Antibiotika und Zucker: Studie misst 24 Prozent weniger Darmvielfalt
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 07:53 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine zuckerreiche ErnÀhrung kann wÀhrend einer Behandlung mit Breitbandantibiotika die SchÀdigung des Darmmikrobioms deutlich verstÀrken. Das zeigt eine am 30. September 2026 im Fachjournal Nature veröffentlichte Untersuchung (Artikel s41586-026-11077-3).
Ein Forschungsteam um Erstautor Anqi Dai sowie Jonathan U. Peled vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center, NYU Langone Health und City of Hope analysierte darin das Zusammenspiel von ErnÀhrung, Medikamentengabe und mikrobieller Vielfalt.
Signifikanter RĂŒckgang der bakteriellen Vielfalt
Die Datenbasis des Memorial Sloan Kettering Cancer Center umfasste 9.419 Mahlzeiten von 173 hospitalisierten erwachsenen Blutkrebspatienten mit allogener Stammzelltransplantation. Der Erfassungszeitraum erstreckte sich ĂŒber fĂŒnf Jahre von 2017 bis 2022 und schloss ĂŒber 40.000 Einzel-Lebensmitteldaten ein.
ErgĂ€nzend erfolgte eine Mikrobiom-Analyse aus ĂŒber 1.000 Stuhlproben von 158 Patienten mit longitudinalen gepaarten Proben. Rund 80% der beobachteten Patienten erhielten mindestens ein Breitbandantibiotikum.
Die Auswertungen ergaben messbare VerÀnderungen in der Darmflora wÀhrend der Medikation:
- Pro zusĂ€tzliche 100 g SĂŒĂigkeiten oder zuckerreiche Lebensmittel bezogen auf das Trockengewicht sank die bakterielle Alpha-DiversitĂ€t wĂ€hrend der Antibiotika-Exposition um 24,1% (95%-KI: 7,7%â38,1%), also um rund 24%.
- Bei einer differenzierten Analyse nach MakronÀhrstoffen verringerte sich die bakterielle DiversitÀt pro zusÀtzliche 100 g Zucker um 20,6%.
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Risiken durch Ăberwucherung mit Enterokokken
Neben dem allgemeinen Verlust an Vielfalt beobachtete das Memorial Sloan Kettering Cancer Center eine gezielte Verschiebung der Bakterienpopulationen. Besonders Enterococcus faecium nahm zu.
Diese Enterokokken-Ăberwucherung hielt etwa 8 Tage nach der Antibiotika-Behandlung an und war mit einem höheren Risiko fĂŒr Blutstrominfektionen sowie fĂŒr die Transplantat-gegen-Wirt-Reaktion (GvHD) assoziiert. Patienten mit einem ĂŒberdurchschnittlichen Zuckerkonsum wiesen zudem ein rund 12% höheres Sterberisiko nach der Transplantation auf.
Begleitende Versuche im Mausmodell bestÀtigten diese Mechanismen. Die Gabe von Saccharose in Kombination mit dem Antibiotikum Biapenem erhöhte die Enterokokken-Last am 3. Tag um das 16,3-Fache und am 6. Tag um das 33,4-Fache. Ohne den Einsatz von Antibiotika blieb die bakterielle DiversitÀt der Versuchstiere hingegen normal. Saccharose verstÀrkte die durch Antibiotika induzierte Enterococcus-Expansion somit und verlÀngerte deren Dauer.
Klinische Einordnung und methodische Grenzen
Jonathan Peled vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center betonte, dass erst die Kombination aus Antibiotika-induzierter Mikrobiom-Störung und verÀnderter ErnÀhrung diese Beobachtung ermöglicht habe. Er sprach sich gegen eine allgemeine DiÀtempfehlung aus und verwies auf den Bedarf an weiteren klinischen Studien.
Marcel van den Brink von City of Hope erklĂ€rte ebenfalls, dass eine Empfehlung zum generellen Zucker-Verzicht bei der Einnahme von Antibiotika verfrĂŒht sei. Zudem gebe es keine eindeutigen Belege fĂŒr einen Nutzen durch Probiotika.
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Die Studienautoren wiesen auf wesentliche EinschrÀnkungen der Erhebung hin. Untersucht wurden schwerkranke Krebspatienten unter Chemotherapie oder nach Transplantation; Faktoren wie Chemotherapie, Radiotherapie, der spezifische Antibiotikatyp und der allgemeine Immunstatus seien ebenfalls hochgradig relevant.
Die Arbeit belege zudem keinen kausalen Schutz durch eine zuckerarme ErnĂ€hrung. Entsprechend seien die Resultate nicht ohne Weiteres auf alle Antibiotika-Patienten ĂŒbertragbar, weshalb eine unabhĂ€ngige Kohortenvalidierung und gröĂere klinische Studien notwendig seien.
Als denkbare kĂŒnftige Intervention erwĂ€gen die Autoren eine Reduktion einfacher Zucker wĂ€hrend der Antibiotikagabe sowie eine Reevaluierung zuckerreicher Krankenhausnahrung wie Shakes oder SportgetrĂ€nke. Finanziert wurde die Forschungsarbeit durch das National Cancer Institute, das National Heart, Lung and Blood Institute sowie das Susan and Peter Solomon Microbiome, Nutrition and Cancer Program.
