Alzheimer-Prävention: ARPA-H investiert 41 Millionen Dollar in Studien
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 05:43 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie US-Regierung stellt über die dem Gesundheitsministerium unterstehende Forschungsagentur ARPA-H bis zu 41 Millionen US-Dollar über eine Laufzeit von vier Jahren für die Alzheimer-Forschung bereit.
Die Mittel fließen in das multiinstitutionelle Vorhaben „Platform Trial for Biomarker-Guided Alzheimer's Disease Prevention“, wie Mass General Brigham in einem Bericht darlegte. Ziel des Projekts ist es, durch die Kombination bereits bekannter Wirkstoffe und Naturprodukte neue therapeutische Wege zur vorbeugenden Behandlung der neurodegenerativen Erkrankung zu erschließen.
Parallele Erprobung mehrerer Wirkstoffkombinationen
Die wissenschaftliche Leitung der Initiative übernehmen Rudolph Tanzi vom McCance Center for Brain Health und Gene Bowman von Mass General Brigham. Das Studiendesign sieht vor, fünf bis zehn Therapieregime gleichzeitig zu testen. Dabei kommen Substanzen zum Einsatz, die für andere medizinische Indikationen bereits von der US-Zulassungsbehörde FDA genehmigt wurden, sogenannte Repurposed-Medikamente, sowie ausgewählte Naturprodukte.
Als Vorbild für die Struktur dient das Studiendesign für Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) des Healey & AMG Centers. An der Durchführung sind mehrere Partnereinrichtungen beteiligt, darunter das NCRI, das CTRU am Massachusetts General Hospital sowie die Alzheimer's Disease Cooperative Study (ADCS) der UC San Diego.
Unter der Leitung von Judy Pa übernimmt die ADCS an der UC San Diego die Koordination der klinischen Prüfzentren und die Standardisierung der Studienprotokolle. Angestrebt werden 20 Prüfzentren, die über die vierjährige Laufzeit hinweg Biomarker- und Sicherheitsdaten zu den fünf bis zehn Therapieregimen liefern sollen.
Der ARPA-H-Vertrag sieht dabei Zweiprodukt-Kombinationen im Vergleich zu Placebos an dutzenden Standorten vor. Inspiration hierfür liefert der sogenannte ASAP Act, der die Kostenerstattung für Bluttests über Medicare und Medicaid zum Gegenstand hat.
Parallel zu dieser Plattformstudie läuft bei Mass General Brigham zudem eine separate Untersuchung, die sich mit der Naturprodukt-Kombination NPC1 befasst.
Fokus auf frühe Stadien und Biomarker-Profile
Für die Teilnahme an der Plattformstudie werden landesweit Personen rekrutiert, die kognitiv unbeeinträchtigt oder nur leicht beeinträchtigt sind, bei denen jedoch Blutbiomarker bereits auf ein frühes Krankheitsstadium hinweisen. Die Auswertung der biologischen Effekte erfolgt über spezifische Marker im Blutplasma, darunter Plasma-p-tau217, Abeta42/Abeta40, GFAP sowie NfL.
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Rudolph Tanzi konnte für die vierjährige Studie neben den staatlichen Mitteln zusätzliche 25 Millionen US-Dollar von Philanthropen sichern. Zusammen mit weiteren Vorhaben leitet er Projekte mit einem Gesamtvolumen von kombiniert bis zu 90 Millionen US-Dollar.
Im Rahmen des Vorhabens von Tanzi und Mass General Brigham sollen die ersten fünf Kombinationen an 300 Patienten geprüft werden. Dabei entfallen jeweils 60 Teilnehmer auf eine Kombination, während 60 Personen ein Placebo erhalten. Alle Probanden weisen positive Blutbiomarker für Amyloid und Tau auf.
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In einer ersten Studie testet das Team um Tanzi eine Kombination aus dem Sojabohnen-Präparat Ipriflavone, das als Osteoporose-Supplement dient, und Parthenolide aus Mutterkraut, das gegen Migräne eingesetzt wird. Diese Untersuchung umfasst 60 Personen ab einem Alter von 55 Jahren mit erhöhtem p-tau217-Spiegel und ist auf sechs Monate angelegt.
Vorarbeiten im Zellmodell und gesellschaftliche Relevanz
Die Auswahl der Substanzen stützt sich auf umfangreiche Vorarbeiten. Tanzi überprüfte rund 2000 zugelassene Arzneimittel und 4000 Naturstoffe. Sein Team testete über 4000 von der FDA zugelassene Medikamente sowie Naturprodukte in einem dreidimensionalen Zellkulturmodell namens „Alzheimer's in a Dish“ und identifizierte daraus rund 300 potenzielle Kandidaten.
Die Grundlagenforschung für dieses 3D-Humancellkultur-System, das Amyloid-Plaques und Tau-Bündel innerhalb von sechs Wochen reproduzieren kann, wurde vor über einem Jahrzehnt durch den Cure Alzheimer's Fund finanziert. Auf dieser Basis untersuchte das Konsortium AD4 tausende zugelassene Medikamente und Naturprodukte.
Insgesamt investierte der Cure Alzheimer's Fund über 280 Millionen US-Dollar in 420 Forschende. Aus dem Zeitraum zwischen 2018 und 2022 ergab sich, dass jeder von der Stiftung investierte US-Dollar zu 7,30 US-Dollar an Folgefinanzierungen durch die National Institutes of Health (NIH) führte.
Wie Daten der Alzheimer's Association für das Jahr 2026 am Beispiel des Bundesstaats Massachusetts verdeutlichen, bleibt der Versorgungsdruck hoch: Dort leben 135.000 Betroffene ab 65 Jahren, die von 220.000 Angehörigen unterstützt werden. Der jährliche Wert dieser Pflegeleistungen beläuft sich auf über 6,7 Milliarden US-Dollar.
