Apothekensterben, Apotheken

Apothekensterben: 16.541 Apotheken auf Tiefstand seit 1970ern

09.06.2026 - 15:21:39 | boerse-global.de

Die Zahl der Apotheken fĂ€llt auf den tiefsten Stand seit Jahrzehnten. Eine Reform soll neue Leistungen bringen, stĂ¶ĂŸt aber auf Widerstand der Ärzteschaft.

Apothekensterben in Deutschland: Rekordtief seit den 1970ern
Apothekensterben - Ein modernes ApothekengebĂ€ude bei DĂ€mmerung in einer lĂ€ndlichen deutschen Landschaft mit einer langen Straße, die dorthin fĂŒhrt. 09.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Zum 31. MÀrz 2026 gab es bundesweit nur noch 16.541 öffentliche Apotheken. Das sind 20 Prozent weniger als noch vor 13 Jahren.

Besonders betroffen sind lĂ€ndliche Regionen. Rund vier Millionen Menschen mĂŒssen mehr als sechs Kilometer zur nĂ€chsten Apotheke fahren.

Wo die Versorgung am dĂŒnnsten ist

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Eine Untersuchung der ILS Research im Auftrag der ABDA zeigt enorme regionale Unterschiede. In Mecklenburg-Vorpommern sind 21,7 Prozent der Bevölkerung von langen Anfahrtswegen betroffen. Bayern verzeichnet mit knapp 900.000 Betroffenen die höchste absolute Zahl.

Hans-Peter Hubmann vom Deutschen Apothekerverband warnt: „Jede einzelne Apotheke ist im lĂ€ndlichen Raum systemrelevant fĂŒr die lokale Versorgung."

Im europÀischen Vergleich liegt Deutschland weit hinten. Auf 100.000 Einwohner kommen nur 20 Apotheken. Der EU-Durchschnitt liegt bei 31. In Bremen sind es sogar nur 17.

Warum die Apotheken sterben

Die Branche macht vor allem die Honorarentwicklung verantwortlich. Seit 2013 stieg das Apothekenhonorar nur um 13,5 Prozent. Die Einnahmen der Krankenkassen legten im selben Zeitraum um 89 Prozent zu, das BIP um 61,6 Prozent.

Hinzu kommen steigende Betriebskosten und FachkrĂ€ftemangel. Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach fordert eine Honoraranpassung und BĂŒrokratieabbau. Auch ABDA-PrĂ€sident Thomas Preis verlangt finanzielle Verbesserungen.

Marktbeobachter der SEMPORA-Studie rechnen mit einem weiteren RĂŒckgang von etwa fĂŒnf Prozent pro Jahr.

Die Apothekenreform kommt

Der Bundestag verabschiedete am 22. Mai 2026 ein umfassendes Reformpaket. Apotheken sollen kĂŒnftig mehr Vorsorgeleistungen anbieten – etwa zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Auch Schutzimpfungen mit Totimpfstoffen sowie Schnelltests auf Influenza und Noroviren sind geplant. Ab 18 Jahren dĂŒrfen Apotheken zudem Blut abnehmen.

Ein weiterer Baustein: die assistierte Telemedizin. Der DAV beschloss einen Rahmenvertrag, der zum 1. Juli 2026 in Kraft tritt. Ziel sind telemedizinische Sprechstunden in Apotheken.

Doch die Ärzteschaft wehrt sich. Klaus Reinhardt (BundesĂ€rztekammer) und Andreas Gassen (KBV) lehnen die PlĂ€ne ab. Sie warnen vor einer „PrimĂ€rversorgung light". Der Virchowbund kritisiert, dass Apotheken ihre Kernaufgabe verlassen.

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Neue Konkurrenz aus dem Drogeriemarkt

Auch der Versandhandel setzt die Apotheken unter Druck. Laut einer SEMPORA-Studie können sich 24 Prozent der Deutschen vorstellen, rezeptpflichtige Medikamente bei MĂŒller zu bestellen. Bei Amazon liegt der Wert bei 40 Prozent.

Branchenexperten rechnen mit weiteren Markteintritten fachfremder Unternehmen. Die Konkurrenz wird also nicht weniger – im Gegenteil.

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