Ambiguous, Loss

Ambiguous Loss: Wie Angehörige Demenz-Verluste bewÀltigen

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 11:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fachleute erklÀren uneindeutige Verluste bei Demenz, wÀhrend Wohnprojekte, Begegnungsangebote und Veranstaltungen soziale Isolation im Alter mindern.

Einsamkeit im Alter: Neue Wohnmodelle und Hilfe bei Demenz
Ein heller, freundlicher Gemeinschaftsraum in einer Senioreneinrichtung mit einem bequemen Sessel und Blick ins GrĂŒne. Illustration mit AI erstellt.

Die BewÀltigung von Einsamkeit und der Umgang mit komplexen Verlustsituationen gewinnen in der Seniorenbetreuung zunehmend an Bedeutung. Verschiedene Initiativen und wissenschaftliche Konzepte widmen sich verstÀrkt dem PhÀnomen der sozialen Isolation sowie spezifischen Belastungen durch Demenzerkrankungen.

Besonders der von Professor Pauline Boss bereits in den 1970er Jahren geprĂ€gte Begriff des uneindeutigen Verlusts („Ambiguous loss“) rĂŒckt dabei in den Fokus der Fachwelt.

Konzepte zum Umgang mit uneindeutigen Verlusten

Laut Berichten aus dem September 2026 unterscheidet die Forschung zwei Hauptformen des uneindeutigen Verlusts. Die erste Form betrifft Menschen, die körperlich abwesend, aber psychisch prĂ€sent sind – etwa durch Flucht, Haft oder VermisstenfĂ€lle.

Die zweite Form, die besonders im Kontext des Alterns relevant ist, beschreibt Personen, die physisch anwesend, aber kognitiv oder emotional nicht mehr erreichbar sind. Dies tritt hÀufig bei Demenzerkrankungen oder schweren Hirnverletzungen auf.

Professor Anette Kersting von der UniversitĂ€t Leipzig erlĂ€utert hierzu, dass bei einem solchen uneindeutigen Verlust der klassische Abschied ausbleibe. Die Betroffenen mĂŒssten eine dauerhafte WidersprĂŒchlichkeit aushalten.

Die Trauerexpertin Chris Paul beschreibt diesen Zustand als eine Serie vieler kleiner Verluste und empfiehlt, sich auf den gegenwÀrtigen Moment zu konzentrieren. Sollten sich im Zusammenhang mit diesen Belastungen depressive Symptome entwickeln, raten Experten zur Konsultation von HausÀrzten oder Psychotherapeuten.

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Innovative Wohn- und Betreuungsformen

Um der Isolation entgegenzuwirken, etablieren sich unterschiedliche Wohnmodelle. In Köln wird beispielsweise das „Kölner Modell“ in der Demenz-WG Stammheimer Ufer praktiziert. Hier leben acht Bewohner in einer als GbR organisierten Gemeinschaft, wobei jeder ein eigenes Zimmer mit Bad nutzt. Seit Januar 2025 kooperiert die Einrichtung mit den 1991 gegrĂŒndeten Krankenpflegediensten Köln.

Auch internationale Beispiele verdeutlichen die Kostenstrukturen und Herausforderungen im Alter. Ein 72-jĂ€hriger Witwer in Seoul bezog nach dem Tod seiner Ehefrau eine zentrale Seniorenwohnanlage. Die monatlichen Kosten belaufen sich dort auf ĂŒber 3 Millionen Won, was etwa 1920 Euro entspricht.

Diese Summe deckt Miete, Mahlzeiten, Energie, Internet und ein Taschengeld ab. Laut dem sĂŒdkoreanischen Gesundheitsministerium existieren landesweit 47 solcher Einrichtungen. In Deutschland bietet unterdessen das Intensivpflegeteam Unterfranken seit zehn Jahren ambulant betreute WGs in WĂŒrzburg, Rimpar und Schweinfurt als Alternative zur vollstationĂ€ren Unterbringung an.

Initiativen zur Förderung sozialer Kontakte

Zahlreiche regionale Projekte setzen auf Begegnungsangebote, um Einsamkeit vorzubeugen. In KĂ€rnten macht die Kampagne „Yellow September“ mit gelben BĂ€nken an öffentlichen PlĂ€tzen in Klagenfurt, Villach und Spittal an der Drau auf das Thema aufmerksam. Die Aktion lĂ€uft bis zum Welttag der psychischen Gesundheit im Oktober.

Weitere UnterstĂŒtzungsangebote umfassen:
* LVR-Klinik Viersen: Start einer 14-tĂ€gigen GesprĂ€chsgruppe fĂŒr Trauernde Ende September 2026. Das Angebot umfasst 15 Treffen fĂŒr Menschen, die im Vorjahr Angehörige verloren haben.
* Pro Senectute ZĂŒrichsee-Linth: DurchfĂŒhrung einer Herbstsammlung zur Finanzierung von Betreuungs- und Begegnungsangeboten in zehn Gemeinden.
* Rheinisch-Bergischer Kreis: Das 2020 gestartete Projekt „Wir kommen in Bewegung!“ zur Resilienzförderung pflegender Angehöriger wurde nach einer Befragung von 135 Betroffenen in ein kreisweites Netzwerk ĂŒberfĂŒhrt. Die Förderung ist bis zum 31. Dezember 2025 gesichert.

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Fachveranstaltungen und Beratungsangebote

Im Rahmen des Welt-Alzheimertags am 21. September sind verschiedene Veranstaltungen geplant. In Heiligenhaus wird ein Improvisationstheater zum Thema Demenz aufgefĂŒhrt, wĂ€hrend in Doetinchem Betroffene und Partner ĂŒber den Erhalt gesellschaftlicher Teilhabe berichten. In Bremen findet am 19. September ein Fachtag statt, der Themen wie Laboruntersuchungen bei Alzheimer und kulturelle Unterschiede in der Pflege behandelt.

ErgĂ€nzend widmen sich Vereine wie Trauerland Bremen der UnterstĂŒtzung jĂŒngerer Generationen mit kostenlosen Gruppen fĂŒr Kinder und Jugendliche. Zur Vermittlung des Thema an Kinder findet zudem Ende September eine Lesung aus dem Buch „Griefy, die Trauerelfe“ statt. FĂŒr das FrĂŒhjahr 2027 plant der Seniorenbeirat Aar-Einrich bereits eine umfassende Ausstellung zu Sicherheit, Vorsorge und Selbstbestimmung im Alter.

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