AMD-Behandlung: EU lässt zwei neue Netzhautimplantate zu
Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 20:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) bekommt zwei neue Hoffnungsträger. Die EU hat sowohl ein innovatives Netzhautimplantat als auch ein Port-System zur Medikamentenabgabe zugelassen. Beide Ansätze zielen darauf ab, die Sehkraft zu erhalten oder wiederherzustellen.
Photovoltaischer Chip gegen trockene AMD
Das Unternehmen Science Corp. hat für sein Prima-Sehsystem die CE-Kennzeichnung erhalten. Damit darf der Chip in 30 europäischen Ländern eingesetzt werden. Das System besteht aus einem zwei mal zwei Millimeter großen photovoltaischen Mikrochip, der unter die Netzhaut implantiert wird. Er stimuliert verbliebene Nervenzellen und liefert Schwarz-Weiß-Bilder in einem begrenzten Sichtfeld.
Die klinischen Ergebnisse sind vielversprechend. In einer Studie, über die das New England Journal of Medicine berichtete, konnten 84 Prozent der 38 Teilnehmer Buchstaben, Zahlen und Wörter erkennen. Die Probanden verbesserten ihre Sehschärfe im Durchschnitt um 25,5 ETDRS-Buchstaben. Das natürliche periphere Sehvermögen bleibt laut den Daten unbeeinträchtigt. Erste kommerzielle Implantationen in Deutschland sind für August und September 2026 geplant.
Nachfüllbares Implantat gegen feuchte AMD
Die EU hat zwei neue Netzhautimplantate zugelassen: Einen Chip, der bei trockener AMD Buchstaben lesbar macht, und ein nachfüllbares System, das bei feuchter AMD nur noch zwei Injektionen pro Jahr erfordert. Erfahren Sie in unserem kostenlosen Ratgeber, ob Sie als Kandidat infrage kommen und welche Kliniken die Behandlung anbieten. Jetzt Ratgeber anfordern
Für Patienten mit der feuchten Form der AMD gibt es parallel eine weitere Neuerung. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA hat am 24. Juli 2026 die Zulassung von Susvimo empfohlen. Das System der Roche Registration GmbH setzt den Wirkstoff Ranibizumab kontinuierlich direkt im Auge frei.
Der entscheidende Vorteil: Das Implantat muss nur alle sechs Monate nachgefüllt werden. Herkömmliche Therapien erfordern dagegen oft monatliche Injektionen. Die Phase-3-Studie Archway mit 415 Teilnehmern belegte, dass die Wirksamkeit vergleichbar ist. Das System richtet sich an Patienten, die zuvor stabil auf VEGF-Inhibitoren reagiert haben. Die zugrunde liegende Port-Delivery-Plattform Contivue hatte bereits 2025 die CE-Kennzeichnung erhalten.
Wendepunkt in der Augenheilkunde
Leiden Sie unter trockener AMD und haben bisher keine wirksame Therapie? Ein neuer photovoltaischer Mikrochip unter der Netzhaut kann verbliebene Nervenzellen stimulieren – 84 % der Studienteilnehmer konnten damit Buchstaben und Zahlen erkennen. Unser Ratgeber erklärt die Voraussetzungen und den Weg zur Implantation. Mehr zum Chip-Implantat erfahren
Die endgültige Marktzulassung für Susvimo wird nach der positiven CHMP-Empfehlung von der Europäischen Kommission erwartet. Das Prima-Implantat war von der FDA bereits als „Breakthrough Device“ eingestuft worden.
Beide Technologien könnten die ophthalmologische Versorgung grundlegend verändern. Sie ersetzen entweder verlorene Funktionen teilweise oder verbessern die Therapietreue durch deutlich seltenere Behandlungen. Experten beobachten die ersten kommerziellen Anwendungen in Deutschland genau – sie müssen zeigen, ob sich die Studienergebnisse in den klinischen Alltag übertragen lassen.
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