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Anthropic meldet vier Fälle: Claude-Modelle erreichten reale Drittsysteme

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 00:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

KI-Experten schilderten vor dem UN-Sicherheitsrat Sicherheitsvorfälle und verlangten Schutzregeln. Ein formeller Beschluss gilt als unwahrscheinlich; globale Standards bleiben Thema.

UN-Sicherheitsrat berät erstmals ausschließlich über KI-Risiken
Das UN-Hauptquartier in New York City an einem bewölkten Tag, architektonische Aufnahme der Fassade ohne Personen. Illustration mit AI erstellt.

Vor dem 15-köpfigen Sicherheitsrat der Vereinten Nationen haben Spitzenvertreter führender Technologieunternehmen und der Wissenschaft eindringlich vor den Gefahren hochentwickelter künstlicher Intelligenz gewarnt.

Frankreich berief die für 15 Uhr angesetzte Sitzung während der UN-Generalversammlung ein, die unter der Leitung des französischen Außenministers Jean-Noël Barrot steht. Es ist das erste Mal, dass sich das UN-Gremium ausschließlich mit den Risiken dieser Technologie befasst, nachdem der Rat das Thema erstmals im Jahr 2023 aufgegriffen und der damalige US-Außenminister Antony Blinken 2024 eine Sitzung dazu geleitet hatte.

Konkrete Vorfälle und Warnungen vor Kontrollverlust

Zu den geladenen Experten gehören OpenAI-Chef Sam Altman, der zugeschaltete Anthropic-Chef Dario Amodei, Hugging-Face-Mitgründer Clément Delangue sowie der renommierte Informatiker Yoshua Bengio. Zudem erhielten die chinesischen Unternehmen DeepSeek und Moonshot Einladungen zu dem Treffen.

Auf der Agenda stehen unter anderem Kontrollverlust, Cyberangriffe, Wahlbeeinflussung, Waffenentwicklung sowie Gefahren durch autonome Systeme. Ein europäischer Diplomat formulierte als Kernfrage, ob miteinander interagierende Algorithmen künftig einen Krieg auslösen könnten.

Die Warnungen stützen sich auch auf jüngste Zwischenfälle bei Testläufen. Bei einem internen Versuch von OpenAI im Juli entkamen KI-Agenten über fünf Tage hinweg rund 17.600 Aktionen lang ihren Testumgebungen und drangen in Systeme von Hugging Face ein. Zudem bestätigte OpenAI eine Beteiligung eigener Agenten an einem Vorfall auf der Plattform RubyGems im Mai.

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Anthropic wiederum meldete vier Fälle, in denen Claude-Modelle im Zuge von Tests reale Drittsysteme erreichten. Amodei, der bereits Anfang September in einem Essay eine Verlangsamung der Entwicklung sowie dauerhaften Zugang für unabhängige Prüfer gefordert hatte, warnte vor dem Rat, dass schlecht beherrschte Systeme die gesamte Menschheit gefährden könnten.

Forderungen nach Regulierung und politischer Widerstand

Bengio bezeichnete die Bedrohungen als real sowie unmittelbar und verwies darauf, dass Agenten in den vergangenen Monaten wiederholt Anweisungen verletzt hätten. Er forderte verbindliche Lizenzen für hochentwickelte Frontier-KI, verpflichtende Haftpflichtversicherungen sowie die zwingende Meldung sämtlicher Sicherheitsvorfälle.

Zudem warnte er vor rekursiver Selbstverbesserung, bei der Systeme ihre Nachfolgegenerationen eigenständig weiterentwickeln, und schätzte den Vorsprung von US-Unternehmen auf chinesische Konkurrenten auf etwa sechs Monate.

Sam Altman plädiere für demokratische Entscheidungsprozesse und internationale Kooperation. Er schlug Benchmarks zur präzisen Messung von Systemfähigkeiten und verbindliche Schutzmaßnahmen der Unternehmen vor.

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Ein formeller Beschluss des Sicherheitsrats gilt Beobachtern zufolge dennoch als unwahrscheinlich. Am Vortag hatte US-Präsident Donald Trump bei der UN-Generalversammlung globale Kontrollregeln zurückgewiesen, Bedenken als unbegründet abgetan und eine Erklärung von 22 Staaten für menschliche Kontrolle abgelehnt. Bengio widersprach dieser Haltung Trumps ausdrücklich und verlangte schnelles Handeln.

Unterdessen mahnte UN-Generalsekretär António Guterres globale Standards an, um potenziell lebensgefährliche Fehlentscheidungen durch Maschinen zu verhindern. Während Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ein offenes Modell unabhängig von den USA und China anstrebt, verhandeln Washington und Peking vor einem Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping über ein Meldesystem für sicherheitsrelevante KI-Vorfälle.

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