Anthropic-Klage: 37 Verlage fordern bis zu 150.000 Dollar pro Song
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die rechtlichen Auseinandersetzungen um das Training künstlicher Intelligenz (KI) mit urheberrechtlich geschützten Inhalten erreichen eine neue Dimension. Im Zentrum steht das US-Unternehmen Anthropic, gegen das namhafte Branchenvertreter Ende August 2026 weitreichende rechtliche Schritte eingeleitet haben.
Die Klagen verdeutlichen die wachsende Spannung zwischen der technologischen Entwicklung großer Sprachmodelle und den Eigentumsrechten der Kreativwirtschaft.
Vorwürfe wegen Urheberrechtsverletzungen durch KI-Training
Am 28. August 2026 reichten Sony Music Publishing und Warner Chappell Music gemeinsam mit 35 weiteren Verlagen eine Klage beim Bezirksgericht in Nordkalifornien ein. Den Klägern zufolge habe Anthropic urheberrechtlich geschützte Songtexte ohne Genehmigung für das Training seiner KI-Modelle genutzt.
Die finanziellen Forderungen in diesem Verfahren sind erheblich: Die Verlage verlangen bis zu 150.000 US-Dollar pro Musikstück. Zusätzlich fordern die Kläger eine Summe von 25.000 US-Dollar für jeden Fall, in dem Informationen zur Rechteverwaltung umgangen worden sein sollen.
Die Klage richtet sich nicht nur gegen das Unternehmen als juristische Person. In den Unterlagen werden auch der CEO Dario Amodei sowie der Mitbegründer Benjamin Mann explizit als Mitbeklagte aufgeführt. Anthropic selbst wies die gegen das Unternehmen erhobenen Vorwürfe zurück.
Wer sich mit dem Einsatz von KI-Systemen befasst, sollte die rechtlichen Rahmenbedingungen und Risikoklassen genau kennen. Dieser kostenlose Praxisleitfaden bietet Unternehmen einen kompakten Überblick über die Anforderungen und Fristen der aktuellen EU-Gesetzgebung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Systematischer Download geschützter Werke über Schattenbibliotheken
Ein wesentlicher Teil der Klageschrift befasst sich mit der Beschaffung der Trainingsdaten. Die Kläger werfen Anthropic vor, einen der bisher größten Diebstähle geistigen Eigentums begangen zu haben. Konkret geht es um den Vorwurf, das Unternehmen habe Millionen von Büchern illegal über BitTorrent aus sogenannten Schattenbibliotheken heruntergeladen.
Den vorliegenden Informationen aus der Klage zufolge soll Anthropic bereits im Jahr 2021 rund 5 Millionen Bücher auf diesem Weg bezogen haben. Für das Jahr 2022 wird dem Unternehmen sowie seinen Mitarbeitern vorgeworfen, weitere 2 Millionen Werke über ähnliche Kanäle heruntergeladen und für die Modellentwicklung genutzt zu haben. Diese Praxis des massenhaften Scrapings und Torrentings wird von den Verlagen als systematischer Verstoß gegen geltendes Recht eingestuft.
Wirtschaftliche Dimensionen und strategischer Hintergrund
Der aktuelle Rechtsstreit steht in einem größeren Kontext früherer Auseinandersetzungen in der Branche. In den Prozessunterlagen wird darauf verwiesen, dass diese Klage auf einen Vergleich im sogenannten Bartz-Fall folgt, der ein Volumen von 1,5 Milliarden US-Dollar umfasst hatte. Dies unterstreicht das finanzielle Risiko, dem sich KI-Unternehmen bei Urheberrechtsstreitigkeiten ausgesetzt sehen.
Die rechtlichen Anforderungen an die Entwicklung und Nutzung von KI-Modellen stellen viele Akteure vor große Herausforderungen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche konkreten Dokumentationspflichten bestehen und wie Unternehmen rechtlich auf der sicheren Seite bleiben. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun?
Die Klage gegen Anthropic fällt zudem in eine sensible Phase der Unternehmensentwicklung. Marktbeobachter verweisen darauf, dass das Verfahren zu einem Zeitpunkt eingeleitet wurde, an dem Spekulationen über einen möglichen Börsengang des Unternehmens zunehmen. Dabei wird für Anthropic eine potenzielle Bewertung von bis zu 2 Billionen US-Dollar im Raum stehend gesehen.
Ein langwieriger Rechtsstreit über die Kernressourcen der KI-Entwicklung – die Trainingsdaten – könnte erhebliche Auswirkungen auf die Bewertung und die zukünftige Strategie des Unternehmens haben.
Die Entscheidung des US District Court in Nordkalifornien wird voraussichtlich richtungsweisend für die gesamte KI-Branche sein, da sie klären könnte, in welchem Umfang geschützte Werke für die Optimierung von Algorithmen ohne explizite Lizenzvereinbarungen herangezogen werden dürfen.
