Alzheimer-Therapie, NOACs

Alzheimer-Therapie: NOACs senken Schlaganfall-Risiko um 34%

Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 06:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Studie mit 7.308 Betroffenen verbindet NOACs mit weniger Sterblichkeit, Schlaganfällen und Brüchen, ohne mehr schwere Blutungen zu zeigen.

NOACs bremsen kognitiven Abbau bei Alzheimer und Vorhofflimmern
Ein minimalistischer, klinischer Laborarbeitsplatz mit einer Glasapparatur und molekularen Modellen in weichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen geben neue Einblicke in die Behandlung von Alzheimer-Patienten, die zusätzlich unter Vorhofflimmern leiden. Im Zentrum der Forschung stehen sogenannte nicht-vitamin-K-abhängige orale Antikoagulanzien (NOACs) wie Rivaroxaban, Apixaban, Dabigatran und Edoxaban.

Diese Wirkstoffe könnten laut einer im European Heart Journal veröffentlichten Studie des Karolinska Institutet dazu beitragen, den kognitiven Verfall bei Betroffenen messbar zu verlangsamen.

Wirksamkeit von NOACs bei bestehender Demenzerkrankung

Die Untersuchung des Karolinska Institutet stützte sich auf Daten des SveDem-Registers von insgesamt 7.308 Patienten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Gabe von NOACs den kognitiven Abbau bei Alzheimer-Patienten mit Vorhofflimmern im Vergleich zu einer Behandlung mit Warfarin oder dem gänzlichen Verzicht auf Antikoagulation um mehr als 0,2 MMSE-Punkte (Mini-Mental-Status-Test) pro Jahr verlangsamte. Während der Effekt auf jährlicher Basis als moderat eingestuft wird, halten die Forscher eine kumulative Signifikanz über mehrere Jahre für möglich.

Darüber hinaus zeigte die Analyse deutliche Vorteile hinsichtlich der allgemeinen klinischen Ergebnisse. Im Vergleich zu Patienten ohne Antikoagulation war die Verwendung von NOACs mit einer um 19 Prozent geringeren Mortalität verbunden (HR 0,81).

Das Risiko für einen ischämischen Schlaganfall sank um 34 Prozent (HR 0,66) und das Risiko für Knochenbrüche um 21 Prozent (HR 0,79). Ein signifikanter Anstieg schwerer Blutungen wurde dabei nicht verzeichnet.

Vergleich zwischen NOACs und Warfarin

In der direkten Gegenüberstellung mit dem klassischen Gerinnungshemmer Warfarin schnitten NOACs ebenfalls vorteilhaft ab. Das Risiko für Schlaganfälle oder Embolien lag bei NOAC-Patienten um 22 Prozent niedriger (HR 0,78), während das Risiko für schwere Blutungen um 20 Prozent reduziert war (HR 0,80).

Im Gegensatz dazu wurde unter Warfarin ein um 31 Prozent höheres Risiko für schwere Blutungen beobachtet. Trotz dieser Ergebnisse betonen die Autoren, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die keinen direkten Kausalitätsnachweis liefert. Weitere Forschung zu den genauen Wirkmechanismen sei erforderlich.

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Zulassungsstatus und Verfügbarkeit neuer Antikörpertherapien

Parallel zur Erforschung bestehender Medikamente entwickeln sich die spezialisierten Alzheimer-Therapien weiter. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat kürzlich die Marktzulassung für den Antikörper Donanemab zur Behandlung der Alzheimer-Frühphase empfohlen. Die endgültige Entscheidung obliegt der EU-Kommission. In den USA, Japan, China und Großbritannien ist das Medikament bereits zugelassen.

Schätzungen zufolge kommt Donanemab für etwa 10 Prozent der Patienten infrage, insbesondere für jene mit maximal einer ApoE4-Kopie. Die Therapie soll das Fortschreiten der Erkrankung um bis zu ein halbes Jahr verlangsamen können. An spezialisierten Einrichtungen wie der Gedächtnisambulanz der Med Uni Graz sind moderne Anti-Amyloid-Antikörpertherapien wie Lecanemab und Donanemab bereits verfügbar.

Präventionspotenzial und demografische Entwicklung

Die Relevanz neuer Therapieformen wird durch aktuelle Prognosen zur Krankheitslast unterstrichen. Laut Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben im Jahr 2026 rund 1,84 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland.

Bis zum Jahr 2050 wird ein Anstieg auf etwa 2,3 bis 2,7 Millionen Betroffene erwartet. Experten weisen darauf hin, dass durch konsequente Prävention und die Adressierung von 14 modifizierbaren Risikofaktoren rund 36 Prozent der Fälle vermieden werden könnten.

Zu den präventiven Maßnahmen zählen laut dem Neurologen Heinz Wiendl neben lebenslangem Lernen und körperlicher Bewegung auch soziale Aktivitäten und Herz-Kreislauf-Gesundheit. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2025 deutete zudem darauf hin, dass eine Influenza-Impfung mit einer relativen Risikoreduktion von rund 13 Prozent assoziiert sein könnte.

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Neue Ansätze in Diagnostik und Grundlagenforschung

In der diagnostischen Forschung werden zunehmend Biomarker-Scores relevant. Am 23. September 2026 wird auf dem DGG/DGGG-Jahreskongress in Frankfurt der Score „Personal-MetaboHealth“ vorgestellt. Dieser soll eine kostengünstige und skalierbare Einschätzung des Risikos für kognitiven Verfall sowie kardiovaskuläre Erkrankungen ermöglichen.

Gleichzeitig liefern Studien an isolierten Populationen wie den Tsimane und Mosetén in Bolivien alternative Erkenntnisse. Dort zeigt sich eine geringe Demenzprävalenz von unter 2 Prozent, wobei auftretende Fälle eher vaskuläre Profile aufweisen als das typische Alzheimer-Muster mit Amyloid- und Tau-Ablagerungen. Diese Beobachtungen stützen die Annahme, dass die Gefäßgesundheit eine Schlüsselrolle bei der Vermeidung neurodegenerativer Prozesse spielt.

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