Alzheimer: Taxifahrer haben 40% niedrigeres Sterblichkeitsrisiko
Veröffentlicht am: 26.08.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wissenschaftliche Analysen zur Gehirngesundheit deuten darauf hin, dass die Wahl des Berufs und die damit verbundenen täglichen Anforderungen einen messbaren Einfluss auf das Risiko haben könnten, an einer Alzheimer-Erkrankung zu versterben.
Eine im Jahr 2024 im Fachmagazin The BMJ veröffentlichte US-Studie untersuchte diesen Zusammenhang auf Basis umfangreicher Datenmengen und identifizierte signifikante Unterschiede zwischen verschiedenen Berufsgruppen.
Geringste Sterblichkeitsrate bei Taxifahrern und Rettungskräften
Die Untersuchung, die auf der Analyse von 8.972.221 Todesfällen in den USA in den Jahren 2020 bis 2022 basiert, identifizierte unter insgesamt 443 untersuchten Berufen spezifische Gruppen mit besonders niedrigen Alzheimer-Mortalitätsraten. Den Ergebnissen zufolge weisen Taxifahrer mit einer adjustierten Rate von 1,03 % die geringste Alzheimer-Sterblichkeit auf. Dicht darauf folgen Fahrer von Krankenwagen, bei denen der Wert bei 0,91 % liegt.
Im Vergleich dazu liegt die Alzheimer-Sterblichkeitsrate in der allgemeinen US-Bevölkerung mit 1,69 % deutlich höher. Statistisch gesehen versterbe etwa einer von 100 Taxifahrern oder Krankenwagenfahrern an Alzheimer, während dieses Verhältnis in der breiten Bevölkerung bei eins zu 60 liege.
Andere Transportberufe zeigen hingegen abweichende Muster: Für Busfahrer wurde eine Rate von 1,65 % ermittelt, während Kapitäne mit 2,12 % und Piloten mit 2,34 % über dem Durchschnitt der Allgemeinbevölkerung liegen.
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Hypothesen zur Schutzwirkung räumlicher Navigation
Die Autoren der zugrundeliegenden Harvard-Studie verknüpfen diese Beobachtungen mit der Hypothese, dass intensive räumliche Navigation eine schützende Wirkung auf das menschliche Gehirn ausüben könnte. Demnach fordere das tägliche Navigieren durch komplexe städtische Umgebungen, wie es für Taxifahrer und Rettungskräfte typisch ist, die kognitiven Reserven in besonderem Maße.
Diese Annahme wird durch frühere wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt. Bereits im Jahr 2000 zeigte eine Studie an Londoner Taxifahrern, dass diese Berufsgruppe strukturelle Unterschiede im Gehirn aufweist.
Konkret wurde eine Zunahme der grauen Substanz sowie eine Vergrößerung des hinteren Hippocampus festgestellt – einer Gehirnregion, die maßgeblich für das räumliche Gedächtnis und die Orientierung verantwortlich ist. Die Forscher vermuten, dass die ständige Beanspruchung dieser Areale dazu beitragen könnte, degenerative Prozesse zu verzögern oder deren Auswirkungen abzumildern.
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Methodik und wissenschaftliche Einordnung
Die groß angelegte Datenanalyse stützte sich primär auf die Auswertung von Sterbeurkunden und die darin vermerkten beruflichen Tätigkeiten der Verstorbenen.
Obwohl die Korrelationen zwischen bestimmten Berufen und einer niedrigeren Alzheimer-Mortalität statistisch signifikant sind, betonen die Experten, dass die vorliegende Studie keinen direkten Kausalnachweis erbringt. Es könne nicht abschließend belegt werden, dass die berufliche Tätigkeit allein die Ursache für das geringere Risiko ist; auch andere Faktoren wie Lebensstil oder sozioökonomische Hintergründe könnten eine Rolle spielen.
Während bei Taxifahrern und Krankenwagenfahrern ein deutlicher Effekt beobachtet wurde, blieb ein solcher bei Busfahrern aus. Dies führen Fachleute darauf zurück, dass Busfahrer meist fest vorgegebenen Routen folgen, was die Anforderungen an die aktive räumliche Navigation im Vergleich zur freien Routenplanung eines Taxifahrers reduziert.
Die Ergebnisse der Studie aus dem Jahr 2024 liefern somit wichtige Ansätze für die weitere Forschung zur kognitiven Reserve und der Prävention neurodegenerativer Erkrankungen durch gezielte mentale Stimulation.
