Antibiotikaresistenz: HIOH entdeckt 299 Gene fĂŒr Cefiderocol-Resistenz
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 15:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Helmholtz-Institut fĂŒr One Health (HIOH) hat umfassende Untersuchungsergebnisse zur Verbreitung und Entstehung von Antibiotikaresistenzen vorgelegt. Die Analysen konzentrieren sich auf zwei zentrale Bereiche: den Nachweis resistenter Erreger in KĂŒstengewĂ€ssern sowie die Mechanismen, mit denen Bakterien gegen moderne Reserveantibiotika wie Cefiderocol resistent werden.
Resistenzmechanismen gegen Reserveantibiotika
In klinischen Untersuchungen befasste sich das HIOH intensiv mit dem Bakterium Klebsiella pneumoniae des Sequenztyps 307. Die Forscher stellten fest, dass cefiderocol-resistente StÀmme dieses Typs in Mecklenburg-Vorpommern bereits bei einem Ausbruch isoliert wurden, noch bevor das Antibiotikum offiziell zugelassen war. Die Zulassung des Medikaments erfolgte in den USA im Jahr 2019 und in Deutschland im Jahr 2020. Besonders besorgniserregend sei laut den Untersuchungsergebnissen, dass diese StÀmme eine Kombination aus Cefiderocol- und Carbapenem-Resistenz mit einer sogenannten Hypervirulenz aufweisen.
Mithilfe der TraDIS-Methode konnte das Institut 299 Gene identifizieren, welche die Resistenz gegen Cefiderocol bei Klebsiella pneumoniae beeinflussen. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass die Inaktivierung bestimmter Gene zu einer erhöhten Produktion der Bakterienkapsel fĂŒhrt. Dieser Prozess steigert nicht nur die WiderstandsfĂ€higkeit gegenĂŒber dem Medikament, sondern erhöht auch die Virulenz des Erregers. Diese Beobachtungen wurden in wissenschaftlichen Modellen, unter anderem im Galleria-mellonella-Modell, bestĂ€tigt. Der Mechanismus hinter dieser Resistenz gilt laut einer Publikation in der Fachzeitschrift npj Clean Water als weit verbreitet.
Ergebnisse der Ostsee-Studie zu multiresistenten Keimen
Die Entdeckung von 299 Resistenzgenen gegen Cefiderocol zeigt: Reserveantibiotika verlieren schneller an Wirksamkeit als gedacht. Unser Leitfaden erklÀrt die Mechanismen und bietet eine Checkliste zur Optimierung Ihrer KlÀranlage. Leitfaden zu Resistenzmechanismen jetzt anfordern
Ein weiterer Schwerpunkt der Forschungsarbeit lag auf der Umweltbelastung durch antibiotikaresistente Bakterien. In einer Studie aus dem Jahr 2024 untersuchte das HIOH mehr als 120 Wasserproben aus dem Greifswalder Bodden in der Ostsee. Dabei wurden an sÀmtlichen Probenahmestellen resistente E. coli-Bakterien nachgewiesen.
Die Analysen ergaben zudem, dass multiresistente StĂ€mme insbesondere in der NĂ€he von KlĂ€ranlagen auftraten. Dies deutet darauf hin, dass konventionelle KlĂ€ranlagen derzeit nicht in der Lage sind, resistente Erreger vollstĂ€ndig aus dem Abwasser zu filtrieren. Trotz dieser Befunde gab das Institut eine vorlĂ€ufige Entwarnung fĂŒr die Ăffentlichkeit: FĂŒr gesunde BadegĂ€ste bestehe durch die nachgewiesenen Bakterien in der Ostsee kein erhöhtes Gesundheitsrisiko. Dennoch belegen die Daten eine kontinuierliche PrĂ€senz dieser Keime in der marinen Umwelt.
Handlungsbedarf und globale statistische Einordnung
Resistente E. coli in der Ostsee: Konventionelle KlÀranlagen filtern diese Erreger nicht vollstÀndig. Erfahren Sie, wie Sie mit einer vierten Reinigungsstufe den Eintrag minimieren und Ihre Einrichtung zukunftssicher machen. Checkliste zur KlÀranlagen-Optimierung sichern
Angesichts der Studienergebnisse und der zunehmenden Verbreitung resistenter StĂ€mme wird ĂŒber eine technologische AufrĂŒstung der Infrastruktur diskutiert. Katharina Schaufler vom HIOH forderte in diesem Zusammenhang eine Optimierung der KlĂ€ranlagen. Eine mögliche MaĂnahme stellt die EinfĂŒhrung einer vierten Reinigungsstufe dar, um den Eintrag von Resistenzen in die Umwelt zu minimieren.
Die Relevanz dieser Forschung wird durch globale Gesundheitsdaten verdeutlicht. Statistiken aus dem Jahr 2019 belegen, dass in diesem Zeitraum deutschlandweit rund 10.000 TodesfĂ€lle direkt auf Antibiotikaresistenzen zurĂŒckzufĂŒhren waren. Weltweit wurde die Zahl der SterbefĂ€lle im Zusammenhang mit resistenten Erregern fĂŒr denselben Zeitraum auf 1,27 Millionen beziffert. Die aktuellen Erkenntnisse des HIOH unterstreichen die Notwendigkeit, sowohl die klinische Ăberwachung als auch den Umweltschutz im Rahmen eines âOne Healthâ-Ansatzes zu verstĂ€rken.
