Alzheimer und Depression: Psychische Symptome können den Abbau beschleunigen
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 16:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Depressive Erkrankungen und neurodegenerative Prozesse stehen in einer engen Wechselwirkung zueinander. Wie die Neuropsychologin Maria Belén Sánchez von der Sant Pau Memory Unit in einem Bericht vom 24. September 2026 darlegt, können Depressionen den Verlauf bei Alzheimer-Patienten spürbar beschleunigen.
Die psychische Verfassung der Betroffenen spielt demnach sowohl in der Frühphase als auch im weiteren Krankheitsverlauf eine entscheidende Rolle für die kognitive Stabilität.
Psychische Symptome und der Verlauf der Erkrankung
Nach Angaben von Sánchez löse die Diagnose Alzheimer bei vielen Betroffenen zunächst Schock und Verwirrung aus. In der Folge träten häufig Traurigkeit, Depressionen sowie Phasen der Verleugnung auf. Der Verlauf der Erkrankung variiere dabei stark: Während manche Patienten bei einer nur leichten Verschlechterung acht bis neun Jahre lang unabhängig bleiben könnten, sei dies in anderen Fällen nicht gegeben.
Ein wesentlicher Beschleunigungsfaktor für den geistigen Abbau sei soziale Isolation. Laut Sánchez verschlechtere sich die Kognition merklich, wenn soziale und berufliche Stimulationsreize wegfielen. Dies deckt sich mit Beobachtungen aus der psychiatrischen Praxis: Die Psychiaterin María Luciana Ojeda berichtete in einem Beitrag vom 23. September 2026, dass erste Anzeichen von Alzheimer häufig nicht in offensichtlicher Vergesslichkeit bestünden, sondern sich stattdessen in Verhaltensänderungen, Depressionen und Angstzuständen äußerten.
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Auch eine im Journal of Neuropsychiatry and Clinical Neurosciences veröffentlichte Untersuchung belegt einen Zusammenhang zwischen depressiven Erkrankungen und einem später erhöhten Risiko für Demenzerkrankungen.
Globale Dimensionen und beeinflussbare Risikofaktoren
Die Tragweite der neurodegenerativen Erkrankungen verdeutlichen aktuelle Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Weltweit leben über 57 Millionen Menschen mit Demenz, wobei jährlich rund 10 Millionen Neuerkrankungen hinzukommen. Auf die Alzheimer-Krankheit entfallen dabei 60 bis 70 Prozent aller Demenzfälle.
Für Spanien bezifferte Sánchez die Zahl der Alzheimer-Patienten auf rund 800.000, von denen 50.731 in Katalonien lebten. Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation sind bis zu 45 Prozent des gesamten Demenzrisikos auf modifizierbare Faktoren zurückzuführen. Neben Depressionen stuft die Organisation Bluthochdruck, Diabetes, Bewegungsmangel, soziale Isolation, Rauchen, Alkoholkonsum sowie schlechten Schlaf als relevante Risikofaktoren ein.
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Ansätze zur Früherkennung und Unterstützung
Zur besseren Bewältigung der Krankheit gewinnen diagnostische Verfahren an Bedeutung. Sánchez verweist darauf, dass moderne Biomarker mittlerweile eine Früherkennung von Alzheimer ermöglichen. Als wirksame Gegenmaßnahmen zur Verlangsamung des Abbaus empfiehlt die Neuropsychologin eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche Bewegung, ein aktives soziales Leben sowie gezielte kognitive Stimulation.
Gleichzeitig weist die Expertin auf bestehende Versorgungsdefizite hin. Insbesondere pflegende Familien und Angehörige benötigten dringend Erholungsräume und Entlastungsangebote, die nach Einschätzung von Sánchez derzeit noch unzureichend vorhanden seien.
