Apotheken, Impfungen

Apotheken ab 2027: Impfungen, Blutentnahmen und Schnelltests erlaubt

Veröffentlicht am: 05.06.2026 um 07:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Apotheken erhalten mehr Befugnisse und höheres Honorar, wÀhrend die Politik Einsparungen im Gesundheitswesen plant.

Medikationssicherheit: Neue Regeln fĂŒr Apotheken ab 2027
Eine Ă€ltere Hand hĂ€lt verschiedene Medikamentenflaschen, im Hintergrund unscharf ein Apotheker oder Arzt. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Physiologische VerĂ€nderungen, mehrere chronische Erkrankungen und die daraus resultierende Polypharmazie machen eine regelmĂ€ĂŸige ÜberprĂŒfung nötig. Anfang Juni 2026 rĂŒckten Experten dieses Thema erneut in den Fokus.

Besonders kritisch ist die Zeit nach einem Krankenhausaufenthalt. Ein Positionspapier der ABDA empfiehlt einen Medikationsabgleich innerhalb von 48 bis 72 Stunden nach der Entlassung. Das soll Fehler an der Schnittstelle zwischen stationĂ€rer und ambulanter Versorgung verhindern. Der Bedarf ist enorm: 2025 erbrachten Apotheken fast eine Million pharmazeutische Dienstleistungen – darunter 300.000 erweiterte Medikationsberatungen bei Polymedikation.

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BewĂ€hrte Instrumente fĂŒr die Therapiesicherheit

Verschiedene wissenschaftliche Werkzeuge unterstĂŒtzen Ärzte und Apotheker bei der Entscheidungsfindung. In Fachpublikationen vom 4. Juni 2026 wurden die Beers-Criteria, die STOPP/START-Kriterien und der Medication Appropriateness Index (MAI) hervorgehoben. Diese Kataloge helfen, potenziell ungeeignete Medikamente zu identifizieren.

Auch im Krankenhaus gewinnt das Thema an Bedeutung. Der 51. Wissenschaftliche ADKA-Jahreskongress Mitte Juni in DĂŒsseldorf widmet sich unter anderem KĂŒnstlicher Intelligenz und Krisenresilienz in der Krankenhauspharmazie. Die ADKA vertritt ĂŒber 90 Prozent der Krankenhausapotheker.

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Apotheken als erste Anlaufstelle

Die geplante Aufwertung der Apotheken soll das Gesundheitssystem entlasten. Ab 2027 sollen sie laut ABDA-Masterplan zusĂ€tzliche Aufgaben ĂŒbernehmen. Das Apotheken-Versorgungsverbesserungsgesetz (ApoVWG) sieht vor, dass Apotheker kĂŒnftig PrĂ€ventionsberatungen durchfĂŒhren, Impfungen mit Totimpfstoffen verabreichen und venöse Blutentnahmen sowie Schnelltests anbieten dĂŒrfen.

Ein Kernpunkt der Reform: Bestimmte rezeptpflichtige Arzneimittel sollen bei akuten Erkrankungen kĂŒnftig auch ohne Ă€rztliches Rezept in apothekerlicher Verantwortung abgegeben werden. Dr. Armin Hoffmann, PrĂ€sident der Bundesapothekerkammer, betonte Anfang Juni die Bedeutung der Apotheken als Schnittstelle. VizeprĂ€sidentin Franziska Scharpf sieht darin eine potenzielle Entlastung fĂŒr den Ă€rztlichen Notdienst.

Honorar steigt – aber auch die Belastung

Das Bundeskabinett beschloss am 3. Juni 2026 eine zweistufige Erhöhung des Apothekenhonorars. Das Fixum pro verschreibungspflichtigem Medikament steigt im Juli auf 9,00 Euro, im Januar 2027 auf 9,50 Euro. ABDA-PrĂ€sident Thomas Preis begrĂŒĂŸte die Anpassung grundsĂ€tzlich, verwies aber auf die gleichzeitige Erhöhung des Apothekenabschlags auf 2,07 Euro. Das schrĂ€nke den finanziellen Spielraum der Betriebe wieder ein.

Parallel dazu sorgt das GKV-Spargesetz von Gesundheitsministerin Nina Warken fĂŒr Diskussionen. Es soll die gesetzlichen Krankenkassen 2027 um rund 16,3 Milliarden Euro entlasten. Die geplanten Ausgabenbremsen stoßen auf Widerstand. Boehringer Ingelheim stoppte geplante Investitionen von 900 Millionen Euro in Deutschland fĂŒr 2027 bis 2030. Auch Eli Lilly reduziert seine Investitionen in Alzey von 2,3 Milliarden auf 1,15 Milliarden US-Dollar.

Pflegereform in der Diskussion

Ein Entwurf zur Pflegereform (PNOG) wurde im Juni 2026 bekannt. Um ein erwartetes Defizit von 7,6 Milliarden Euro im Jahr 2027 auszugleichen, sind unter anderem die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze sowie Einsparungen durch eine verzögerte Einstufung in höhere Pflegegrade vorgesehen. Ziel der Reform: bis 2030 rund 20,34 Milliarden Euro einzusparen.

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