Apotheken-Betrug, KI-FĂ€lschungen

Apotheken-Betrug: KI-FÀlschungen und Infrastruktur-AusfÀlle gefÀhrden Versorgung

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 17:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de

GefĂ€lschte Verordnungen, wiederkehrende TI-Probleme und neue NRW-Vorgaben fĂŒr Defekturen erhöhen den Aufwand in deutschen Apotheken.

Apotheken unter Druck: Rezeptbetrug, E-Rezept-AusfÀlle und neue Regeln
Ein minimalistischer Apothekentresen mit leeren Medizinschubladen und braunen Glasflaschen in hellem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Deutsche Apotheken stehen derzeit an mehreren Fronten gleichzeitig unter Druck. Ein aktueller Fall von KI-gestĂŒtzter RezeptfĂ€lschung im Raum Berlin, wiederholte technische Störungen bei der E-Rezept-Infrastruktur sowie ungeklĂ€rte Regulierungsfragen bei Rezepturarzneimitteln zeigen, wie vielschichtig die Herausforderungen fĂŒr Apotheken geworden sind.

KI-gestĂŒtzte RezeptfĂ€lschung mit aufwendiger Legende

Im Raum Berlin sind gefĂ€lschte Hochpreiser-Verordnungen aufgetaucht, die auf den Namen einer angeblichen Ärztin, Dr. Jutta Kleeberg, ausgestellt wurden. Als vermeintlicher Aussteller diente ein fiktives MVZ Elbental mit einer Adresse in der Beilsteiner Straße 115 in Berlin.

Zur Untermauerung der FĂ€lschung wurde eigens eine Website unter der Adresse mvz-elbental.de erstellt; eine Handynummer bestĂ€tigte auf Nachfrage angeblich die Echtheit der Verordnung. Wie apotheke-adhoc.de berichtet, ist die genannte Ärztin der Ärztekammer unbekannt, und die auf der Website verwendeten Fotos stammen von der SM-Clinic in Moskau.

Die Kripo ermittelt inzwischen in dem Fall. Der Vorfall verdeutlicht, wie generative KI-Werkzeuge inzwischen genutzt werden, um komplette digitale Legenden – inklusive Website und Telefonverifikation – fĂŒr Betrugsversuche in Apotheken aufzubauen.

Wiederholte AusfÀlle bei der E-Rezept-Infrastruktur

Parallel dazu kÀmpften Apotheken zuletzt mit technischen Problemen bei der TI-Infrastruktur. Die Gematik meldete am Vormittag eine erneute Störung beim Vertrauensdienstanbieter D-Trust, von der SMC-B-Karten und Heilberufsausweise betroffen waren; die Entwarnung erfolgte um 9:30 Uhr. Es war bereits der zweite Ausfall dieser Woche: D-Trust selbst sprach von vielen betroffenen Praxen und Apotheken. Bereits am Montag zuvor hatte die Gematik eine vergleichbare Störung gemeldet, die Entwarnung kam erst am Dienstagmorgen um 8:16 Uhr.

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Die Auswirkungen dieses ersten Ausfalls lassen sich anhand von Zahlen aus Bremen nachvollziehen: Ein Bremer Apotheker berichtete von rund 20 Prozent weniger eingelösten GKV-Rezepten am Ausfallmontag, gefolgt von einem Plus von 15 Prozent am Folgetag. Der E-Rezept-Anteil, normalerweise bei 84 Prozent, sank am Ausfalltag auf lediglich 63 Prozent.

Als Workaround nutzten Apotheken die Apps iA.de und Gesund.de sowie Rx Point; auch die elektronische ArbeitsunfĂ€higkeitsbescheinigung und die elektronische Patientenakte waren betroffen. Securpharm registrierte einen LastrĂŒckgang von 20 Prozent am Nachmittag und ĂŒber beide Tage hinweg rund 4 Prozent weniger Ausbuchungen. Der DAV erklĂ€rte, die Gesamtzahl der Betroffenen lasse sich nicht beziffern.

Streit um Rezepturarzneimittel und Sprechstundenbedarf

Ein weiteres Feld betrifft die Herstellung von Rezepturarzneimitteln fĂŒr den Praxisbedarf. Nachdem das Bundesverwaltungsgericht im MĂ€rz ein Urteil gefĂ€llt hatte, das die Defektur fĂŒr Sprechstundenbedarf erschwerte, reagierte Nordrhein-Westfalen mit einem Erlass des Gesundheitsministeriums (MAGS): Defekturen fĂŒr Sprechstundenbedarf sind demnach wieder möglich, sofern regelmĂ€ĂŸig patientenbezogene Rezepturverordnungen in der Apotheke vorliegen.

Die konkrete Anzahl legt die Apotheke mit der Aufsichtsbehörde fest. NRW-Gesundheitsminister Laumann betonte, die Versorgungssituation mĂŒsse im Einzelfall berĂŒcksichtigt werden, besonders bei Ophthalmologika; das MAGS stehe dazu im Austausch mit dem Bundesgesundheitsministerium.

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Nach dem Erlass sind maximal 100 abgabefertige Packungen je Defektur zulĂ€ssig, wobei eine nachweislich hĂ€ufige Verschreibung Voraussetzung bleibt. Die KassenĂ€rztliche Vereinigung Nordrhein regelt die Verordnung und Abrechnung solcher Defekturen ĂŒber ein spezielles SSB-Rezept; zusĂ€tzlich können Praxen bis zum 30. September Fertigarzneimittel mit 55 Gramm Glukose fĂŒr den oralen Glukosetoleranztest ĂŒber Sprechstundenbedarf verordnen.

Fazit

Die drei Themenfelder – Betrugsversuche mittels kĂŒnstlicher Intelligenz, technische InstabilitĂ€t der E-Rezept-Infrastruktur und rechtliche Unsicherheit bei der Arzneimittelherstellung – zeigen, dass Apotheken derzeit gleichzeitig mit neuen Angriffsformen, digitaler Verwundbarkeit und regulatorischen Grauzonen umgehen mĂŒssen.

FĂŒr die tĂ€gliche Praxis bedeutet dies erhöhten Kontroll- und Anpassungsaufwand, wĂ€hrend die Versorgungssicherheit fĂŒr Patienten im Mittelpunkt der Diskussionen bleibt.

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