Apple sperrt Siri-KI für 27 EU-Staaten: DMA-Konflikt eskaliert
14.06.2026 - 22:07:04 | boerse-global.de
Der Streit um den Digital Markets Act eskaliert: Apple verweigert iPhone- und iPad-Nutzern in der Europäischen Union den Zugang zu den neuen Siri-KI-Funktionen. Die Ankündigung fiel auf der Entwicklerkonferenz WWDC 2026 – und sie hat es in sich.
Betroffen sind ab sofort alle 27 EU-Mitgliedsstaaten. Die Funktionen für iOS 27 und iPadOS 27 werden hier nicht ausgerollt. Grund sind die seit Monaten andauernden, ergebnislosen Verhandlungen zwischen dem Tech-Konzern und den europäischen Regulierern.
Der Streitpunkt: Datenschutz gegen Interoperabilität
Anzeige: Wer die Auswirkungen der Siri-KI-Sperre für sein Unternehmen einordnen will, findet in diesem kostenlosen Report die wichtigsten Strategie-Hebel – von DMA-Compliance bis zu Marktszenarien. Jetzt kostenlosen DMA-KI-Report anfordern
Im Kern geht es um den Digital Markets Act (DMA), der seit Mai 2023 in Kraft ist. Apple-Vertreter wie Craig Federighi und Greg Joswiak argumentieren, dass die Interoperabilitäts-Anforderungen des Gesetzes die Privatsphäre der Nutzer gefährden. Die Interpretation der EU-Kommission würde Drittanbietern praktisch ungehinderten Zugriff auf sensible Nutzerdaten ermöglichen, so Apples Befürchtung.
Um den Konflikt zu entschärfen, schlug Apple eine 18-monatige Ausnahmegenehmigung von bestimmten DMA-Pflichten vor. Zudem präsentierte das Unternehmen ein spezielles technisches Konzept namens Trusted System Agent (TSA). Doch die EU-Kommission lehnte beide Vorschläge ab.
Am 9. Juni 2026 zog die Kommission einen Schlussstrich: Apple habe nicht nachweisen können, dass die KI-Integration mit dem Gesetz vereinbar sei. EU-Sprecher Thomas Regnier stellte klar, dass die Entscheidung, die Funktionen zurückzuhalten, allein bei Apple liege. Sonderregelungen für die Interoperabilitätsvorgaben werde es nicht geben.
Welche Funktionen fehlen – und was noch geht
Die Sperre betrifft nicht nur die neue Siri-KI. Auch iPhone Mirroring und SharePlay Screen Sharing bleiben EU-Nutzern verwehrt. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Auf dem Mac und der Vision Pro sollen die KI-Funktionen weiterhin verfügbar sein. Diese Plattformen fallen derzeit unter andere regulatorische Kategorien.
Außerhalb der EU sieht die Lage anders aus. In den USA startet Ende 2026 eine Beta-Version von Siri KI. Erste Tester berichten von deutlichen Verbesserungen bei komplexen Aufgaben – etwa Tischreservierungen, Terminplanung oder Navigationshilfe. Eine spezielle EU-Version von Siri KI hat Apple eigenen Angaben zufolge vorerst aufgegeben.
Anzeige: EU-Unternehmen, die bereits KI-Innovationen planen, brauchen jetzt einen klaren DMA-Fahrplan – bevor Wettbewerbsnachteile gegenüber dem US-Markt spürbar werden. Dieser Leitfaden liefert Compliance-Checkliste und konkrete Einführungsstrategien. DMA-KI-Fahrplan jetzt sichern
Hohe Strafen, spürbare Marktveränderungen
Die finanziellen Risiken für Apple sind enorm. Bei Verstößen gegen den Digital Markets Act drohen Strafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Während Apple also mit der Einführung neuer KI-Funktionen kämpft, zeigt der DMA bereits Wirkung im Softwaremarkt. Kleinere Wettbewerber profitieren: Der Aloha-Browser verzeichnete einen Anstieg von 250 Prozent bei neuen Nutzern, Firefox konnte seine tägliche Nutzerzahl verdoppeln.
Die Reaktionen auf Apples Entscheidung sind gespalten. Einige Nutzer unterstützen den Kurs des Konzerns mit Verweis auf den Datenschutz. Andere kritisieren, dass europäische Verbraucher erneut von modernen KI-Tools abgeschnitten werden. Wie es weitergeht, ist offen – der Rechtsstreit zwischen Apple und der EU-Kommission ist längst nicht beendet.
