Apotheken-Reform ab Juli: Dauermedikation ohne Rezept möglich
Veröffentlicht: 08.07.2026 um 08:10 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Neue Verfahren und gesetzliche Änderungen verändern die Behandlung.
Kleber statt Skalpell: 5.000 Krampfadern erfolgreich verklebt
Das Saphenion Gefäßzentrum in Rostock hat eine beeindruckende Bilanz vorgelegt: Über 14 Jahre wurden dort 5.067 Stammkrampfadern bei 2.360 Patienten mit dem VenaSeal-Klebersystem behandelt. Das Verfahren ist seit Februar 2015 von der US-Gesundheitsbehörde FDA zugelassen.
Neben Klebern gewinnen auch automatisierte Schaumverödungen an Bedeutung. Das Varixio-System kam bei über 200 Patienten zum Einsatz. Die Methoden sind gewebeschonend und selbst für Hochbetagte geeignet – der älteste dokumentierte Patient war 94 Jahre alt.
Chronische Wunden: 800.000 Betroffene pro Jahr
Chronische Wunden heilen länger als acht Wochen nicht ab. In Deutschland sind jährlich rund 800.000 Patienten betroffen. Die traurige Folge: Etwa 45.000 Amputationen pro Jahr.
Experten setzen auf strukturierte Patientenschulungen. Beim Chronic Wound Awareness Day im Juli 2026 stand ein Phasenmodell im Fokus: von der Diagnostik über die Akuttherapie bis zur Langzeitversorgung. Die Wundheilung selbst gliedert sich in drei Phasen – exsudativ (Tag 1–5), proliferativ (Tag 2–10) und reparativ (ab Tag 3).
Neue Rechte fĂĽr Apotheken seit Juli 2026
Seit dem 1. Juli 2026 dürfen Apotheken Patienten mit Dauermedikation auch ohne Rezept versorgen – wenn die Therapie keinen Aufschub duldet. Unser kostenloser Leitfaden erklärt, welche Voraussetzungen Sie erfüllen müssen und wie Sie die neue Regelung nutzen. Leitfaden zur Apotheken-Reform jetzt anfordern
Seit dem 1. Juli 2026 gilt eine wichtige Neuregelung: Nach § 48a des Arzneimittelgesetzes dürfen Apotheken Patienten mit Dauermedikation auch ohne Rezept versorgen – wenn die Fortsetzung der Therapie keinen Aufschub duldet und die Medikation seit mindestens drei Quartalen besteht. Ein Leitfaden der ABDA hilft bei der Umsetzung.
Die wirtschaftliche Dimension chronischer Erkrankungen ist enorm. Der BKK Dachverband meldete für Juli 2026 Krankengeldausgaben von 21,6 Milliarden Euro. Haupttreiber sind Muskel-Skelett-Erkrankungen und psychische Leiden. In zehn Jahren stieg die Zahl der Krankengeldtage um 24,4 Prozent. Vorstandsmitglied Anne-Kathrin Klemm fordert mehr Prävention.
Schweiz fĂĽhrt im internationalen Vergleich
Ein Bericht der Zurich Insurance Group untersuchte die Versorgung in 38 OECD-Ländern zwischen 2014 und 2023. Ergebnis: Die Schweiz führt mit 80 von 100 Punkten, gefolgt von den Niederlanden und Luxemburg.
Alison Martin von Zurich betont: Eine alternde Bevölkerung leidet zunehmend an mehreren chronischen Erkrankungen. Die Schweiz biete hohe Qualität, habe aber Effizienzdefizite. International gewinnen digitale Projekte an Bedeutung – etwa das Horizon-Europe-Vorhaben BEACON-HD der TU München, das Telemedizin in ländlichen Regionen Afrikas erprobt.
Chronische Wunden betreffen jährlich 800.000 Menschen in Deutschland – 45.000 Amputationen sind die Folge. Unser Ratgeber zeigt, wie Sie mit der neuen Apothekenregelung Ihre Medikamente rechtzeitig erhalten und Wundversorgung zu Hause richtig umsetzen. Ratgeber Wundversorgung jetzt sichern
PCOS bekommt neuen Namen
Auch die medizinische Fachwelt sortiert sich neu. Das Polyzystische Ovarsyndrom (PCOS) heißt künftig Polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS). Grund: Die systemischen Stoffwechselrisiken, die auch Gefäßerkrankungen begünstigen, sollen stärker ins Bewusstsein rücken.
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