Alzheimer-PrÀvention: 45% der FÀlle durch Lebensstil vermeidbar
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 20:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kognitive Stimulation kann nach EinschÀtzung von Fachleuten und aktuellen Untersuchungen dazu beitragen, den Verlust von Gehirnfunktionen bei Alzheimer-Patienten zu verlangsamen. WÀhrend neurodegenerative Prozesse im Gehirn bislang nicht vollstÀndig heilbar sind, gewinnen strukturierte geistige Aktivierungen und ganzheitliche PrÀventionskonzepte zunehmend an Bedeutung, um bestehende FÀhigkeiten lÀnger zu stabilisieren.
Komplexe Lernprozesse statt isolierter Ăbungen
FĂŒr einen spĂŒrbaren Nutzen reicht das bloĂe Lösen einfacher Denkaufgaben meist nicht aus. Wie der Neurologe Dr. Pablo Ignacio AgĂŒero Rabes vom Hospital FundaciĂłn JimĂ©nez DĂaz anlĂ€sslich des AAIC-Kongresses hervorhob, bedeute wirksames Gehirntraining vielmehr das Erlernen neuer FĂ€higkeiten anstelle von Aufgaben wie Sudokus. Die wissenschaftliche Evidenz fĂŒr spezielle Gehirntrainings-Apps bleibe weitgehend auf die konkret trainierten Aufgaben beschrĂ€nkt.
Deutlich breitere Vorteile böten demgegenĂŒber komplexe geistige Anforderungen, etwa das Erlernen einer neuen Sprache, das Spielen eines Musikinstruments oder regelmĂ€Ăiges Lesen. Durch solche TĂ€tigkeiten werde eine kognitive Reserve aufgebaut.
Diese Reserve kann nach Angaben von AgĂŒero Rabes zwar den Ausbruch von Symptomen verzögern, eine Alzheimer-Erkrankung jedoch nicht verhindern. Bei fortschreitenden GedĂ€chtnisstörungen, die den gewohnten Alltag beeintrĂ€chtigen, empfiehlt der Neurologe eine fachĂ€rztliche AbklĂ€rung.
Strukturierte Trainingsprogramme und modifizierbare Risikofaktoren
Um geistige FĂ€higkeiten systematisch zu fördern, werden spezifische Interventionsmethoden erarbeitet. In Spanien entwickelten die Geriatrin Rosa LĂłpez Mongil und die Krankenschwester Guadalupe de la Cruz das Programm âEntrenando DĂa a DĂa 2.0â, das auf die Verzögerung von Demenzerkrankungen abzielt.
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Das Konzept richtet sich an Menschen ab einem Alter von 50 Jahren und besteht aus acht Arbeitsheften mit insgesamt 32 Themen sowie jeweils 28 kognitiven AktivitÀten, die jeweils mit körperlicher Bewegung beginnen.
Das Projekt wird von mehreren FachverbĂ€nden und Institutionen unterstĂŒtzt, darunter die Sociedad Española de NeurologĂa (SEN), die Sociedad Española de MĂ©dicos Generales y de Familia (SEMG), die Sociedad Andaluza de GeriatrĂa, die ConfederaciĂłn Española de Alzheimer (CEAFA), das IANEC sowie die UniversitĂ€t A Coruña.
Derartige AnsĂ€tze stĂŒtzen sich auch auf epidemiologische Daten. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind bis zu 45 Prozent der DemenzfĂ€lle auf modifizierbare Faktoren zurĂŒckzufĂŒhren. Zu diesen Risiken zĂ€hlen Bewegungsmangel, Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes, Fettleibigkeit, Alkoholkonsum und soziale Isolation. Durch gezielte Schutzfaktoren sei eine entsprechende Risikoreduktion möglich.
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Entsprechend betont AgĂŒero Rabes vier wesentliche SĂ€ulen der Vorsorge: körperliche Bewegung, soziale Kontakte, kognitive AktivitĂ€t sowie eine mediterrane ErnĂ€hrung. Liegen bereits leichte kognitive BeeintrĂ€chtigungen vor, sei ein multimodaler Ansatz angezeigt, der verschiedene dieser Lebensbereiche miteinander verknĂŒpft.
Einbindung nicht-medikamentöser MaĂnahmen
Auch Versorgungsstudien und Projekte heben den Stellenwert ganzheitlicher Interventionen hervor. Laut Untersuchungen der AOK erweisen sich nicht-medikamentöse MaĂnahmen wie AktivitĂ€ten im Freien, BerĂŒhrungs- und Massagetherapien sowie Musik als wirksamer im Vergleich zur rein pharmakologischen Therapie. Medikamente sollten demnach lediglich engmaschig kontrolliert, fĂŒr kurze ZeitrĂ€ume und in der geringstmöglichen Dosis verabreicht werden.
Gleichzeitig arbeiten Forschungsprojekte daran, diese AnsĂ€tze in den Alltag zu ĂŒberfĂŒhren. Das österreichische Projekt LETHE-AT entwickelt etwa ein Konzept fĂŒr Brain-Health-Services-Zentren und eine personalisierte Anwendung, um Risikofaktoren im Bereich Bewegung und ErnĂ€hrung zu adressieren. Die Kombination aus gezielter geistiger Beanspruchung und gesunder LebensfĂŒhrung bildet somit einen zentralen Pfeiler moderner DemenzprĂ€vention.
