Apotheken-Reform ab Juli: Chroniker bekommen Medikamente ohne Rezept
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 12:43 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Melatonin als Schmerzmittel, ein neues Migräne-Medikament und Reformen im Apothekenrecht: Die Behandlung chronischer Schmerzen steht vor großen Veränderungen.
Melatonin: Mehr als nur ein Schlafhormon
Das Schlafhormon Melatonin könnte künftig eine wichtige Rolle in der Schmerztherapie spielen. Eine Metaanalyse der Universität Sydney, veröffentlicht im Fachjournal PAIN, hat 23 Studien mit über 2.000 Teilnehmern ausgewertet.
Das Ergebnis: Bei einer täglichen Dosis von 3 bis 10 Milligramm reduziert Melatonin Schmerzen auf einer Skala von 0 bis 100 um durchschnittlich neun Punkte. Das ist vergleichbar mit der Wirkung von Paracetamol oder Ibuprofen. Die Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Kopfschmerzen gelten als mild. Experten warnen jedoch: Melatonin kann etablierte Therapien nicht ersetzen, sondern allenfalls ergänzen.
Migräne: Neues Medikament für akute Attacken
Ein echter Fortschritt zeichnet sich in der Migränebehandlung ab. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat die Zulassung für Atogepant erweitert. Der Wirkstoff aus der Klasse der CGRP-Rezeptor-Antagonisten darf jetzt nicht nur zur Vorbeugung, sondern auch zur Akutbehandlung eingesetzt werden.
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Grundlage ist die Phase-3-Studie ECLIPSE, deren Ergebnisse die Wirksamkeit bei akuten Migräneattacken belegen. Ärzte haben damit ein neues Werkzeug, um die spezifischen neuronalen Mechanismen gezielt zu bekämpfen.
Apotheken-Reform: Medikamente ohne Rezept für Chroniker
Seit dem 2. Juli 2026 gilt das neue Apotheken-Reformgesetz. Chronisch kranke Patienten können nun in bestimmten Fällen ihre Medikamente auch ohne aktuelles Rezept bekommen – allerdings nur die kleinste Packungsgröße.
Die Voraussetzung: Der Patient muss die Dauermedikation seit mindestens drei Quartalen nachweisen. Der Apotheker prüft zudem, ob die Fortführung der Therapie keinen Aufschub duldet. Ausgeschlossen sind Opioide und Antibiotika. Die Abgabe kostet maximal fünf Euro als Selbstzahlerleistung. Die Dokumentation in der elektronischen Patientenakte ist Pflicht. Eine erweiterte Regelung für die Akutversorgung ohne Rezept soll erst im Sommer 2027 kommen.
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Statine: Forscher finden Ursache für Muskelschmerzen
Ein Team der McMaster University in Kanada hat einen Mechanismus entschlüsselt, der für Muskelschmerzen unter Statinen verantwortlich sein könnte. Die Studie in Science Advances zeigt: Statine stören die Isoprenylierung in Muskelzellen.
Dadurch wird ein Entzündungssignal aktiviert und gleichzeitig ein wichtiger Schutzsignalweg geschwächt. Das führt zu Zellschäden – unabhängig von der cholesterinsenkenden Wirkung. Für die Praxis könnte das bedeuten: Künftig ließen sich die Schmerznebenwirkungen gezielt blockieren, ohne die Hauptwirkung der Statine zu beeinträchtigen.
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