Anthropic, US-Regierung

Anthropic: US-Regierung zwingt KI-Modelle Fable 5 und Mythos 5 vom Netz

14.06.2026 - 00:20:05 | boerse-global.de

Sicherheitsbedenken erzwingen Abschaltung von Anthropics neuesten KI-Modellen. Der Börsengang des Unternehmens gerät in Gefahr.

US-Regierung stoppt Anthropic: Fable 5 und Mythos 5 offline
Anthropic - An abstract, glowing AI brain or network is partially restricted by digital red tape, symbolizing export controls and national security. 14.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Grund sind schwerwiegende Sicherheitsbedenken.

Am Freitag erließ das US-Handelsministerium eine Exportkontrollverfügung gegen das Unternehmen. Darin wird Anthropic aufgefordert, ausländischen Staatsbürgern den Zugang zu den beiden leistungsstärksten KI-Modellen zu verwehren. Das Unternehmen reagierte umgehend: Es deaktivierte die Systeme für die gesamte globale Kundschaft.

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Sicherheitslücke als Auslöser

Die Trump-Administration begründet den Schritt mit erheblichen nationalen Sicherheitsrisiken. Im Zentrum steht eine sogenannte „Jailbreak"-Sicherheitslücke. Sie könnte es Nutzern ermöglichen, die eingebauten Schutzmechanismen zu umgehen.

Besonders brisant: Das Modell Mythos 5 soll bereits von externen Akteuren kompromittiert worden sein. Einem Bericht zufolge führte ein Nutzer namens „Pliny the Liberator" eine öffentliche Demonstration des Exploits durch.

Die Sperrung erfolgte nur 72 Stunden nach dem öffentlichen Launch von Claude Fable 5. Anthropic hatte das System als sein bislang leistungsfähigstes Modell angepriesen. Pentagon-CIO Kirsten Davies begrüßte das Eingreifen der Regierung und betonte die Notwendigkeit der Maßnahme zum Schutz nationaler Interessen.

Betroffene Nutzer wurden auf ältere Versionen umgeleitet – darunter Opus 4.8, Sonnet 4.6 und Haiku 4.5.

Anthropic wehrt sich gegen Verfügung

Das Unternehmen selbst bezeichnet die Anordnung als unverhältnismäßig. Die identifizierten Sicherheitsprobleme seien geringfügig und stellten keine universelle Bedrohung dar. Zudem verwies Anthropic darauf, dass ähnliche Schwachstellen auch in konkurrierenden Systemen existierten – namentlich bei OpenAIs GPT-5.5.

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Das Unternehmen warnt vor einem gefährlichen Präzedenzfall. Die Verfügung könnte künftig die Markteinführung sämtlicher Hochleistungs-KI-Modelle blockieren. Besonders umstritten ist der Geltungsbereich: Die Regelung gilt für ausländische Staatsbürger selbst dann, wenn sie sich in den USA aufhalten. Das bedeutet: Anthropics eigene internationale Mitarbeiter dürfen nun nicht mehr auf die Technologie zugreifen, die sie mitentwickelt haben.

Milliardenschwere Folgen für Börsenpläne

Die Exportkontrollverfügung kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Bereits zuvor gab es Spannungen zwischen Anthropic und der US-Regierung – ausgelöst durch die Weigerung des Unternehmens, seine Modelle für militärische Zwecke zur Verfügung zu stellen.

Branchenbeobachter sehen in dem Schritt einen grundlegenden Wandel der US-Politik. Statt wie bisher Hardware und Halbleiter zu kontrollieren, greift Washington nun direkt in die Software und die Modellgewichte ein.

Für Anthropic könnte dies existenzielle Folgen haben. Das Unternehmen bereitet sich auf einen Börsengang im Herbst 2026 vor und strebt eine Bewertung von rund einer Billion Euro an. Die plötzliche Abschaltung der Flaggschiff-Produkte und der drohende Rechtsstreit mit den Bundesbehörden dürften das Vertrauen potenzieller Investoren massiv erschüttern.

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