Apothekenreform: Impfungen und Blutabnahmen ab sofort in der Apotheke
01.06.2026 - 10:00:54 | boerse-global.deDie EU reagiert mit dem Critical Medicines Act (CMA) – einem Gesetzespaket, das die Produktion lebenswichtiger Medikamente zurück nach Europa holen soll. Besonders betroffen sind Antibiotika: Über 80 Prozent der Wirkstoffe kommen derzeit aus China und Indien.
EU will Produktion nach Osteuropa verlagern
Bereits Ende Mai 2026 hat die Europäische Union die Weichen für das neue Gesetz gestellt. Künftige öffentliche Ausschreibungen sollen nicht mehr allein auf den günstigsten Preis setzen, sondern die Versorgungssicherheit und europäische Produktionsstandorte stärker gewichten. Die neuen Fertigungsanlagen werden voraussichtlich in Osteuropa entstehen.
Der Schritt folgt auf eine deutliche Warnung des Generikaherstellers Sandoz Group AG. Das Unternehmen hatte die Regulierungsbehörden bereits im Mai darauf hingewiesen, dass die europäische Pharmasouveränität durch Billigimporte aus China untergraben wird. Die Branche fordert nun Preisgarantien oder Subventionen, um die heimische Produktion überhaupt rentabel zu machen.
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Deutsche Pharmaindustrie schrumpft – Krankenhäuser in der Krise
Die wirtschaftlichen Probleme der Branche zeigen sich besonders in Deutschland. Eine Studie des VCI vom 29. Mai 2026 belegt: Die Chemie- und Pharmaindustrie schrumpfte im ersten Quartal 2026 um saisonbereinigt 2,8 Prozent. Die Produktion lag fast sechs Prozent unter dem Vorjahresniveau. Hauptgründe sind die hohen Kosten für Energie, Rohstoffe und Transport.
Die Misere trifft auch die Kliniken hart. Eine Umfrage des DKG-Konjunkturbarometers unter 185 Krankenhäusern (durchgeführt Mitte April 2026) zeigt ein düsteres Bild: 74 Prozent der Häuser bewerten ihre wirtschaftliche Lage als unzureichend. Bei Kliniken mit mehr als 600 Betten sind es sogar 95 Prozent. Im Schnitt reicht die Liquidität nur noch für sechs Wochen.
Während die Krankenhausverbände vor einer existenziellen Bedrohung warnen, fordern einige Krankenkassenvertreter strukturelle Reformen statt bloßer Finanzspritzen.
Lieferengpässe in Großbritannien – 188 Medikamente knapp
Die Versorgungskrise zeigt sich auch im Alltag der Patienten. In Großbritannien waren Mitte Mai 2024 ganze 188 Medikamente als knapp gemeldet – darunter so wichtige Wirkstoffe wie Apixaban (Blutverdünner), Ramipril (Bluthochdruck), Metformin (Diabetes) und Aspirin. Grund sind steigende Weltmarktpreise, die schneller wachsen als die staatlichen Erstattungssätze. Apotheken zahlen oft mehr für die Medikamente, als sie von den Krankenkassen zurückbekommen.
Deutschland erweitert Apotheken-Kompetenzen
Als Reaktion auf die angespannte Lage hat Deutschland am 30. Mai 2026 eine Apothekenreform verabschiedet. Die Neuerungen erlauben Apothekern künftig:
- Impfungen gegen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) durchzuführen
- Blutabnahmen vorzunehmen
- In Ausnahmefällen bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente ohne vorherigen Arztbesuch auszugeben
Die Apothekerverbände begrüßen die neuen Aufgaben, kritisieren jedoch die fehlende zusätzliche Vergütung. Ärztevertreter warnen dagegen vor einer möglichen Verschlechterung der Behandlungsqualität.
Globale Krisen verschärfen Lage – Cyberangriff auf Patientendaten
Internationale Konflikte treiben die Krise weiter an. Im Sudan führt der anhaltende Bürgerkrieg zu massiven Engpässen bei Diabetes- und Blutdruckmedikamenten sowie Kinderarzneimitteln. Ende Mai 2026 berichteten Helfer von einem wachsenden Schwarzmarkt, der die Preise in die Höhe treibt und erhebliche Sicherheitsrisiken birgt.
Ein weiteres Problem: die Verwundbarkeit der digitalen Infrastruktur. Ein Cyberangriff auf den Dienstleister Unimed im April 2026 – dessen volles Ausmaß erst Ende Mai bekannt wurde – betraf mindestens 80.000 Patienten in 17 Krankenhäusern. Zwar hält Unimed eine massenhafte Veröffentlichung der Daten für unwahrscheinlich, der Vorfall zeigt jedoch die anhaltende Bedrohung für Patientendaten in der medizinischen Lieferkette.
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