AOK-Daten in Cottbus: Uniklinik will Gesundheitsrisiken früher erkennen
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 13:14 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem erhält im Rahmen einer Kooperation mit der Krankenkasse AOK Nordost Zugriff auf versicherungsbezogene Routinedaten.
Wie aus einem Bericht von lr-online.de hervorgeht, beabsichtigen Mediziner und Wissenschaftler des Cottbuser Universitätsklinikums, mithilfe dieser Datensätze gesundheitliche Risiken früher zu identifizieren und für Patienten zügiger maßgeschneiderte Behandlungskonzepte zu erarbeiten.
Die Initiative zielt darauf ab, die medizinische Versorgung in der Lausitz bereits im Vorfeld eines potenziellen Krankenhausaufenthalts zu verbessern.
Der methodische Ansatz, Abrechnungs- und Versorgungsdaten für präventive und therapeutische Zwecke heranzuziehen, beruht auf bundesweiten gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Seit dem Inkrafttreten des Gesundheitsdatennutzungsgesetzes im März 2024 ist es den gesetzlichen Krankenkassen gestattet, vorliegende Abrechnungsdaten auch ohne gesonderte Einwilligung der Versicherten systematisch auf individuelle Gesundheitsrisiken hin auszuwerten.
Zu den analysierten Schwerpunkten zählen unter anderem Anzeichen für Krebserkrankungen, seltene Leiden, gefährliche Arzneimittelwechselwirkungen, eine drohende Pflegebedürftigkeit sowie bestehende Impflücken.
GKV-Spitzenverband zieht Zwischenbilanz zur Datenauswertung
Die systematische Auswertung solcher Datenmengen hat bundesweit bereits praktische Auswirkungen auf die Versicherten. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV-Spitzenverband) teilte im Juli 2026 mit, dass seit dem Start des Gesetzes rund 1,5 Mio. Menschen gezielt auf festgestellte Gesundheitsrisiken hingewiesen worden seien.
Wer sich mit der systematischen Verarbeitung solch sensibler Datensätze befasst, muss die strengen Dokumentationspflichten der DSGVO präzise erfüllen. Diese kostenlose Excel-Vorlage unterstützt Verantwortliche dabei, ein rechtssicheres Verarbeitungsverzeichnis effizient zu erstellen. Kostenlose Muster-Vorlage und Schritt-für-Schritt-Anleitung jetzt gratis herunterladen
Etwa 110.000 Betroffene hätten infolgedessen entsprechende Versorgungsangebote in Anspruch genommen. Krankenkassen und Versorger versprechen sich von diesem Vorgehen, chronische Krankheitsverläufe abzumildern oder durch rechtzeitige Interventionen ganz zu vermeiden.
Umfrage zeigt Skepsis und Informationsdefizite bei Versicherten
Trotz der praktischen Anwendung ist die zugrundeliegende Rechtslage in weiten Teilen der Bevölkerung bislang unzureichend bekannt. Dies belegt eine Forsa-Erhebung, die vom 22. bis zum 24. September 2026 im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbandes durchgeführt wurde.
In der Befragung von 1.284 Personen ab 18 Jahren, darunter 1.024 gesetzlich Versicherte, gaben 71 % der gesetzlich Versicherten an, dass ihnen die gesetzliche Erlaubnis zur Datenauswertung ohne explizite Zustimmung nicht bekannt sei.
Gerade bei umfangreichen Datenanalysen und neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen machen kleine Lücken in der Dokumentation Unternehmen angreifbar. Experten zeigen in diesem Leitfaden die häufig übersehenen Pflichtfelder auf, die bei einer behördlichen Prüfung sofort auffallen. Kostenloses Muster-Verarbeitungsverzeichnis für Ihre Dokumentationspflicht sichern
Zudem stößt das Verfahren in der Bevölkerung auf Vorbehalte: Laut der Untersuchung stuften 57 % der befragten gesetzlich Versicherten die bestehende Regelung als eher oder vollkommen falsch ein.
Vor diesem Hintergrund steht das Cottbuser Vorhaben der Medizinischen Universität Lausitz und der AOK Nordost exemplarisch für das Spannungsfeld zwischen der erhofften Qualitätssteigerung in der regionalen Patientenversorgung und dem Informationsbedarf auf Seiten der Versicherten.
