ApoDoc: 89 Prozent der Fälle wurden direkt in Apotheken gelöst
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wochenendarztbesuche in überlasteten Spitalsambulanzen sind ein bekanntes Problem – nicht nur in Österreich. Ein Pilotprojekt der Österreichischen Apothekerkammer, das gemeinsam mit UNIQA Health Services und Mavie Next durchgeführt wurde, sollte zeigen, ob telemedizinische Beratung direkt in der Apotheke eine Alternative bieten kann. Unter dem Namen „ApoDoc“ liefen die Konsultationen zwischen Februar und Juni 2026 in 15 Apotheken in Wien und Oberösterreich.
Wie das Modell funktionierte
An zwei festen Zeitfenstern – freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 12 Uhr – konnten sich Kundinnen und Kunden per Videoschaltung an einen Arzt wenden.
Die Wartezeit lag laut Projektangaben bei höchstens 10 bis 15 Minuten. Insgesamt zwei Ärzte waren an dem Projekt beteiligt, das von der Apothekerkammer gemeinsam mit Uniqa als Partner organisiert wurde. Über die Laufzeit kamen 481 Telekonsultationen zusammen.
Die Mediziner konnten dabei nicht nur beraten, sondern auch Diagnosen stellen und rezeptpflichtige Medikamente verordnen. In 94 Prozent der Fälle wurde die Medikation per E-Rezept verordnet oder angepasst – ein Hinweis darauf, dass die Videosprechstunde in der Praxis oft mit einer konkreten therapeutischen Maßnahme endete und nicht nur bei einer Empfehlung blieb.
Häufige Anliegen und Behandlungsergebnisse
Zu den häufigsten Beschwerden, mit denen sich Menschen in den Videosprechstunden meldeten, zählten Ausschläge, Bindehautentzündungen, Erkältungen sowie Magen-Darm-Erkrankungen – also typische akute, aber meist nicht lebensbedrohliche Beschwerden, wie sie sonst häufig in Ambulanzen landen.
Eine Begleitstudie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) untersuchte, wie diese Fälle letztlich versorgt wurden: 89 Prozent konnten abschließend direkt in der Apotheke gelöst werden, 10 Prozent wurden an einen Haus- oder Facharzt weiterverwiesen, und weniger als 1 Prozent musste doch noch in eine Spitalsambulanz.
Bemerkenswert ist dabei, dass 24 Prozent der versorgten Personen ursprünglich tatsächlich vorhatten, eine Ambulanz aufzusuchen – für sie bot die Apotheke offenbar eine funktionierende Ausweichlösung.
Wochenendbesuche in überlasteten Ambulanzen sind ein bekanntes Problem — ein Pilotprojekt in 15 Apotheken in Wien und Oberösterreich zeigte, dass Videokonsultationen direkt in der Apotheke einen Großteil dieser Fälle auffangen können. Der kostenlose Praxisleitfaden zeigt Ihnen in drei Schritten, wie Sie ein solches Modell in Ihrer Apotheke aufsetzen. Praxisleitfaden jetzt anfordern
Auch die Zufriedenheit der Nutzer fiel laut der PMU-Begleitstudie hoch aus: 96 Prozent der versorgten Personen zeigten sich mit der Videokonsultation zufrieden.
Kostenaspekt und Perspektive der Apotheker
Neben der medizinischen Versorgung spielte auch der finanzielle Aspekt eine Rolle in der Auswertung. Die Apothekerkammer verweist darauf, dass ein Ambulanzkontakt in Österreich im Schnitt 364 Euro kostet, während die Telemedizin in der Apotheke je Konsultation zwischen 20 und 70 Euro günstiger ausfällt als andere Anlaufstellen.
Innerhalb der beteiligten Apotheken fiel das Echo mehrheitlich positiv aus: 90 Prozent der teilnehmenden Apotheker sprachen sich fĂĽr eine dauerhafte EinfĂĽhrung des Modells aus.
Ähnliche Ansätze auch in Deutschland
Vergleichbare Konzepte werden auch außerhalb Österreichs erprobt. In Heringen in Hessen wurde 2026 nach Angaben des Betreibers die erste Telemedizin-Kabine des Bundeslandes in einer Apotheke eingerichtet. Dort berät ein Arzt per Video, während die Kabine laut Bericht mithilfe von KI-Unterstützung Puls und Blutdruck messen kann.
Ein Ambulanzkontakt kostet im Schnitt 364 Euro — Telekonsultationen in der Apotheke fallen je Konsultation 20 bis 70 Euro günstiger aus. Wenn Sie wissen wollen, wie sich das für Ihre Apotheke rechnet und welche Schritte zur Einführung nötig sind, finden Sie die Antworten im kostenlosen Leitfaden. Kostenvergleich und Fahrplan sichern
Das Angebot ist nach Betreiberangaben für leichte bis mittelschwere Beschwerden gedacht; kritische Fälle sollen vorab herausgefiltert und an die Notaufnahme verwiesen werden. Termine sind während der Apothekenöffnungszeiten, auch samstags, möglich. Für Versicherte entstehen dabei keine Zusatzkosten, die Apotheke kann derzeit 30 Euro pro Sprechstunde abrechnen.
Beide Modelle – das österreichische Pilotprojekt wie auch die hessische Telemedizin-Kabine – verfolgen dieselbe Grundidee: Apotheken sollen als niederschwellige, wohnortnahe Anlaufstelle fungieren, um akute, nicht lebensbedrohliche Beschwerden abzufangen, bevor sie ambulante Notfallstrukturen belasten.
