Android-Smartphones, Bitdefender

Android-Smartphones: Bitdefender entdeckt Schadsoftware ab Werk in BilliggerÀten

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 09:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bitdefender dokumentiert manipulierte Android-Firmware in Tausenden GerĂ€ten und empfiehlt den Kauf bei vertrauenswĂŒrdigen HĂ€ndlern.
Nahaufnahme einer unbeschrifteten, technologischen Schaltplatine in einer industriellen Produktionsumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Am 17. Oktober 2026 machten Sicherheitsexperten auf preiswerte Android-Smartphones aufmerksam, die bereits im Auslieferungszustand mit Schadsoftware infiziert sind, und sprachen Empfehlungen fĂŒr Erkennungstools aus.

Zuvor hatte das Sicherheitsunternehmen Bitdefender am 8. Oktober 2026 eine umfassende Operation namens Midnight Mimosa offengelegt. Bei dieser Kampagne wurde Schadcode bereits vor dem Verkauf tief in der Firmware von EinsteigergerÀten verankert.

Schadcode tief im System verankert

Nach Angaben von Bitdefender ist die Malware ab Werk aktiv und lĂ€sst sich nicht auf regulĂ€rem Weg entfernen. Da sie in der Systempartition abgelegt ist, ĂŒbersteht sie auch das ZurĂŒcksetzen auf die Werkseinstellungen. FĂŒr eine Bereinigung ist eine spezielle Firmware-Wiederherstellung oder der Zugriff ĂŒber die Android Debug Bridge (ADB) erforderlich.

Die Kampagne erstreckt sich nach bisherigen Analysen ĂŒber mindestens zwei Jahre und betrifft Tausende EndgerĂ€te in ĂŒber 150 LĂ€ndern. Den grĂ¶ĂŸten Anteil verzeichnet Bitdefender mit rund 13 % der FĂ€lle in Mexiko, gefolgt von Frankreich und Italien.

Die USA belegen mit 8 % den vierten Platz, auf Kanada entfallen 3 %. Infektionen wurden vor allem fĂŒr die Jahre 2024 und 2025 nachgewiesen; fĂŒr 2026 geht das Unternehmen von weiteren unentdeckten FĂ€llen aus.

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Betroffen sind laut Bitdefender ĂŒberwiegend gĂŒnstige GerĂ€te mit Prozessoren von MediaTek. Dazu zĂ€hlen einzelne Exemplare von Modellen wie Doogee S200 X und Cubot KINGKONG X, aber auch Nachbauten und FĂ€lschungen von GerĂ€ten der Reihen Samsung Galaxy S24, S25 und S26 Ultra.

Zur Tarnung nutzen die SchÀdlinge System-App-Namen wie com.android.system.lite, com.android.sys.gmsprot, com.android.sys.bcprot und com.android.sys.prot, signiert mit einem Plattform-Zertifikat.

Werbebetrug und Sicherheitsrisiken

Durch die erweiterten Systemrechte kann die Malware eigenstĂ€ndig Anwendungen installieren oder entfernen, Berechtigungen erteilen und Remote-Code ausfĂŒhren. Zudem können kompromittierte GerĂ€te als Proxy-Relay oder Knotenpunkte in einem Botnetz fungieren.

Hauptziel der Akteure ist Bitdefender zufolge Werbebetrug ĂŒber unsichtbare Fenster und simulierte Klicks; ein systematischer Diebstahl von Zugangsdaten zum Online-Banking wurde bislang nicht nachgewiesen.

Um Entdeckungen zu erschweren, deaktiviert die Schadsoftware kurz vor dem Nachladen weiterer Komponenten vorĂŒbergehend den Google Play Store, womit der Schutzmechanismus Play Protect umgangen wird.

Ein Teil der manipulierten Firmware ist mit Signaturzertifikaten des ZwischenhĂ€ndlers Shenzhen Zediel verknĂŒpft. Laut Bitdefender stellt dies jedoch keinen Beweis fĂŒr eine TĂ€terschaft des Akteurs dar, da die genaue Phase der Einschleusung innerhalb der Lieferkette unklar bleibt.

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Aus dem Google Play Store wurden inzwischen 13 Apps entfernt, die dieselbe Infrastruktur fĂŒr Befehlsserver nutzten. Bitdefender verwies in diesem Zusammenhang auf frĂŒhere Bedrohungen wie das BADBOX-2.0-Botnetz mit mehr als einer Million GerĂ€ten sowie einen Manipulationsfall aus dem Jahr 2016 bei Ragentek-Firmware.

Gefahrenlage und Handlungsempfehlungen

Die Bedrohungslage im mobilen Bereich beschrĂ€nkt sich nicht auf Firmware-Angriffe. Das Analysehaus ThreatFabric berichtete kĂŒrzlich ĂŒber die Android-Malware Hirudo, die gefĂ€lschte Kopien von acht Banking-Apps einsetzt, um ĂŒber Bedienungshilfen-Rechte Zugangsdaten und SMS abzufangen. Zudem richtet sich die Malware GhostBat in Indien gezielt gegen rund 60 Banking- und Zahlungs-Apps.

Sicherheitsexperten von Bitdefender raten dazu, MobilgerĂ€te ausschließlich ĂŒber verlĂ€ssliche HĂ€ndler zu beziehen und die Echtheit der Hard- und Firmware zu prĂŒfen, da gefĂ€lschte GerĂ€te in der Regel keine offiziellen Sicherheitsupdates erhalten.

Zur AufklĂ€rung veranstalten die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz und das Landeskriminalamt am 28. Oktober 2026 um 16:00 Uhr ein kostenloses 90-minĂŒtiges Web-Seminar zu Schutzmaßnahmen und der Erkennung von Cyberangriffen; Anmeldungen sind ĂŒber verbraucherzentrale-rlp.de/webseminare-rlp möglich.

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