterte eine tägliche Dosis von 2500 Milligramm Glucosamin die Gedächtnisleistung erkrankter Mäuse signifikant – bei gesunden Tieren blieb der Effekt aus.
Parallel dazu belegt eine Studie in eBioMedicine: DHA-Fischöl in einer Dosierung von 2000 Milligramm pro Tag bringt keinen messbaren Nutzen für die kognitive Funktion.
Diabetes-Medikamente schützen das Gehirn
Anders sieht es bei etablierten Arzneimitteln aus. Eine NIH-Studie im JAMA wertete Daten von 2014 bis 2023 aus und belegt eine deutliche Risikoreduktion durch bestimmte Wirkstoffklassen. SGLT2-Inhibitoren senkten das Alzheimer-Risiko bei Diabetikern um 43 Prozent, GLP-1-Rezeptor-Agonisten um 33 Prozent. Die Schutzwirkung geht offenbar über die reine Blutzuckerkontrolle hinaus.
Weitere präventive Effekte zeigten sich bei der Gürtelrose-Impfung. Eine Analyse von über 500.000 Patientendaten ergab eine Risikoreduktion um 24 Prozent. Auch Lebensstilfaktoren spielen eine Rolle: Eine japanische Studie mit 11.000 Teilnehmern deutet darauf hin, dass regelmäßiges Kochen das Risiko bei Männern um 23 Prozent und bei Frauen um 27 Prozent senkt.
Schnellere Diagnostik und neue Forschungsansätze
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Die Früherkennung macht Fortschritte. Im Mai 2026 erhielt ein Bluttest des Herstellers Roche auf den Biomarker p-Tau217 die CE-Kennzeichnung. Die Sysmex-Plattform analysiert diesen Biomarker innerhalb von 17 Minuten mit einer Genauigkeit von über 90 Prozent.
In der Grundlagenforschung rücken alternative Entstehungswege in den Fokus. Forscher der Universität Málaga berichten im Journal of Neuroinflammation über gealterte Gehirnzellen. Seneszente Astrozyten könnten das Erkrankungsrisiko verdreifachen – besonders bei Trägern des APOE4-Gens. Die Universität Osnabrück konzentriert sich auf Tau-Oligomere, um deren Bildung frühzeitig zu verhindern.
Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) kündigte Mitte Juni den Aufbau des „NeuroGenomeHub“ in Bonn an. Mit sechs Millionen Euro Investition sollen die Genome von 25.000 Menschen analysiert werden – auf der Suche nach spezifischen Risikomerkmalen für Alzheimer, Parkinson und ALS.
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