Alzheimer, Parkinson

Alzheimer und Parkinson: Wie Malen Ausdruck und Teilhabe fördern kann

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 13:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ausstellungen und Therapieangebote verbinden Malerei, Musik und Bewegung mit sozialem Austausch für Menschen mit Demenz.

Kunst und Demenz: Kreative Angebote fördern Ausdruck und Teilhabe
Ein sonnendurchflutetes Kunstatelier mit einer Staffelei, einem bemalten Leinwandbild in Blautönen und einer Palette mit Farbresten. Illustration mit AI erstellt.

Künstlerische Aktivitäten wie Malerei und Handwerk gewinnen in der Begleitung von Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen an Bedeutung. Aktuelle Berichte und Initiativen veranschaulichen, wie Betroffene mit Alzheimer oder Parkinson durch gestalterische Prozesse ihre Ausdrucksfähigkeit und kognitive Teilhabe aufrechterhalten können. Das kreative Schaffen eröffnet Kommunikationswege jenseits rein sprachlicher Fähigkeiten und ermöglicht es den Teilnehmenden, eigene Fähigkeiten aktiv einzubringen.

Kulturelle Teilhabe und Malerei in Betreuungseinrichtungen

Mehrere Ausstellungsprojekte zeigen konkrete Ergebnisse solcher Angebote. In Santiago de Compostela wurde im Museo Centro Gaiás die Werkschau „CoiDándonos“ mit Arbeiten von Teilnehmenden der Alzheimerhilfe Agadea eröffnet. Die Schau ist bis zum 25. Oktober 2026 bei freiem Eintritt zugänglich.

Koordiniert wird das Malprojekt von der Künstlerin und Lehrerin Beatriz S. Saá, die hervorhebt, dass Menschen mit Alzheimer auch nach einer gestellten Diagnose weiterlernen können. Aus der Gruppe berichtete eine Teilnehmerin über spürbare Fortschritte während des Kurses. Die Organisation Agadea betreut laut eigenen Angaben derzeit rund 500 Personen.

Einen ähnlichen Schwerpunkt setzte das Tageszentrum für ältere Menschen in Ingenio, das am 7. Oktober 2026 seine XI. Gemeinschaftsausstellung im Centro Cultural Federico García Lorca eröffnete.

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Die 45 ausgestellten Arbeiten widmen sich dem Thema Meer und entstanden im Zeitraum von Januar bis Anfang Oktober 2026, ergänzt durch ein Gemeinschaftswandbild aus recycelten Materialien. Dort nutzen Personen mit Alzheimer, Parkinson und weiteren Demenzformen das Malen als Mittel der kreativen Betätigung und des persönlichen Ausdrucks.

Ergotherapeutische Ansätze und interdisziplinäre Initiativen

Neben der reinen Freizeitgestaltung kommt dem künstlerischen Schaffen auch eine therapeutische Rolle zu. Anlässlich des Weltgesundheitstags für psychische Gesundheit eröffnete NP?STANBUL am 9. Oktober 2026 die Ausstellung „Sanat?n Dilinden Hayata“.

Die Präsentation umfasst Malerei, Keramik, Ebru-Kunst und Handarbeiten, die nach Angaben der Kuratorin Ye?im Aslan aus mehr als vier bis fünf Jahren Arbeit stammen und über 100 Werke umfassen. Im Rahmen der Ergotherapie soll die künstlerische Arbeit soziale Interaktion, Ausdruck und Rehabilitation fördern, wobei betont wird, dass die Kunstwerke kein eigenständiges Diagnoseinstrument darstellen.

Ergänzend zu bildenden Künsten binden Einrichtungen zunehmend musikalische und bewegungstherapeutische Ansätze ein. Das Bürgerspital Aalen plant für den 20. Oktober 2026 das Angebot „Kreativ mit Demenz“, flankiert von einem offenen Singen am 19. Oktober sowie dem kostenfreien Konzert „Klangdialoge“ am 23. Oktober 2026. In Rosmalen veranstaltet das Parkinson Café Den Bosch am 13. Oktober 2026 eine Zusammenkunft, bei der ein Workshop zur Tanz- und Bewegungsmethode Switch2move angeboten wird, der auch im Sitzen durchgeführt werden kann.

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Wissenschaftlich wird der Einfluss kreativer Betätigung weiter erforscht: Ein internationales, vom Wissenschaftsfonds gefördertes Forschungsprojekt mit Teams aus Österreich, Norwegen und Argentinien untersucht über eine Laufzeit von vier Jahren, inwieweit aktives Singen und das Erlernen neuer Lieder das Gedächtnis von Alzheimer-Patienten unterstützen können.

Vor dem Hintergrund steigender Fallzahlen – allein im Bundesland Salzburg leben etwa 10.000 Menschen mit Demenzerkrankungen, davon rund zwei Drittel mit Alzheimer – verdeutlichen diese Initiativen das Potenzial künstlerischer Interventionen für den Erhalt von Lebensqualität und Teilhabe.

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