Aortenklappenstenose: Ohne Ersatz ĂŒberlebt nur jeder Zweite zwei Jahre
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ratgeberinhalte und medizinische FachbeitrĂ€ge informieren Betroffene zunehmend detailliert ĂŒber die diagnostischen Verfahren und therapeutischen Wege bei Herzklappenfehlern wie der Klappeninsuffizienz, um die KrankheitsbewĂ€ltigung zu erleichtern. Im Zentrum stehen dabei vor allem die Aorten- und die Mitralklappe, die am hĂ€ufigsten von Funktionsstörungen betroffen sind.
Rund 13 von 100 Menschen ab einem Alter von 75 Jahren weisen BeeintrÀchtigungen an einer dieser beiden Klappen auf. In der Kardiologie wird im Wesentlichen zwischen drei Formen unterschieden: der Stenose (einer Einengung), der Insuffizienz (einer Undichtigkeit) sowie dem kombinierten Vitium, bei dem beide Fehlfunktionen zusammentreffen.
VielfÀltige Symptome und mehrstufige Diagnostik
Die Anzeichen eines Klappenfehlers entwickeln sich oft schleichend. Typische Beschwerden umfassen Atemnot, anhaltende ErmĂŒdung, Herzstolpern, SchwindelgefĂŒhle und Brustdruck. Ebenso können Ădeme, nĂ€chtlicher Husten sowie ein nachlassender Appetit auf eine Ăberlastung des Herzens hinweisen.
FĂŒr die AbklĂ€rung steht zunĂ€chst das Abhören mit dem Stethoskop im Mittelpunkt, da verĂ€nderte Klappen charakteristische HerzgerĂ€usche verursachen. Den entscheidenden Schritt zur Sicherung des Befundes bildet die Echokardiografie mittels Herzultraschall.
Je nach klinischem Bild kommen ergĂ€nzende Verfahren wie die transösophageale Echokardiografie (TEE), das Elektrokardiogramm (EKG) oder eine Herzkatheteruntersuchung zum Einsatz. Mediziner teilen die Erkrankung in drei Schweregrade ein: Grad 1 bezeichnet eine leichte, Grad 2 eine mittelgradige und Grad 3 eine schwere, unmittelbar behandlungsbedĂŒrftige AusprĂ€gung.
Operative und kathetergestĂŒtzte Behandlungsmöglichkeiten
Medikamente sind nicht in der Lage, einen mechanischen Herzklappenfehler zu heilen oder eine verengte Klappe wieder zu öffnen; sie dienen ausschlieĂlich der Behandlung von Begleiterkrankungen.
Die eigentliche Therapie besteht in einer Rekonstruktion (Reparatur) oder einem vollstĂ€ndigen Ersatz der betroffenen Klappe. Dieser Schritt erfolgt entweder im Rahmen einer klassischen Operation oder kathetergestĂŒtzt, etwa mittels Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI).
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Beim Ersatz stehen zwei Bauarten zur Wahl: Mechanische Herzklappen gelten als besonders langlebig, wĂ€hrend biologische Klappen nach rund 15 Jahren meist erneut ausgetauscht werden mĂŒssen.
Wie dringlich eine Korrektur sein kann, zeigt sich besonders bei der Aortenklappenstenose, die den hĂ€ufigsten behandlungsbedĂŒrftigen Klappenfehler darstellt und meist durch altersbedingte Verkalkungen entsteht. Bei einer schweren Aortenklappenstenose mit Beschwerden ĂŒberlebt ohne Klappenersatz nur etwa die HĂ€lfte der Patienten lĂ€nger als zwei Jahre.
Zudem leben etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung mit einer angeborenen bikuspiden Aortenklappe, was vor allem MÀnner betrifft. Nach SchÀtzungen des Gesundheitskonzerns Helios leben derzeit rund zwei Millionen Menschen in Deutschland mit einer Aortenklappenstenose; diese Zahl könnte bis zum Jahr 2040 auf 3,3 Millionen ansteigen.
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Helios betreibt bundesweit mehr als 80 Klinikensowie rund 200 Medizinische Versorgungszentren und behandelte im Jahr 2025 etwa 5,6 Millionen Menschen.
InterdisziplinÀre Herz-Teams und individuelle Ablaufplanung
Um fĂŒr jeden Patienten das passende Verfahren zu wĂ€hlen, schreiben medizinische Richtlinien in Deutschland seit 2015 fĂŒr Eingriffe wie die TAVI die verbindliche Abstimmung in sogenannten Herz-Teams vor. Hierbei entscheiden Kardiologen und Herzchirurgen gemeinsam ĂŒber das Vorgehen.
AnlĂ€sslich des Weltherztags wiesen die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Thorax-, Herz- und GefĂ€Ăchirurgie (DGTHG) und die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Kardiologie (DGK) auf die Bedeutung dieser Zusammenarbeit hin. Prof. Dr. Torsten Doenst, PrĂ€sident der DGTHG vom UniversitĂ€tsklinikum Jena, betonte, dass Herz-Team-Entscheidungen nachweislich die Behandlungsergebnisse verbessern.
WĂ€hrend in Deutschland mehr als 600 Kliniken ĂŒber eine kardiologische Fachabteilung samt Herzkatheterlabor verfĂŒgen, gibt es rund 80 Kliniken mit einer herzchirurgischen Abteilung. FĂŒr Standorte ohne Herzchirurgie vor Ort empfahl Prof. Dr. Holger Thiele, Past-PrĂ€sident der DGK vom Herzzentrum Leipzig, die Einbindung ĂŒber telemedizinische Konferenzen.
Dass auch die zeitliche Abfolge komplexer Behandlungen genau abgewogen werden muss, unterstreicht eine kardiologische Studie unter Leitung von Schweizer Forschern des UniversitĂ€tsspitals ZĂŒrich. An 48 europĂ€ischen Zentren wurden 986 Patienten untersucht, die gleichzeitig an einer schweren Aortenklappenstenose und verengten HerzkranzgefĂ€Ăen litten.
Die Ergebnisse der Untersuchung zum optimalen Timing von Klappenersatz und KoronargefĂ€Ăerweiterung zeigten, dass eine feste Reihenfolge nicht fĂŒr alle Betroffenen ideal ist: WĂ€hrend manche von einer vorgezogenen GefĂ€Ăbehandlung profitierten, erwies sich bei anderen der Klappenersatz als vordringlich.
Barbara StĂ€hli vom UniversitĂ€tsspital ZĂŒrich hob hervor, dass diese Erkenntnisse eine differenzierte, patientenzentrierte Therapieplanung ermöglichen.
