Apotheken vor Ort: 20 Prozent weniger seit 2010 verschÀrfen den Druck
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
SeniorenverbĂ€nde rĂŒcken die korrekte Einnahme von Arzneimitteln zunehmend in den Mittelpunkt, wĂ€hrend gleichzeitig die VerfĂŒgbarkeit von Botendiensten fĂŒr Ă€ltere Patientinnen und Patienten angesichts personeller und organisatorischer Belastungen in Apotheken kritisch diskutiert wird.
FĂŒr viele Ă€ltere Menschen stellt die verlĂ€ssliche Versorgung mit Dauermedikationen eine Grundvoraussetzung fĂŒr ein selbstbestimmtes Leben dar. Gleichzeitig geraten die Versorgungsstrukturen vor Ort durch wirtschaftliche Rahmenbedingungen, personelle EngpĂ€sse und strukturelle VerĂ€nderungen unter Druck.
VersorgungslĂŒcken und Risiken bei der digitalen Medikamentenbestellung
Die Herausforderungen bei der Arzneimittelversorgung zeigen sich insbesondere dort, wo gewohnte AblÀufe ins Stocken geraten. Ein Fall aus Bad Waldsee verdeutlichte die Risiken bei Verzögerungen: Ein 76-jÀhriger Patient bestellte PrÀparate bei DocMorris und stornierte drei Medikamente aufgrund von Lieferverzögerungen.
Die betroffenen E-Rezepte blieben daraufhin lÀnger als 24 Stunden blockiert und konnten auch in anderen Apotheken nicht eingelöst werden. Von dem Ausfall betroffen waren lebenswichtige Insulinspritzen und Blutdrucktabletten. DocMorris erklÀrte dazu, dass eine Stornierung mehrere Systeme durchlaufe und es dabei zu Verzögerungen kommen könne.
Vor diesem Hintergrund fordert die ABDA in einer Stellungnahme zum Gesundheits-Digital-Gesetz (GeDiG) unter anderem Nachbesserungen bei den Zugriffen auf die elektronische Patientenakte (ePA), bei Retaxationen sowie eine Begrenzung des Einflusses der Krankenkassen.
Zudem verlangt die Bundesvereinigung eine gesetzliche Klarstellung gegen den Verzicht auf gesetzliche Zuzahlungen durch Versandapotheken. Nach § 43c SGB V seien alle Leistungserbringer verpflichtet, diese Zuzahlungen einzuziehen.
VersandhÀndler setzten den Zuzahlungsverzicht jedoch gezielt als Marketinginstrument ein, was den Wettbewerb verzerre. Da die ParitÀtische Stelle nach Ansicht der ABDA dysfunktional agiere, fordert die Organisation staatliche Sanktionsmöglichkeiten.
RĂŒckgang der Apotheken vor Ort verschĂ€rft Versorgungsdruck
Die Erreichbarkeit von pharmazeutischem Fachpersonal und Botendiensten wird maĂgeblich von der Zahl der bestehenden BetriebsstĂ€tten beeinflusst. In Deutschland ist die Zahl der Apotheken seit 2010 um rund 20 Prozent gesunken. Allein im vergangenen Jahr verlor die Bundesrepublik 440 Apotheken.
Ein gemeinsames Whitepaper von Ommax, der ABDA, der Nova School of Business & Economics sowie der Initiative âApotheken mit Herzâ analysierte diese Entwicklung.
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Demnach verzeichnen VersandhÀndler zwar UmsatzzuwÀchse im Bereich der verschreibungspflichtigen Medikamente, 31 qualitative Interviews mit 15 ApothekenfachkrÀften und 16 Patienten offenbarten jedoch eine Kluft zwischen Vertrauen und Komfort.
Das Papier empfiehlt, Apotheken weiterhin als physischen Anker zu nutzen und diesen durch digitale Kontaktpunkte, konsistente Prozesse sowie die Einbindung von WhatsApp und sozialen Medien zu ergÀnzen.
Die Apothekerschaft appelliert parallel an den Bundestag, die VersorgungsqualitĂ€t ĂŒber kurzfristige SparmaĂnahmen zu stellen. Ein weiterer RĂŒckzug von Apotheken vor Ort fĂŒhre zu einem Verlust individueller Beratung und erhöhe die bĂŒrokratische Belastung fĂŒr Pflegende, insbesondere in lĂ€ndlichen Regionen.
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Diskussion ĂŒber Einsparungen und zusĂ€tzliche Aufgaben
Auch finanzielle Rahmenbedingungen belasten das VerhÀltnis zwischen Apotheken und KostentrÀgern. Wie der Deutsche Apothekerverband (DAV) berichtete, spart ein Schiedsspruch zur Preisbildung von Spezialrezepturen den Krankenkassen seit Anfang Oktober 2026 einen dreistelligen Millionenbetrag pro Jahr.
WĂ€hrend der DAV den Verzicht auf Ausschreibungen bei der Zytostatika-Versorgung fĂŒr Krebspatienten begrĂŒĂte, lehnt der Verband geplante Hilfsmittel-Ausschreibungen weiterhin ab. Der DAV-Vorsitzende Dr. Hans-Peter Hubmann warnte davor, dass solche Ausschreibungen zu EinbuĂen bei der VersorgungsqualitĂ€t und zum RĂŒckzug von Apotheken in lĂ€ndlichen Gebieten fĂŒhren könnten.
Brandenburgs Gesundheitsminister RenĂ© Wilke sieht in den anstehenden Reformen hingegen Chancen fĂŒr neue Leistungsangebote der Apotheken, um Versorgungsstrukturen zu entlasten und die Wirtschaftlichkeit zu stĂ€rken. Er verwies dabei auch auf ein mögliches Krankenschwestermodell fĂŒr die lĂ€ndliche Versorgung, wenngleich es Ărzteproteste gegen die Abgabe von Aufgaben gibt.
Brandenburg verfĂŒgt ĂŒber keinen eigenen Pharmaziestudium-Standort. Wilke erklĂ€rte, dass er zwar kein vollstĂ€ndiges Wissen ĂŒber jede einzelne Apotheke in ihrer aktuellen wirtschaftlichen und personellen Lage habe, aber ein gutes landesweites Gesamtbild bestehe.
