Anthropic zahlt 1,4 Milliarden Euro: Rekord-Vergleich für illegales KI-Training
Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mehrere richtungsweisende Entscheidungen definieren die Grenzen des KI-Trainings neu.
In den vergangenen Tagen haben US-Gerichte und internationale Regulierungsbehörden neue Maßstäbe für die Beschaffung und Verarbeitung von Trainingsdaten durch KI-Unternehmen gesetzt. Im Mittelpunkt stehen die Abwägung zwischen „Fair Use" urheberrechtlich geschützter Werke, den Rechten der Inhalte-Ersteller und dem Schutz von Datenarbeitern.
Anthropic zahlt Rekord-Vergleich über 1,4 Milliarden Euro
Ein US-Bundesgericht hat einem Vergleich zwischen der KI-Firma Anthropic und einer Gruppe von Autoren und Verlagen in Höhe von umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro endgültig zugestimmt. Richterin Araceli Martínez-Olguín bestätigte die Einigung, die die unerlaubte Nutzung urheberrechtlich geschützter Bücher für das Training des Claude-KI-Modells betrifft. Der Vergleich geht auf eine Klage aus dem Jahr 2024 zurück, in der Anthropic vorgeworfen wurde, Hunderttausende Raubkopien von Titeln aus Quellen wie Library Genesis und dem Pirate Library Mirror verwendet zu haben.
Rund 91 Prozent der berechtigten Autoren, die der Sammelklage beigetreten sind, erhalten eine Entschädigung. Die Zahlung pro Werk liegt bei schätzungsweise 2.800 Euro – das Vierfache der gesetzlichen Mindestentschädigung bei vorsätzlicher Verletzung. Anthropic verpflichtete sich zudem, alle digitalen Kopien von Büchern aus Piraterie-Quellen zu vernichten. Zu den größten Profiteuren zählt der Verlag Bloomsbury Publishing, der für mehr als 14.000 Titel rund 17,8 Millionen Euro erhalten soll. Die Auszahlungen beginnen in der zweiten Jahreshälfte 2026.
Das Gericht stellte klar, dass das Herunterladen von E-Books aus illegalen Quellen rechtswidrig war. Gleichzeitig sprach es Anthropic in einem Teilurteil zugute, dass das Training großer Sprachmodelle einen transformatorischen Charakter habe – der Prozess mindere nicht zwangsläufig die Marktnachfrage nach den Originalwerken.
„Project Panama": Massiver Ankauf physischer Bücher
Im Zuge des Vergleichsverfahrens und durch Berichte europäischer Buchhändler wurden Details zu einer groß angelegten Datenbeschaffungsstrategie namens „Project Panama" bekannt. Bereits Anfang 2026 hatte Anthropic demnach Millionen physischer Bücher erworben, um „saubere" Textdatensätze zu erstellen. Die Methode: Mit hydraulischen Schneidemaschinen wurden die Seiten aus den Büchern gelöst, anschließend mit Industriescannern mittels Texterkennung (OCR) digitalisiert – und danach vernichtet.
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Diese Praxis hatte messbare Auswirkungen auf den Gebrauchtbuchmarkt. Im April 2026 berichteten einige Händler von sprunghaft gestiegenen Wochenverkäufen – von 20 Exemplaren auf mehrere Hundert. Antiquariate in Berlin und den Niederlanden erhielten Großbestellungen für alte wissenschaftliche Texte und ganze Sortimente, mit Transaktionswerten zwischen 10.000 und 50.000 Euro. Während einige Händler die Massenangebote ablehnten, ermöglichten Dienste wie ISBNdb anonyme Käufe von bis zu einer Million Büchern pro Bestellung für KI-Labore.
Internationale Urteile definieren „Fair Dealing" und Lizenzierung
Am 24. Juli 2026 erließ der Delhi High Court eine wegweisende einstweilige Verfügung im Streit zwischen der Nachrichtenagentur ANI und OpenAI. Das Gericht entschied, dass das Speichern von Nachrichtenartikeln zum Zweck des KI-Trainings unter die „Fair Dealing"-Regelung des indischen Urheberrechts fällt. Der Richter stellte fest, dass ANI keine Beweise dafür vorlegen konnte, dass das KI-Modell die Berichterstattung in urheberrechtsverletzender Weise reproduziert. ANI hatte in ihrer ursprünglichen Klage von 2024 Schadensersatz in Höhe von umgerechnet rund 220.000 Euro gefordert.
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Parallel dazu brachte die deutsche GEMA am 24. Juli 2026 einen lizenzierten Datensatz namens „PLAI" auf den Markt. Er bietet eine legale Alternative für das Training musikorientierter KI-Tools und umfasst rund 178.000 Audiodateien aus 60 Genres. Das Startup Klangio ist der erste Kunde. Der Start erfolgt, während die GEMA auf ein separates Urteil im Fall der KI-Musikfirma Suno wartet, das für den 31. Juli 2026 erwartet wird.
Kenia plant Schutzstandards für KI-Datenarbeiter
Während Technologiekonzerne wegen ihrer Datenquellen unter Druck geraten, rückt auch die menschliche Arbeit hinter dem KI-Training in den Fokus der Regulierung. Am 25. Juli 2026 eröffnete das kenianische Ministerium für Information, Kommunikation und Digitalwirtschaft eine öffentliche Konsultation zu einem neuen KI-Gesetzesentwurf. Die vorgeschlagenen Regeln würden Sorgfaltspflichten für die Tausenden von Arbeitern festschreiben, die weltweit Daten für Technologiekonzerne labeln und moderieren.
Der Entwurf sieht eine faire Vergütung vor, die sich an internationalen Sätzen orientiert – ein bedeutender Schritt weg von den derzeitigen lokalen Löhnen zwischen 1,35 und 3,45 Euro pro Stunde. Zudem verlangt der Entwurf von den Unternehmen die Bereitstellung psychologischer Unterstützung, transparente schriftliche Verträge und formelle Beschwerdemechanismen. Dies folgt auf mehrere Klagen ehemaliger Inhaltsmoderatoren in der Region. Die Konsultationsfrist für die Regeln läuft bis zum 4. August 2026.
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