Aphantasie: Wie fehlende innere Bilder das autobiografische GedÀchtnis prÀgen
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deWĂ€hrend viele Menschen alltĂ€glich auf bildhafte Vorstellungen in ihren Gedanken zurĂŒckgreifen, bleibt das innere Auge bei manchen Personen vollstĂ€ndig dunkel. Dieses neurologische PhĂ€nomen, bekannt als Aphantasie, stand im Mittelpunkt einer thematischen Vertiefung des Deutschlandfunk-Nova-Podcasts âAchtsamâ in der Rubrik âLeben & Liebeâ.
Die rund 38 Minuten lange Sendung widmet sich den Erfahrungen von Personen, die keine visuellen Vorstellungen erzeugen können, und ordnet das PhÀnomen anhand wissenschaftlicher Untersuchungen ein.
AlltÀgliche Wahrnehmung und praktische AnnÀherung
FĂŒr die Mehrheit der Bevölkerung ist es eine SelbstverstĂ€ndlichkeit, sich Gesichter, Landschaften oder vergangene Situationen lebhaft vor dem inneren Auge vorzustellen. Bei Menschen mit Aphantasie fehlt diese FĂ€higkeit jedoch.
Der Radiobeitrag von Deutschlandfunk Nova greift diesen Umstand auf und bindet unter anderem eine gezielte Ăbung ab Minute 31:37 der knapp 38-minĂŒtigen Podcast-Folge ein, um das Bewusstsein fĂŒr die eigene Vorstellungskraft und deren individuelle Grenzen zu thematisieren.
Das Thema gewinnt zunehmend an öffentlicher und wissenschaftlicher Aufmerksamkeit. Viele Betroffene bemerken erst spĂ€t im Erwachsenenalter, dass bildhafte Beschreibungen anderer Menschen nicht bloĂ metaphorisch gemeint sind, sondern auf tatsĂ€chlichen visuellen SinneseindrĂŒcken im Kopf beruhen.
Verbreitung und systematische Bestandsaufnahme
Fachwissenschaftliche Arbeiten liefern mittlerweile belastbare Daten ĂŒber das AusmaĂ und die Merkmale dieser Besonderheit. Als zentrale Grundlage der Debatte dient eine Untersuchung von Wright und Kollegen aus dem Jahr 2024 im Fachjournal Frontiers in Psychology. Die Forscher widmeten sich darin internationalen SchĂ€tzungen zur HĂ€ufigkeit und Verbreitung der visuellen Vorstellungskraft in der Bevölkerung.
Viele Menschen greifen tĂ€glich auf lebhafte innere Bilder zurĂŒck â doch bei manchen bleibt das innere Auge vollstĂ€ndig dunkel. Wer erst spĂ€t im Erwachsenenalter bemerkt, dass bildhafte Beschreibungen anderer wörtlich gemeint sind, steht oft vor einem Fragezeichen. Ein kostenloser Leitfaden hilft Ihnen, Ihre eigene Vorstellungskraft mit einem Selbsttest zu erkunden und die aktuelle Forschung verstĂ€ndlich einzuordnen. Jetzt kostenlosen Leitfaden zur Aphantasie anfordern
ErgĂ€nzend veröffentlichten Jin, Hsu und Li im selben Jahr eine systematische Ăbersichtsarbeit im Journal Vision. Die Autoren trugen den bisherigen internationalen Forschungsstand zur Aphantasie zusammen, um bestehende Definitionen zu analysieren und die methodischen Grundlagen fĂŒr die Erfassung des PhĂ€nomens darzustellen.
Neurologische Mechanismen und autobiografisches GedÀchtnis
Ăber die Erfassung der HĂ€ufigkeit hinaus rĂŒcken die neurobiologischen ZusammenhĂ€nge in den Fokus. Eine weitere in der Aufarbeitung herangezogene Studie von Monzel und Mitforschenden aus dem Jahr 2024, erschienen im Fachjournal eLife, untersuchte die funktionellen Netzwerke im Gehirn von betroffenen Personen.
Wenn Erinnerungen an persönliche Erlebnisse blass bleiben und das innere Auge keine Bilder liefert, kann das verunsichern â dabei ist es kein Zeichen mangelnder Kognition, sondern eine neuronale Variation. Der Leitfaden erklĂ€rt, was die Forschung zu Hippocampus und autobiografischem GedĂ€chtnis zeigt, und begleitet Sie mit einer gefĂŒhrten Ăbung Schritt fĂŒr Schritt. Leitfaden jetzt kostenlos sichern
Die Untersuchung analysierte die sogenannte hippocampal-okzipitale KonnektivitĂ€t â also das Zusammenspiel zwischen dem fĂŒr Erinnerungen zentralen Hippocampus und dem fĂŒr das Sehen zustĂ€ndigen Hinterhauptlappen. Die Autoren brachten spezifische KonnektivitĂ€tsmuster mit Defiziten im autobiografischen GedĂ€chtnis bei Aphantasie in Verbindung.
Betroffene weisen demnach Unterschiede dabei auf, wie sie persönliche Lebensereignisse abspeichern und wieder abrufen, wenn die visuelle Rekonstruktion vergangener Momente ausbleibt. Die wissenschaftlichen Befunde verdeutlichen, dass das Fehlen innerer Bilder nicht mit mangelnder Kognition gleichzusetzen ist, sondern auf grundlegende neuronale Variationen in der Informationsverarbeitung hinweist.
