Alzheimer-Vorhersage: RNA-Marker könnten Krankheit 34 Jahre früh erkennen
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 18:33 Uhr, Redaktion boerse-global.de
000 Demenzkranke, bis 2060 könnte die Zahl auf 340.000 steigen. Die Gesundheitsversorgung reagiert mit einem neuen Ansatz: Apotheken übernehmen künftig eine erweiterte Rolle in der Früherkennung.
Gedächtnis-Check direkt in der Apotheke
In München läuft seit Anfang Juli 2026 ein Pilotprojekt der LMU. 14 Apotheken bieten dort für Menschen ab 60 Jahren tabletgestützte Gedächtnis-Tests an. Die rund 30-minütigen Checks umfassen Aufgaben zur Symbolzuordnung und Fragebögen zu individuellen Risikofaktoren.
Leiter des Projekts „Demenzfreundliche Apotheken“ (Dare) sind Cosima Dermann und Robert Perneczky vom LMU Klinikum. Ziel: kognitive Auffälligkeiten frühzeitig erkennen. Bei unterdurchschnittlichen Ergebnissen vermitteln die Apotheken direkt an Fachärzte. Die Hemmschwelle für eine erste Vorsorgeuntersuchung soll so deutlich sinken.
Neue Rechte für Apotheker
Flankiert wird das Münchner Projekt durch ein neues Bundesgesetz. Der Bundesrat verabschiedete im Juni 2026 das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG). Seit Mitte Juni dürfen Apotheken Schutzimpfungen mit Nicht-Lebendimpfstoffen durchführen und venöse Blutentnahmen vornehmen. Auch Herzkreislauf-Screenings und assistierte Telemedizin gehören nun zum erweiterten Leistungsspektrum.
Die Reaktionen sind gemischt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung kritisiert vor allem Blutentnahmen und Impfungen in Apotheken als potenziell risikobehaftet. Dennoch startete im Sommer 2026 das bundesweite Pilotprojekt „symptoX“ mit 100 teilnehmenden Apotheken, um die neuen Dienstleistungen zu erproben.
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Bluttest mit 90 Prozent Treffsicherheit
Parallel zur dezentralen Vorsorge hat sich auch die Labordiagnostik weiterentwickelt. Seit Juli 2026 ist der Bluttest p-Tau217 in spezialisierten Kliniken und bei Fachärzten verfügbar. Er erreicht eine Treffsicherheit von über 90 Prozent. Die EU-Zulassung erfolgte bereits im Mai 2026.
Fachleute betonen: Der Test dient als Indikator. Eine abschließende Diagnose erfordert weiterhin bildgebende Verfahren wie CT oder MRT sowie Liquoruntersuchungen.
RNA-Marker könnten Alzheimer 34 Jahre vorhersagen
Die Forschung geht noch weiter. Mitte Juli 2026 werden auf der Expertenkonferenz AAIC in London neue Erkenntnisse zu RNA-Markern erwartet. Diese könnten eine Alzheimer-Vorhersage bis zu 34 Jahre vor dem klinischen Ausbruch ermöglichen. Unternehmen wie Roche und Novo Nordisk präsentieren dort zudem aktuelle Daten aus Phase-III-Studien zu neuen Wirkstoffen wie Trontinemab und Semaglutid.
Seit Juni 2026 sind in Deutschland zwei Antikörper-Therapien verfügbar: Lecanemab und Donanemab. Schätzungen zufolge kommen rund 120.000 Patienten für diese Behandlungen infrage.
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Bekannte Medikamente beeinflussen Demenzrisiko
Aktuelle Studien liefern Hinweise auf den Einfluss bereits etablierter Medikamente. Eine im Juni 2026 in Nature Metabolism veröffentlichte Analyse von 66.000 Probanden zeigt: Eine Dauertherapie mit Protonenpumpenhemmern (PPI) kann das Demenzrisiko um bis zu 44 Prozent erhöhen.
Im Gegensatz dazu senken SGLT2-Inhibitoren das Risiko um 43 Prozent und GLP-1-Agonisten um 33 Prozent. In der Grundlagenforschung identifizierten Wissenschaftler der University of Utah Health zudem das Protein Arc als maßgeblich für den Transport von schädlichem Tau-Protein zwischen Neuronen – ein neuer Ansatz für künftige Behandlungsstrategien.
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