AMD-Früherkennung: Neue Leitlinie empfiehlt Screening ab 55 Jahren
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 05:54 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie altersbedingte Makuladegeneration (AMD) gilt in Industrieländern als eine der führenden Ursachen für schweren Sehverlust im höheren Lebensalter. Angesichts einer alternden Bevölkerung gewinnt die Früherkennung und Risikobewertung zunehmend an Bedeutung.
Führende deutsche ophthalmologische Fachgesellschaften haben nun in der ersten Leitlinie zur Prävention der altersbedingten Makuladegeneration ein systematisches Screening ab dem Alter von 55 Jahren empfohlen, wie die Ärzte Zeitung in einem Bericht vom 22. Oktober 2026 hervorhob. Zugleich stellten die Fachleute fest, dass der traditionelle Amsler-Gittertest allein als Screeninginstrument nicht tauglich ist.
Neue Leitlinie rückt apparative Untersuchungen in den Fokus
Mit der konkreten Empfehlung ab dem 55. Lebensjahr definieren die Fachgesellschaften eine Altersgrenze für den Beginn strukturierter Kontrollen. Bislang verließen sich viele Betroffene und Beratungsangebote auf die Amsler-Netzkarte, mit der Patienten selbst prüfen, ob gerade Linien krumm oder wellig erscheinen oder Flecken im Sehzentrum auftreten.
Nach Beurteilung der Fachgesellschaften reicht dieser Test isoliert jedoch nicht aus, um Frühstadien der Erkrankung im Rahmen eines Screenings zuverlässig zu erfassen. Als diagnostischer Standard zur detaillierten Beurteilung der Netzhautstrukturen dient in der augenärztlichen Praxis die optische Kohärenztomografie (OCT).
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Die epidemiologische Dimension der Erkrankung unterstreichen Zahlen aus der Forschung: Laut Prof. Trifon Rotsos von der Demokrit-Universität Thrakien sind weltweit rund 200 Millionen Menschen von AMD betroffen, bis 2040 wird ein Anstieg auf 300 Millionen erwartet.
In Industrieländern sei die Erkrankung die häufigste Ursache legaler Blindheit, mit einer Betroffenheit von 10 bis 13 Prozent bei den über 60-Jährigen und fast 50 Prozent in der Altersgruppe von 80 bis 85 Jahren.
Screening-Modelle und organisatorische Ansätze
Welche Wege zur Früherkennung beschritten werden können, wird in Fachkreisen auf unterschiedlichen Ebenen diskutiert. Auf der Obermeister-Tagung des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) am 10. Oktober 2026 in Berlin bildete das Screening einen zentralen Schwerpunkt.
Dort stellte Dr. Alex Hein von Skleo Health eine Kooperation mit der Drogeriemarktkette dm vor, während Peter Gumpelmayer vom europäischen Verband ECOO das iScreen-Projekt zur AMD-Früherkennung erläuterte. Kai Jaeger vom ZVA betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit einer qualifizierten Einordnung der Ergebnisse und einer kontinuierlichen Versorgung.
Auch international kommen unterschiedliche Screening-Modelle zum Einsatz: In Italien organisierte die ASL Lecce am Ospedale Vito Fazzi unter Leitung von Dr.ssa Maria Carmela Costa für den 23. und 24. Oktober 2026 ein kostenfreies Screening, das sich vor allem an über 50-Jährige sowie an Diabetiker ohne vorherige Makula- oder OCT-Kontrolle richtete.
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In Bulgarien setzt eine mobile Kampagne für Menschen ab 50 Jahren und Diabetiker auf ein 60-Sekunden-Verfahren ohne medikamentöse Pupillenerweiterung, bei dem künstliche Intelligenz die Netzhautfotos bewertet und medizinisches Personal die Befunde direkt vor Ort prüft.
Neue Erkenntnisse zu Biomarkern und Risikofaktoren
Neben bekannten Faktoren wie Alter, Lebensstil und familiärer Veranlagung untersuchen Wissenschaftler auch biologische Signalwege. Eine in der Fachzeitschrift European Journal of Epidemiology erschienene Untersuchung analysierte die Daten von 117.714 Teilnehmenden der Copenhagen General Population Study, 388.758 aus der UK Biobank und 285.612 aus dem Million Veteran Program. Unter den Personen ohne AMD-Diagnose zu Beginn entwickelten im Verlauf 27.130 Teilnehmende eine klinisch diagnostizierte AMD.
Dabei zeigte sich, dass höhere Eosinophilen-Werte mit einem erhöhten Risiko assoziiert waren: Ein Anstieg der genetisch vorhergesagten Eosinophilenzahl um eine Standardabweichung entsprach einer 1,07- bzw. 1,12-fachen Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer AMD. Die Forschungsgruppe wies jedoch einschränkend darauf hin, dass bislang nicht nachgewiesen ist, ob eine gezielte Senkung der Eosinophilen das Erkrankungsrisiko verringert.
