Anthropic-Modelle, Fable

Anthropic-Modelle Fable 5 und Mythos 5: USA verhängen 90-Minuten-Ultimatum

19.06.2026 - 00:12:51 | boerse-global.de

Anthropic-CEO Dario Amodei wirbt in Washington für Lockerung der Exportkontrollen für die KI-Modelle Fable 5 und Mythos 5.

Anthropic-Chef lobbyiert für Aufhebung der KI-Exportbeschränkungen
Anthropic-Modelle - Digital network with glowing data streams and outlines of government buildings, representing AI policy and international lobbying. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

CEO Dario Amodei lobbyiert persönlich für die Aufhebung von Exportbeschränkungen für die neuen Modelle Fable 5 und Mythos 5. Die Gespräche fallen mit dem G7-Gipfel im französischen Évian-les-Bains zusammen – und einer massiven Expansion des Unternehmens nach Südkorea.

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Eskalation nach Modell-Start

Der Konflikt eskalierte Anfang Juni. Am 9. Juni 2026 brachte Anthropic die beiden neuen KI-Modelle auf den Markt. Nur drei Tage später, am 12. Juni, stellte die US-Regierung ein 90-minütiges Ultimatum: Das Unternehmen sollte den Zugang zu den Systemen sofort sperren. Der Grund: Berichte über einen sogenannten Jailbreak – eine Sicherheitslücke – bei Fable 5.

Die Folge war eine Exportverfügung, die ausländischen Staatsbürgern den Zugriff untersagte. Anthropic zog daraufhin die globale Notbremse und suspendierte den Zugang zu den betroffenen Systemen weltweit.

Hochrangige Gespräche in Washington

Anthropic-CEO Dario Amodei schaltete umgehend die höchsten Regierungskreise ein. Er führte direkte Gespräche mit Handelsminister Howard Lutnick, Finanzminister Scott Bessent und Nationaler Cyberdirektor Sean Cairncross. Die Argumentation des Unternehmens: Die neuen Modelle stellten keine einzigartige Bedrohung dar. Sie seien mit bestehenden Systemen der Konkurrenz vergleichbar.

Die Lobbyarbeit zeigt Wirkung. Handelsminister Lutnick plant offenbar, die Beschränkungen zu lockern. Ausschlaggebend dafür war auch der massive Widerstand aus der Cybersicherheitsbranche und von internationalen Partnern.

Breite Unterstützung aus der Tech-Branche

Am 14. Juni – zwei Tage nach dem Ultimatum – veröffentlichten mehr als 100 Führungskräfte aus der Cybersicherheit einen offenen Brief. Darunter Manager von Nvidia und Adobe. Sie forderten die Trump-Administration auf, das Verbot aufzuheben. Die Unterzeichner argumentierten, die Beschränkungen seien nicht besonders wirksam. Stattdessen behinderten sie Cybersicherheitsexperten dabei, moderne Werkzeuge zur Abwehr von Angriffen einzusetzen.

G7-Gipfel: Einheitsfront für gemeinsame Standards

Beim G7-Gipfel in Évian-les-Bains am 17. und 18. Juni schlugen die Chefs von Anthropic und Google DeepMind einen neuen Kurs vor. Dario Amodei und Demis Hassabis plädierten für eine von den USA geführte Koalition demokratischer Nationen. Ziel: Einheitliche KI-Standards. Ihre Warnung: Zersplitterte Regulierungen könnten Sicherheit und Schutz untergraben.

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Die US-Exportkontrollen haben bereits für Spannungen mit Verbündeten gesorgt. Großbritanniens Premier Keir Starmer bat um eine Ausnahme vom Verbot – das Weiße Haus lehnte ab. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Indiens Premier Narendra Modi äußerten auf dem Gipfel Bedenken: Plötzliche US-Exportkontrollen könnten das Vertrauen in amerikanische Technologieanbieter erschüttern. Macron und Kanadas Premier Kevin Carney sprachen sich für einen „Rahmen für vertrauenswürdige Partner" aus, der einen verlässlichen Zugang zu US-KI gewährleisten soll.

Expansion nach Südkorea

Trotz der regulatorischen Hürden in Washington baut Anthropic seine globale Präsenz aus. Am 17. Juni eröffnet das Unternehmen ein Büro in Seoul. Einen Tag später folgte die Unterzeichnung einer Absichtserklärung mit Südkoreas Ministerium für Wissenschaft und IKT (MSIT) zur KI-Sicherheit und Cybersicherheit.

Die Vereinbarung umfasst mehrere Schwerpunkte:

  • Analyse der Auswirkungen von KI auf Cyberangriffe und Abwehrmechanismen
  • Sicherheitsbewertungen für KI-Modelle, die auf die koreanische Sprache zugeschnitten sind
  • „Red-Team"-Tests an autonomen KI-Agenten zur Identifizierung von Schwachstellen
  • Identifizierung KI-spezifischer Risiken im Finanzsektor

Der Partnerschaft gingen erste Gespräche im Februar 2026 zwischen Anthropics CEO und dem südkoreanischen Vizepremier Bae Kyung-hoon voraus. Anthropic arbeitet zudem mit großen südkoreanischen Unternehmen zusammen, darunter SK Telecom, LG CNS, Naver Cloud und Samsung SDS. Berichten zufolge hingen die anfänglichen US-Bedenken bezüglich des Exports der Modelle teilweise mit den Geschäftsbeziehungen von SK Telecom in China zusammen.

Milliardenumsatz und europäische Perspektive

Anthropics International Managing Director Chris Ciauri bezifferte den Umsatz des Unternehmens im Juni 2026 auf rund 47 Milliarden Euro. Während die US-Regierung über eine Aufhebung der Beschränkungen nachdenkt, plant Anthropic bereits den nächsten Schritt: Ein Treffen mit der EU-Cybersicherheitsbehörde ENISA. Thema ist der Zugang zu „Project Glasswing" für das Mythos-Modell – ein Termin, der durch die Exportverfügung zunächst erschwert worden war.

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