Amgen-Datenleck: Hacker stehlen Patientendaten aus Cloud-Umgebungen
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 21:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der US-Pharmariese Amgen ist Opfer eines erheblichen Cyberangriffs geworden. Unbekannte Täter erbeuteten sowohl proprietäre Unternehmensdaten als auch sensible Patientengesundheitsdaten aus mehreren Cloud-Umgebungen des Konzerns. Der Fall dürfte auch für deutsche Behörden und Gesundheitsunternehmen von Bedeutung sein, da er die wachsende Bedrohungslage für die Pharmabranche verdeutlicht.
Datenleck als „wesentlich" eingestuft
Amgen entdeckte den Einbruch im Juli 2026 und stufte den Vorfall am 29. Juli offiziell als wesentlich (material) ein. Diese Einstufung erfolgte in einer Pflichtmeldung an die US-Börsenaufsicht SEC – ein Schritt, der bei börsennotierten Unternehmen erhebliche Auswirkungen auf den Aktienkurs haben kann. Ausschlaggebend für die Bewertung waren Umfang und Sensibilität der entwendeten Daten.
Wie viele Menschen betroffen sind, ließ der Konzern bislang offen. Auch die Namen der betroffenen Cloud-Dienstleister wurden nicht genannt. Amgen prüft derzeit, welche Benachrichtigungspflichten gegenüber den Betroffenen bestehen. In der EU und damit auch in Deutschland gelten mit der DSGVO deutlich strengere Meldefristen – binnen 72 Stunden muss eine Datenschutzverletzung gemeldet werden.
Betrieb läuft weiter – Ermittlungen laufen
Der Angriff habe die Produktionsabläufe, Finanzsysteme und die Patientenversorgung nicht beeinträchtigt, betonte das Unternehmen. Auch die Integrität der Produkte sei nicht gefährdet. Die Offenlegung kommt nur wenige Tage vor der geplanten Veröffentlichung der Quartalszahlen am Dienstag – ein Timing, das Anleger aufhorchen lässt.
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Forensische Experten wurden beauftragt, den Umfang des Einbruchs zu untersuchen und die Schadensbehebung zu unterstützen. Trotz der laufenden Ermittlungen funktionierten die Kerngeschäfte uneingeschränkt weiter.
Experten vermuten Vishing-Angriffskette
Cybersicherheitsforscher vermuten eine komplexe Angriffskette: Demnach könnten Angreifer über Voice-Phishing (Vishing) an Zugangsdaten gelangt sein, anschließend eine Multi-Faktor-Authentifizierung zurückgesetzt und schließlich ein Single-Sign-On-Konto übernommen haben. Amgen selbst hat die Täter nicht identifiziert. In Branchenkreisen wird jedoch über eine mögliche Beteiligung der berüchtigten Gruppe ShinyHunters spekuliert, die in der Vergangenheit mehrfach für massive Datendiebstähle verantwortlich war.
Bereits am 24. Juli hatte das Health-ISAC, ein Warnsystem für die Gesundheitsbranche, vor akuten Bedrohungen für den Sektor gewarnt. Der Vorfall reiht sich ein in eine besorgniserregende Serie: Erst im Frühjahr meldete der Medizintechnik-Konzern Medtronic einen Cyberangriff, von dem mehrere Millionen Datensätze betroffen waren.
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Regulatorischer Gegenwind zusätzlich zur Cyberkrise
Die Offenlegung kommt für Amgen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der Konzern steht wegen seines Medikaments Tavneos unter Druck: Eine Studie zur Behandlung wurde zurückgezogen, und Berichten zufolge fordern Aufsichtsbehörden die Marktrücknahme des Präparats. Einen Zusammenhang zwischen dem Cyberangriff und den regulatorischen Problemen stellte Amgen bislang nicht her – doch die gleichzeitigen Krisen dürften das Unternehmen in den kommenden Wochen erheblich beschäftigen.
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