AMD vs. Nvidia: Fünf-Milliarden-Deal mit Anthropic angekündigt
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 05:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der US-Chiphersteller AMD sichert sich mit einer strategischen Partnerschaft und einem Milliardeninvestment Zugang zum boomenden KI-Markt – und fordert damit den Branchenprimus Nvidia heraus.
München – AMD hat am 22. Juli 2026 eine weitreichende Kooperation mit dem KI-Unternehmen Anthropic bekannt gegeben. Der Deal umfasst eine mögliche Beteiligung von bis zu fünf Milliarden Euro sowie den Aufbau von bis zu zwei Gigawatt (GW) KI-Rechenkapazität. Nur zwei Tage zuvor hatte Microsoft Azure zugesagt, AMDs Helios-Rack-Lösung einzusetzen. Die Branche beobachtet gespannt, ob AMD damit Nvidias Dominanz im Markt für KI-Chips brechen kann – derzeit hält Nvidia Schätzungen zufolge zwischen 80 und 95 Prozent des Marktes.
Milliarden für die KI-Infrastruktur
Die Zusammenarbeit mit Anthropic ist auf mehrere Jahre angelegt. Im Fokus steht die Optimierung des Claude-Modells für AMDs ROCm-Software-Stack. Die ersten Instinct MI455X-GPUs in Helios-Racks sollen in der ersten Jahreshälfte 2027 ausgeliefert werden – zunächst mit einer Kapazität von einem Gigawatt. Damit steigen AMDs gesamte KI-Compute-Verpflichtungen auf rund 14 GW. Zu den Partnern zählen neben Anthropic auch Meta und OpenAI.
Microsoft Azure hatte bereits am 20. Juli bestätigt, das AMD-Helios-System für Inferenzaufgaben einzusetzen. Das Rack ist ein gebündeltes Paket mit 72 Instinct MI455X-GPUs, EPYC-Venice-CPUs und Pensando-Netzwerkkomponenten. AMDs aktueller Marktanteil bei Data-Center-GPUs liegt bei rund 4,5 Prozent – das Unternehmen peilt jedoch 20 bis 25 Prozent in den kommenden Jahren an.
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Hardware-Vergleich: Helios gegen Vera Rubin
Der Wettbewerb entscheidet sich zunehmend auf Rack-Ebene. AMDs Helios-Rack bietet 31 Terabyte HBM4-Speicher und eine Bandbreite von 1.400 Terabyte pro Sekunde. Die Plattform setzt auf UALink-over-Ethernet-Verbindungen und ist für Flüssigkeitskühlung in OCP-Gehäusen ausgelegt.
Nvidia bleibt indes nicht untätig: Am 21. Juli gab das Unternehmen bekannt, dass es seine Vera-Rubin-NVL72-Racks an Großkunden wie Google Cloud, Microsoft Azure, Oracle Cloud, CoreWeave und OpenAI ausliefert.
Ein Blick auf die Preise zeigt deutliche Unterschiede: Das AMD-Helios-Rack kostet zwischen fünf und 5,5 Millionen Euro, Nvidias Vera-Rubin-System liegt bei 3,5 bis vier Millionen Euro. AMD argumentiert, dass die höheren Kosten durch bessere Durchsatz- und Speicherwerte gerechtfertigt seien. Die EPYC-CPUs böten deutlich mehr Rack-Durchsatz als Nvidias vergleichbare Angebote.
Der Kampf um die Server-CPU
Die Rivalität hat längst den CPU-Markt erreicht. Nvidias Vera-Chip, der Anfang des Jahres in die Serienproduktion ging, wird bereits an OpenAI, Anthropic und SpaceX ausgeliefert. Im Juni 2026 meldete Nvidia einen 50-prozentigen Leistungsvorteil bei KI-Agenten-Aufgaben gegenüber traditionellen x86-Prozessoren.
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Branchenbeobachter sehen, dass Nvidia seine Botschaft zunehmend auf CPUs als Herzstück sogenannter „agentischer Rechenzentren“ ausrichtet. AMD bleibt jedoch ein ernstzunehmender Gegner: Marktforscher bezeichnen die EPYC-Serie als erste Wahl für Enterprise-KI-Server-CPUs, insbesondere aufgrund ihrer Leistung in Standard-Rechenzentren.
Neue Konkurrenz von Amazon und Co.
Während Nvidia und AMD den Hauptkampf austragen, entwickeln andere Hyperscaler eigene Alternativen. Amazon skaliert seine Trainium-Chip-Reihe massiv: Über 1,4 Millionen Trainium2-Chips sind bereits im Einsatz, die massenproduktion von Trainium3 läuft. Berichten vom 21. Juli zufolge verhandelt Amazon sogar über den Verkauf von Trainium-Racks an externe Kunden.
Auch in der Lieferkette tut sich etwas. Samsung hat sich offenbar als HBM4-Lieferant für AMD positioniert, während SK hynix den Großteil der Speicherversorgung für Nvidias Rubin-Plattform übernimmt. Analysten weisen zudem darauf hin, dass TSMC für das kommende Jahr Preiserhöhungen plant – das könnte die Hardwarekosten für Unternehmen ab 2027 spürbar steigen lassen.
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