Alzheimer-Studie: 1.600 gesunde Erwachsene werden auf Trontinemab getestet
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 13:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der medizinischen Forschung gewinnt die frühzeitige Bekämpfung neurodegenerativer Erkrankungen zunehmend an Bedeutung. Während bisherige Therapien meist erst nach dem Auftreten erster kognitiver Ausfälle ansetzen, rücken nun präventive Behandlungsansätze in den Fokus.
Einen zentralen Baustein bildet die europaweit erste Alzheimer-Präventionsstudie, an der sich der Surrey and Borders Partnership NHS Foundation Trust als dritter Standort weltweit beteiligt. Untersucht wird dabei der experimentelle Antikörper Trontinemab, der gezielt auf Beta-Amyloid-Ablagerungen zwischen den Hirnzellen abzielt.
Der Wirkstoff Trontinemab und die Rolle der Blut-Hirn-Schranke
Das Schweizer Pharmaunternehmen Roche untersucht in der sogenannten PrevenTRON-Studie, wie der Wirkstoff Trontinemab bei kognitiv gesunden Hochrisikopersonen in Europa wirkt. Bei dem Präparat handelt es sich um einen intravenös verabreichten Anti-Amyloid-Antikörper.
Ein wesentlicher technischer Aspekt ist dabei der Transport ins zentrale Nervensystem: Das Medikament nutzt Roches sogenannte Brainshuttle-Plattform, um die Blut-Hirn-Schranke effektiver zu überwinden.
Nach Schätzungen von Roche könnte dieser Mechanismus dazu führen, dass schädliche Amyloid-Plaques im Gehirn innerhalb von Wochen bis Monaten abgebaut werden. Zum Vergleich benötigen bereits zugelassene oder bekannte Antikörper wie Leqembi der Hersteller Eisai und Biogen sowie Kisunla von Eli Lilly Schätzungen zufolge ein Jahr oder länger, um vergleichbare Plaque-Mengen zu reduzieren.
Studiendesign mit Biomarker-Screening bei Hochrisikopersonen
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Das Design der PrevenTRON-Studie ist auf eine frühzeitige Identifikation von Risikoträgern ausgelegt. International werden 1.600 gesunde Erwachsene im Alter von 55 bis 80 Jahren rekrutiert. Um geeignete Teilnehmer zu ermitteln, setzen die Prüfer auf einen Bluttest, der den Biomarker p-tau217 analysiert. Dieser Biomarker gilt als Instrument, das kognitiven Abbau und das Entstehen einer Alzheimer-Krankheit mit hoher Genauigkeit vorhersagen kann.
Die Probanden, die zwar symptomfrei sind, aber erhöhte Werte dieses Biomarkers aufweisen, werden im Rahmen der Untersuchung randomisiert entweder Trontinemab oder einem Placebo zugeteilt. Die klinische Studie ist auf eine Laufzeit von mehreren Jahren angelegt.
Trotz der innovativen Zielsetzung mahnte Prof. Ramin Nilforooshan, der leitende Prüfarzt der Studie, zur Vorsicht: Die Behandlung befinde sich nach wie vor in einem experimentellen Stadium, weshalb verlässliche Aussagen über den dauerhaften Schutz vor Demenz erst nach Abschluss der Testreihen möglich seien.
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Hohe Fallzahlen und ergänzende Forschungsansätze
Der Bedarf an wirksamen Schutzkonzepten ist angesichts der demografischen Entwicklung hoch. Nach Schätzungen der Alzheimer's Society leben derzeit rund 982.000 Menschen im Vereinigten Königreich mit einer Demenzerkrankung. Neben Antikörpern, die den Abbau bestehender Eiweißablagerungen beschleunigen sollen, untersuchen Forschungsinstitute parallel weitere biochemische Angriffspunkte.
So präsentierten Forscher der ETH Zürich mit dem Ansatz Compound 10 einen weiteren experimentellen Entwicklungspfad in der Alzheimer-Forschung. Ob sich daraus künftig marktfähige Medikamente entwickeln lassen, müssen weitere Überprüfungen zeigen.
