Arbeitsmarkt-Angst: 56 Prozent der Studierenden fürchten Jobmangel
24.06.2026 - 21:10:13 | boerse-global.de
Künstliche Intelligenz trifft vor allem Berufseinsteiger – und hinterlässt Spuren in deren Psyche.
Rückgang bei Junior-Stellen: 32 Prozent weniger Einstiegspositionen
Der „Jobs.ch KI Report 2026“ zeigt einen deutlichen Trend: Seit dem Durchbruch der KI-Technologie sank der Anteil an Einstiegspositionen in Branchen wie Administration, Personalwesen, Banken, Marketing und IT um 32 Prozent. Verglichen wird mit dem Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2022.
Die Nachfrage nach Junior-Kräften ließ in diesen Feldern um 16 Prozent nach. Gleichzeitig stieg der Bedarf an erfahrenen Senior-Fachkräften um 26 Prozent. Weltweit bestätigt der „Global Jobs Barometer 2026“ von PwC diesen Trend: Einstiegspositionen mit hoher KI-Exposition stagnieren seit 2019 – ein Minus von 10 Prozent.
In den USA reagierte PwC bereits konkret: Das Beratungsunternehmen reduzierte seine Einstiegsstellen im Juni um 35 Prozent.
„AI FOBO“: Die Angst vor der eigenen Überflüssigkeit
Die Statistik hat eine psychologische Kehrseite. Marktforscher sprechen von „AI FOBO“ – „Fear of Becoming Obsolete“. Gemeint ist die Angst, durch Automatisierung beruflich irrelevant zu werden.
Laut dem Report der JobCloud AG sorgen sich 41 Prozent der unter 25-Jährigen in der Schweiz um ihre berufliche Zukunft. In Deutschland zeigt eine Umfrage der Plattform UniNow: 56 Prozent der Studierenden haben große oder eher große Angst, nach dem Abschluss keinen passenden Job zu finden. Nur 12 Prozent haben keinerlei Bedenken.
Die Verunsicherung wirkt sich auf die Karriereplanung aus. Eine Studie von Adaptavist belegt: Über 50 Prozent der Generation Z denken über einen Berufswechsel nach. Rund 28 Prozent erwägen sogar den Wechsel in weniger automatisierte Bereiche.
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Fachkräftemangel bleibt – aber anderswo
Der Druck auf Junior-Rollen in Büroberufen bedeutet nicht, dass überall Stellen wegfallen. Ganz im Gegenteil: In physischen Berufen im Gesundheitswesen, Bauwesen und Handwerk ist die Dynamik eine völlig andere. Die Rekrutierung von Pflegefachkräften gilt als achtmal schwieriger als noch 2023.
Interessant ist ein weiterer Befund: KI führt in betroffenen Unternehmen nicht zwingend zu Personalabbau, sondern zu einer qualitativen Veränderung der Arbeit. Der PwC-Bericht zeigt: Unternehmen mit hoher KI-Exposition steigerten ihre Gesamtbeschäftigung seit 2018 um 52 Prozent. Unternehmen ohne KI-Fokus kamen nur auf 36 Prozent.
Auch die Löhne stiegen in diesen transformierten Bereichen überdurchschnittlich – um 24 Prozent. Die Technologie scheint bestehende Rollen eher aufzuwerten als zu ersetzen. Vorausgesetzt, die entsprechenden Kompetenzen sind vorhanden.
Neue Anforderungen: Weg von repetitiven Aufgaben
Die Anforderungen an Berufseinsteiger verschieben sich. Weg von repetitiven Aufgaben, hin zu komplexeren Fähigkeiten. Die PwC-Studie belegt: Positionen, die mehr als zehn höherwertige Kompetenzen erfordern, verzeichneten einen Zuwachs von 35 Prozent.
Der Bildungsökonom Stefan Wolter von der Universität Bern rät Einsteigern daher zu komparativen Fähigkeiten und Exzellenz in Nischen, die von KI schwer abdeckbar sind.
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Gleichzeitig breiten sich KI-Kenntnisse über die IT-Branche hinaus aus. In der Finanzbranche stieg die Nachfrage nach entsprechenden Fähigkeiten um 133 Prozent, im Baugewerbe sogar um 186 Prozent. Career Services der Universität Zürich empfehlen Absolventen zudem alternative Wege: Freiwilligenarbeit oder Tätigkeiten in Start-ups, um praktische Erfahrungen zu sammeln, während sich der klassische Markt für Junior-Positionen neu ordnet.
Langfristige Prognose: 1,6 Millionen Jobs betroffen
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) rechnet vor: In den kommenden 15 Jahren könnten rund 1,6 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland vom technologischen Wandel betroffen sein. Laut Analysen des Handelsblatts könnten Frauen aufgrund der Branchenverteilung stärker betroffen sein als Männer.
