Angeborener Herzfehler: 200.000 Erwachsene verlieren Anschluss an Fachmedizin
Veröffentlicht am: 13.07.2026 um 13:44 Uhr | Redaktion boerse-global.deDoch viele verlieren danach den Anschluss an die Fachmedizin. Die Deutsche Herzstiftung schlÀgt Alarm.
Die wachsende LĂŒcke in der Versorgung
In Deutschland leben mindestens 350.000 Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH). Jedes Jahr kommen 5.000 bis 7.000 Betroffene hinzu. Doch aktuelle Daten zeigen ein Problem: Ăber 200.000 von ihnen befinden sich nicht in spezialisierter kardiologischer Nachsorge.
Dabei ist eine lebenslange Beobachtung nötig. âEin repariertes Herz im Kindesalter bedeutet selten eine vollstĂ€ndige Heilung", betont Kinderkardiologin Prof. Brigitte Stiller. Viele Patienten verlieren beim Ăbergang ins Erwachsenenalter den Kontakt zu spezialisierten Zentren.
Die Folgen können gravierend sein. Ohne regelmĂ€Ăige Kontrollen bleiben SpĂ€tfolgen wie HerzschwĂ€che oder Rhythmusstörungen unentdeckt â letztere treten bei EMAH-Patienten etwa zehnmal hĂ€ufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung.
Neue Kampagne soll junge Erwachsene erreichen
Die Deutsche Herzstiftung startete im Juli 2026 die bundesweite Informationskampagne âCheckst Du? Geh erwachsen mit angeborenem Herzfehler um!". Schirmherrin ist Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Ziel: Junge Erwachsene fĂŒr die Notwendigkeit kontinuierlicher fachĂ€rztlicher Begleitung sensibilisieren.
Ăber 200.000 Erwachsene mit angeborenem Herzfehler haben keinen Facharzt-Anschluss â mit oft schweren Folgen. Die Deutsche Herzstiftung hilft mit einem kostenlosen 216-seitigen Leitfaden, Podcasts und Online-Seminaren. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Die Kampagne setzt auf ein breites Angebot: einen 216-seitigen Patientenleitfaden, Podcasts, Online-Seminare und Videos. ErgĂ€nzend bieten spezialisierte Einrichtungen wie Praxen mit EMAH-Sprechstunden gezielte Anlaufstellen fĂŒr die langfristige Betreuung.
Technologie als UnterstĂŒtzung
Parallel zur AufklĂ€rungsarbeit treiben Forscher die technische Ăberwachung voran. Das Projekt KI-COMPASS unter Beteiligung des UniversitĂ€tsklinikums Freiburg untersucht seit Juli 2026, ob KI-gestĂŒtzte Smartwatch-Daten zur FrĂŒherkennung kardiovaskulĂ€rer Risiken beitragen können.
Auch die Grundlagenforschung liefert vielversprechende AnsĂ€tze. Ein Team des Deutschen Herzzentrums der CharitĂ© (DHZC) veröffentlichte Ergebnisse zu einem katheterbasierten System fĂŒr gezielte Gentherapien. Im Tiermodell ermöglichte es eine deutlich effizientere Aufnahme therapeutischer Vektoren in Zielorgane.
Ein gröĂeres Bild
SpĂ€tfolgen wie HerzschwĂ€che oder Rhythmusstörungen bleiben bei EMAH-Patienten ohne regelmĂ€Ăige Kontrolle oft unentdeckt. Holen Sie sich jetzt den offiziellen Ratgeber der Deutschen Herzstiftung â inklusive Checkliste fĂŒr den Ăbergang in die Erwachsenenmedizin. Ratgeber jetzt kostenlos sichern
Das EMAH-Problem reiht sich in die allgemeine Versorgung chronisch Kranker ein. Ende 2025 waren rund 7,8 Millionen Menschen in Deutschland schwerbehindert â 91 Prozent durch Krankheiten verursacht. NichtĂŒbertragbare Krankheiten sind fĂŒr etwa 80 Prozent aller TodesfĂ€lle verantwortlich.
Die proaktive Ăberwachung gewinnt daher an Bedeutung. Apothekenketten bauen ihr Angebot zur Messung von Vitalparametern wie Blutdruck und Blutzucker aus. FĂŒr EMAH-Patienten bleibt aber die Anbindung an zertifizierte Zentren oder spezialisierte FachĂ€rzte entscheidend â nur so lĂ€sst sich die Langzeitprognose stabil halten.
