ANDES-Studie, DOAC

ANDES-Studie: DOAC senken Gesamtblutungen nach Vorhofohrverschluss

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach LAAO gingen Blutungen unter DOAC zurĂŒck, wĂ€hrend NOTION-4 keinen klinischen Vorteil fĂŒr den routinemĂ€ĂŸigen Einsatz nach TAVR belegte.
Ein minimalistischer, steriler Krankenhausflur mit weichem Licht und klaren architektonischen Linien ohne Personen. Illustration mit AI erstellt.

Die medikamentöse Nachbehandlung nach kardiologischen Klappeneingriffen und Device-Implantationen bleibt Gegenstand intensiver klinischer Forschung. Im Zentrum der Diskussion steht das AbwÀgen zwischen dem Schutz vor thrombembolischen Komplikationen und dem Risiko schwerer Blutungen.

Neue Daten aus mehreren Studien liefern differenzierte Erkenntnisse zum Einsatz direkter oraler Antikoagulanzien (DOAC) im Vergleich zu Thrombozytenaggregationshemmern.

NOTION-4: Transienter Effekt auf Klappensegelverdickungen nach TAVR

Auf dem ESC-Kongress 2026 vorgestellte Daten der NOTION-4-Studie widmeten sich der Frage, welche gerinnungshemmende Therapie nach einer erfolgreichen Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVR) am effektivsten ist. In die Untersuchung wurden 352 Patienten randomisiert, bei denen keine gesonderte Indikation fĂŒr eine Antikoagulation vorlag. Verglichen wurde der Einsatz von DOAC mit einer einfachen Thrombozytenaggregationshemmung (SAPT).

Bei der computertomographischen Erfassung hypoattenuierter Segelverdickungen (HALT) zeigte sich nach drei Monaten ein Vorteil zugunsten der DOAC-Gruppe mit einer Rate von 12 Prozent gegenĂŒber 32 Prozent unter SAPT.

Serielle kardiale Untersuchungen belegten jedoch, dass dieser Effekt transienter Natur war: Nach einem Jahr lag die Rate an Segelverdickungen in beiden Gruppen gleichermaßen bei 32 Prozent.

Hinsichtlich des kombinierten klinischen Endpunkts – bestehend aus GesamtmortalitĂ€t, Schlaganfall sowie schweren oder lebensbedrohlichen Blutungen – schnitt die DOAC-Gruppe mit 8,2 Prozent gegenĂŒber 2,3 Prozent unter SAPT ungĂŒnstiger ab.

Die Studienautoren um Troels HĂžjsgaard JĂžrgensen schlussfolgerten daher, dass ein routinemĂ€ĂŸiger Einsatz von DOAC nach einer TAVR ohne anderweitige Indikation nicht angezeigt ist, was den aktuellen Leitlinien entspricht.

Blutungs- und Thrombenraten nach LAAO in der ANDES-Studie

ErgÀnzende Resultate lieferte die auf der Konferenz TCT 2026 in San Diego vorgestellte und im Fachjournal JACC publizierte ANDES-Studie. An 12 Zentren in Kanada und Europa wurden 510 Patienten mit Vorhofflimmern nach einem interventionellen Vorhofohrverschluss (LAAO) untersucht. Das mittlere Alter der Kohorte betrug 77 Jahre, der Frauenanteil lag bei 34,5 Prozent, und 77 Prozent wiesen vorbestehende Blutungsereignisse auf.

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Verglichen wurde eine zweimonatige Gabe von DOAC gegenĂŒber einer dualen PlĂ€ttchenhemmung (DAPT), jeweils gefolgt von einer Weiterbehandlung mittels SAPT.

Nach einem Jahr traten unter DOAC signifikant weniger Minorblutungen auf (16,6 Prozent gegenĂŒber 23,7 Prozent, p=0,045) sowie eine geringere Rate an Gesamtblutungen (24,1 Prozent gegenĂŒber 32,3 Prozent, p=0,040). Bei schweren oder lebensbedrohlichen Blutungen unterschieden sich die Gruppen mit 10,3 Prozent versus 12,8 Prozent (p=0,365) nicht signifikant.

Die MortalitÀt belief sich auf 8,7 Prozent im DOAC-Arm und 9,3 Prozent unter DAPT; ischÀmische SchlaganfÀlle traten in beiden Gruppen mit jeweils 0,8 Prozent auf. Hinsichtlich gerÀtebezogener Thromben (DRT) nach einem Jahr lagen die Werte bei 5,2 Prozent unter DOAC und 2,3 Prozent unter DAPT (p=0,154).

Neue Thromben traten bei 4,7 Prozent beziehungsweise 1,2 Prozent auf (p=0,061). Bei denjenigen Patienten, die planmĂ€ĂŸig auf SAPT umgestellt worden waren, betrug das Auftreten jedweder DRT 6,5 Prozent in der DOAC-Gruppe gegenĂŒber 0,8 Prozent im DAPT-Arm (p=0,019).

Chirurgische Klappeneingriffe im Fokus britischer Register

WĂ€hrend bei interventionellen Verfahren wie TAVR und LAAO bereits detaillierte Endpunktdaten vorliegen, werden Fragen zur Gerinnungshemmung auch in der operativen Herzchirurgie weiter evaluiert.

Im Vereinigten Königreich vergleicht die landesweite AFFECT-Studie unter der Leitung von Julie Sanders verschiedene BlutverdĂŒnner nach Herzklappenoperationen. Konkrete Patientenzahlen oder klinische Endpunkte wurden fĂŒr dieses Projekt noch nicht berichtet.

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GerĂ€tebezogene Thromben nach LAAO sind selten, aber sie treten auf – in ANDES gehĂ€uft bei Patienten, die planmĂ€ĂŸig auf eine einzelne PlĂ€ttchenhemmung umgestellt wurden. Wer das Blutungsrisiko senken will, muss diesen Zielkonflikt kennen. Die Checkliste zeigt, welche Kontrollpunkte Sie nach der Device-Implantation setzen. Blutungsrisiko-Checkliste jetzt abrufen

Im Raum steht hierbei insbesondere der Vergleich zwischen dem herkömmlichen Behandlungsstandard Warfarin, einem Vitamin-K-Antagonisten mit entsprechendem ErnÀhrungs- und Kontrollbedarf, und den modernen DOACs. Letztere bieten eine planbarere Wirkung ohne diÀtetische EinschrÀnkungen, besitzen im Bereich des chirurgischen Klappenersatzes bislang jedoch keinen belegten Sicherheitsvorteil.

Die Relevanz der Thematik wÀchst vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung: Im Vereinigten Königreich sind schÀtzungsweise 1,4 Millionen Menschen von Vorhofflimmern betroffen, wÀhrend infolge der alternden Bevölkerung parallel die Zahl der Mitralklappenoperationen zunimmt.

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