Anthropic baut eigene KI-Chips: 500 Millionen Dollar für Claude-Hardware
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 19:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das KI-Unternehmen Anthropic hat den offiziellen Start einer internen Abteilung für die Entwicklung proprietärer Hardware bekannt gegeben. Ziel dieser neuen Division ist die Konstruktion eigener Halbleiter, um die Rechenprozesse der hauseigenen Claude-Modelle signifikant zu beschleunigen. Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte den Aufbau eines spezialisierten Silizium-Teams, das durch ein enges Zusammenspiel von Hardware- und Software-Design technologische Effizienzvorteile realisieren soll.
Fokus auf Effizienzsteigerung und Hardware-Software-Co-Design
Die Leitung der neuen Chip-Einheit übernimmt Clive Chan, der zuvor beim Wettbewerber OpenAI tätig war. Das Team ist darauf ausgerichtet, die Inferenzkosten – also die laufenden Kosten für den Betrieb der KI-Modelle – durch ein optimiertes Co-Design von Hardware und Modellarchitektur zu halbieren. In aktuellen Stellenausschreibungen sucht Anthropic bereits nach Experten für eine Vielzahl technischer Disziplinen. Dazu gehören Rollen in der Chip-Architektur, im Front-End-Design, in der Verifikation sowie im Physical Design. Auch Positionen für die Bereiche Wafer-Fertigung und Packaging sind Teil der Rekrutierungsoffensive.
Um hochqualifizierte Ingenieure für die Standorte San Francisco und New York zu gewinnen, setzt das Unternehmen auf eine kompetitive Vergütung. Die für Chip-Spezialisten ausgeschriebenen Gehälter bewegen sich in einem Rahmen zwischen 320.000 US-Dollar und 485.000 US-Dollar. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Einstellung von Research Engineers für das Chip-Design-RL-Team. Deren Arbeit soll laut Unternehmensangaben unmittelbare Auswirkungen auf künftige Modellgenerationen haben, wobei konkret die Weiterentwicklungen Claude Fable 5 und Opus 4.8 genannt werden.
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Strategische Partnerschaften und milliardenschwere Infrastruktur-Investitionen
Trotz des Aufbaus eigener Kapazitäten verfolgt Anthropic weiterhin eine Multi-Chip-Strategie. Das Unternehmen betonte, dass die bestehenden Kooperationen mit Anbietern wie Nvidia und AMD sowie die Nutzung der Cloud-Infrastrukturen von AWS und Google fortgesetzt werden. Erst im Juli 2026 wurde ein Abkommen mit AMD über eine Kapazität von 2GW bekannt, das ein finanzielles Volumen von mehreren Milliarden US-Dollar umfasst. Zudem existieren Berichte über einen sechsjährigen Vertrag mit Volta Infra Holdings. Diese Anfang 2026 von ehemaligen Führungskräften von Brookfield Asset Management gegründete Gesellschaft soll Anthropic Rechenkapazitäten im Wert von 10 Milliarden US-Dollar zur Verfügung stellen.
Branchenanalysten schätzen die Kosten für die Entwicklung der proprietären Silizium-Lösungen bei Anthropic auf rund 500 Millionen US-Dollar. Hinsichtlich der physischen Fertigung der künftigen Chips befinden sich die Verantwortlichen offenbar bereits in Gesprächen mit Samsung als möglichem Partner. Ein konkreter Zeitpunkt für den Beginn der Produktion oder den ersten Einsatz der hauseigenen Hardware wurde bislang nicht kommuniziert. Die Gründung der Hardware-Sparte unterstreicht jedoch das Ziel des Unternehmens, durch vertikale Integration die Abhängigkeit von externen Chipherstellern zu verringern und die operative Effizienz der eigenen KI-Systeme zu steigern.
