Anorexie: LEAP2-Peptid prognostiziert Rückfallrisiko zuverlässig
Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 19:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Behandlung von Anorexia nervosa (Magersucht) steht vor erheblichen Herausforderungen, insbesondere aufgrund der hohen Rückfallquoten nach einer stationären Aufnahme.
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen, die unter anderem im Rahmen des FENS Forums 2026 präsentiert wurden, geben neue Einblicke in die biologischen Mechanismen der Erkrankung. Im Zentrum der Analysen stehen dabei das Peptid LEAP2 als potenzieller Biomarker sowie der Einsatz ketogener Diäten zur Stabilisierung des Gehirnstoffwechsels.
LEAP2 als Biomarker für das Rückfallrisiko bei Anorexie
Eine zentrale Rolle in der aktuellen Forschung spielt das Peptid LEAP2, ein natürlicher Gegenspieler des Hungerhormons Ghrelin. Forschungsergebnisse von Dr. Virginie Tolle vom französischen Gesundheitsforschungsinstitut INSERM verdeutlichen die hormonellen Veränderungen während der Behandlung.
In einer Studie mit 30 Frauen im Alter zwischen 18 und 60 Jahren wurde festgestellt, dass die LEAP2-Spiegel bei der Klinikaufnahme um etwa 20 % höher lagen als nach einer viermonatigen Therapie.
Da LEAP2 die Hungersignale von Ghrelin blockiert, erschweren erhöhte Werte die physiologische Wahrnehmung von Hunger. Den Untersuchungen zufolge korrelieren hohe LEAP2-Werte signifikant mit einem gesteigerten Rückfallrisiko.
Da rund 40 % der hospitalisierten Patientinnen innerhalb von sechs Monaten nach der Entlassung erneut aufgenommen werden müssen, wird LEAP2 als ein wichtiger Biomarker zur Vorhersage dieses Risikos sowie als mögliches Ziel für zukünftige pharmakologische Behandlungen vorgeschlagen.
Zusammenhang zwischen Hormonspiegeln und Impulskontrolle
Die Forschung zeigt: Ein einfacher Bluttest könnte das Rückfallrisiko bei Anorexie künftig früh erkennen. Erfahren Sie, was der neue Biomarker LEAP2 für Ihre Familie bedeutet und wie Sie Warnzeichen rechtzeitig deuten. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Ein weiterer Aspekt der Forschung betrifft die psychologischen Auswirkungen der hormonellen Dysregulation. Die Analysen zeigen, dass die LEAP2-Spiegel negativ mit der Impulskontrolle korrelieren. Nach einer Gewichtszunahme sinken die Werte üblicherweise, steigen jedoch bei einem Rückfall wieder an.
Diese Beobachtungen wurden durch Tierversuche gestützt. Mäuse, die einen Gewichtsverlust erlitten, zeigten eine gesteigerte Impulsivität, die direkt mit den LEAP2-Werten in Verbindung stand.
Besonders kritisch wird das Verhältnis von Ghrelin zu LEAP2 bewertet: Eine ungünstige Ratio korreliert auch nach einer erfolgreichen Gewichtsrestaurierung mit einer verminderten Impulskontrolle. Ein darauf basierender Bluttest könnte Medizinern künftig dabei helfen, das individuelle Rückfallrisiko präziser einzuschätzen.
Therapeutisches Potenzial ketogener Ernährungsformen
Parallel zu den hormonellen Untersuchungen wurden an der Universität Kalifornien in San Diego neue Ansätze zur diätetischen Begleitung der Therapie erforscht. Eine 14-wöchige Studie unter der Leitung von Guido Frank untersuchte die Auswirkungen einer ketogenen Diät auf 22 Frauen, die einen gesunden oder leicht untergewichtigen BMI aufwiesen.
Von den Teilnehmerinnen beendeten 18 die Untersuchung. Bei 72 % dieser Probandinnen führte die Intervention zu einer Symptomremission, die sie unter die klinische Diagnoseschwelle für Essstörungen brachte. Während der BMI stabil blieb und sich das Gewicht nicht veränderte, beobachteten die Forscher eine Reduktion von Angstzuständen und Zwangssymptomen.
Rund 40 % der Patientinnen müssen innerhalb von sechs Monaten erneut in die Klinik. Doch es gibt Hoffnung: Neue Erkenntnisse zu LEAP2 und ketogener Ernährung zeigen Wege zur Stabilisierung. Leitfaden zur Rückfall-Prävention jetzt sichern
Laut dem Studienleiter Guido Frank verändern Ketonkörper den Gehirnstoffwechsel in einer Weise, die das Hungergefühl nachahmt, während dem Körper gleichzeitig ausreichend Energie zugeführt wird. Trotz der positiven Resultate raten Experten dazu, solche Ernährungsformen nur unter strenger ärztlicher Aufsicht anzuwenden.
Weitere Studien seien notwendig, um die langfristige Sicherheit und Wirksamkeit dieses Ansatzes zu belegen. Die Kombination aus hormoneller Überwachung und metabolischen Interventionen könnte jedoch einen neuen Weg in der langfristigen Stabilisierung von Anorexie-Patientinnen eröffnen.
