Apple Watch: Neue Hardware misst Blutdruck aktiv via Sensoren
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 05:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Apple arbeitet an einer neuen technologischen Lösung für die nicht-invasive Blutdruckmessung, die über die bisherigen passiven Warnsysteme hinausgehen soll. Berichten von Anfang September 2026 zufolge entwickelt das Unternehmen eine Hardware-Lösung, die auf Drucksensor-Arrays basiert. Diese Technologie analysiert die Pulswellen-Morphologie der Arterien, um den systolischen Blutdruck präzise zu bestimmen.
Patentdetails und technische Umsetzung
Grundlage der Entwicklung ist unter anderem ein Patent mit der Nummer US 20220400959. Dieses beschreibt ein System zur nicht-invasiven Blutdruckmessung, das kontrollierten externen Druck einsetzt. Durch die Analyse der arteriellen Pulswellen-Morphologie, einschließlich der sogenannten dikrotischen Welle (Dicrotic Notch), soll die Hardware in der Lage sein, systolische, diastolische sowie mittlere arterielle Druckwerte auszugeben.
Im Gegensatz zu bisherigen Software-Lösungen, die lediglich passive Warnungen bei Anzeichen von Bluthochdruck ausgeben, zielt die neue Hardware auf eine aktive Messung ab. Das System könnte direkt in das Armband einer Smartwatch integriert werden. Neben der Blutdruckmessung befinden sich laut Branchenberichten auch Funktionen für das Glukose-Monitoring in der Entwicklung.
Aktuelle Marktpositionierung und klinische Studien
In Bezug auf die kommende Apple Watch Ultra 4 halten sich Gerüchte über verbesserte Sensorkomponenten zur Überwachung von Bluthochdruck. Es werde spekuliert, dass doppelte Sensorkomponenten zum Einsatz kommen könnten.
Eine entsprechende Benachrichtigungsfunktion für Bluthochdruck befinde sich bereits in der Prüfung durch die US-Gesundheitsbehörde FDA. Zwar ist eine solche Funktion bereits von der FDA zugelassen, sie dient jedoch ausdrücklich nicht der medizinischen Diagnose, sondern lediglich der Information der Nutzer.
Die klinische Zuverlässigkeit aktueller Smartwatch-Warnungen wird unterdessen in Fachkreisen diskutiert. Eine in der Fachzeitschrift JAMA veröffentlichte Studie der University of Utah Health untersuchte die Genauigkeit von Hypertonie-Warnungen bei Smartwatches. Die Ergebnisse zeigten, dass solche Systeme 59 % der nicht diagnostizierten Fälle übersehen, während die Fehlalarmrate bei 8 % liegt.
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Die Forscher stellten fest, dass Warnungen die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen von Bluthochdruck in der Wahrnehmung der Probanden zwar deutlich erhöhen – bei über 60-Jährigen etwa von 45 % auf 81 % –, eine ausbleibende Warnung die klinische Realität jedoch oft verfehle.
Experten weisen darauf hin, dass die bisherigen Wearable-Warnungen keine medizinische Qualität erreichen und raten weiterhin zur Verwendung traditioneller Manschettenmessungen.
Wettbewerb setzt auf mechanische Lösungen
Während Apple an sensorbasierten Analysen arbeitet, verfolgen Wettbewerber andere Ansätze. Huawei stellte Anfang September 2026 auf dem Kongress der European Society of Cardiology (ESC) in München die Watch D3 vor. Dieses Modell nutzt ein im Armband integriertes, aufblasbares Luftkissen für die Blutdruckmessung.
Das Gerät ist nach der europäischen Medizinprodukteverordnung (EU MDR) als Klasse IIa zertifiziert und ermöglicht eine 24-stündige ambulante Blutdrucküberwachung (ABPM). Die Huawei Watch D3 verfügt über ein 1,92 Zoll großes Display mit einer Helligkeit von 3000 Nits und wird in Großbritannien für £399,99 (ca. 545 US-Dollar) angeboten.
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Fortschritte in der Forschung für manschettenlose Systeme
Parallel zu den Produktentwicklungen der großen Hersteller treibt die akademische Forschung neue Messverfahren voran. Benjamin Sanchez Terrones von der University of Illinois Chicago stellte in der Fachzeitschrift Nature Communications eine Studie zu einer manschettenlosen Smartwatch vor, die den Blutdruck kontinuierlich mittels elektrischem Strom misst. Ein physik-informiertes Modell für maschinelles Lernen wertet dabei die Daten aus.
Zudem untersuchten Forscher der University of Tokyo ein Verfahren zum Screening von Bluthochdruck mittels KI-gestützter Gesichtsvideos. In Tests mit 215 Teilnehmern erreichte dieses System eine Genauigkeit von bis zu 95 % bei der Erkennung von Hypertonie.
Dennoch erfüllte das System bei der Schätzung des systolischen Blutdrucks mit einer Standardabweichung von ±12,0 mmHg noch nicht die strengen AAMI-Kriterien, die eine Abweichung von maximal ±8 mmHg vorschreiben.
