Arbeitsstress, Fehltage

Arbeitsstress: 112 Fehltage pro 100 BeschÀftigte durch psychische Belastung

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Arbeitsrechtliche StreitfÀlle und psychisch bedingte Fehlzeiten nehmen zu, wÀhrend Insolvenzen steigen und ein Gericht Mehrarbeitsausgleich ablehnt.

Arbeitskonflikte treiben RechtsschutzschÀden und Fehlzeiten nach oben
Ein leerer, moderner Industrieflur mit Betonboden und einfallendem Tageslicht, der eine angespannte ArbeitsatmosphÀre symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Konflikte am Arbeitsplatz nehmen in Deutschland spĂŒrbar zu und schlagen sich verstĂ€rkt in den Bilanzen der Rechtsschutzversicherer nieder. Nach Erhebungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) entfielen im zweiten Quartal 2026 15,3 Prozent aller Rechtsschutz-SchadensfĂ€lle auf Streitigkeiten aus dem ArbeitsverhĂ€ltnis. In den Vorjahren lag dieser Anteil noch niedriger: Im zweiten Quartal 2025 waren es 14,6 Prozent und im gesamten Jahr 2024 14,2 Prozent.

Noch deutlicher zeigt sich der Trend bei den finanziellen Aufwendungen: Von Januar bis Juni 2026 flossen 38,6 Prozent aller Schadenzahlungen in den Bereich des Arbeitsrechtsschutzes, nachdem dieser Wert im Jahr 2025 bei 36,8 Prozent und 2024 bei 33,9 Prozent gelegen hatte. Nach EinschĂ€tzung von GDV-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Jörg Asmussen fungieren vor allem Stellenabbau und innerbetriebliche Umstrukturierungen als Treiber dieser rechtlichen Konflikte.

Wirtschaftliche EintrĂŒbung spiegelt sich in den BestĂ€nden

Der Anstieg arbeitsrechtlicher Dispute vollzieht sich vor einem angespannten konjunkturellen Hintergrund. Laut dem Statistischen Bundesamt wurden im ersten Halbjahr 2026 12.812 Unternehmensinsolvenzen registriert, was einem Zuwachs von 6,7 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum entspricht.

Zugleich meldete die Bundesagentur fĂŒr Arbeit fĂŒr August 2026 gut drei Millionen Arbeitslose, ein Plus von 36.000 Personen im Vergleich zum Vorjahr, bei anhaltend schwacher Gesamtentwicklung. Der GDV verweist zudem darauf, dass die deutsche Wirtschaftsleistung im Zeitraum von 2019 bis 2025 insgesamt um weniger als ein Prozent gewachsen ist.

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Vor diesem Hintergrund bleibt die Nachfrage nach Absicherung hoch. Nach Verbandsangaben verfĂŒgen rund 60 Prozent der deutschen Haushalte ĂŒber eine Rechtsschutzversicherung. Im Jahr 2025 zĂ€hlte die Branche rund 26,2 Millionen VertrĂ€ge sowie 5,1 Millionen gemeldete SchadensfĂ€lle.

Der gesamte Schadenaufwand kletterte 2025 auf rund 4,1 Milliarden Euro, wĂ€hrend er zehn Jahre zuvor noch bei 2,7 Milliarden Euro gelegen hatte. FĂŒr das gesamte Jahr 2026 erwartet der GDV ein Beitragswachstum von 4,5 Prozent.

Hohe Fehlzeiten durch psychischen Druck

Parallel zu juristischen Streitigkeiten verzeichnen Krankenkassen eine kontinuierliche Zunahme psychischer Beanspruchungen am Arbeitsplatz. Wie Daten der KaufmÀnnischen Krankenkasse (KKH) zeigen, entfielen im Jahr 2024 112 stressbedingte Fehltage auf 100 BeschÀftigte.

Dieser Wert markiert eine kontinuierliche Steigerung gegenĂŒber 105 Fehltagen im Jahr 2023 und 74 Fehltagen im Vor-Pandemie-Jahr 2019. Belastungsreaktionen bildeten 2024 die hĂ€ufigste psychische Diagnose bei BerufstĂ€tigen und zugleich den dritthĂ€ufigsten Grund fĂŒr eine Krankschreibung ĂŒberhaupt.

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Regional zeigten sich deutliche Unterschiede: Im Saarland registrierte die KKH fast 176 stressbedingte Fehltage je 100 BerufstĂ€tige, wĂ€hrend es in Baden-WĂŒrttemberg rund 81 waren.

Fachleute aus der Psychologie weisen darauf hin, dass die HĂ€ufigkeit psychischer Erkrankungen in der Bevölkerung weitgehend stabil bleibe und der Anstieg der Fehlzeiten nicht auf eine höhere tatsĂ€chliche Erkrankungsrate zurĂŒckzufĂŒhren sei.

Streitpunkte um Überstunden und Arbeitszeit

Die zunehmende Belastung fĂŒhrt regelmĂ€ĂŸig auch zu Grundsatzstreitigkeiten ĂŒber geleistete Arbeitszeit. So wies das Bundesverwaltungsgericht die Klage eines ehemaligen niedersĂ€chsischen Grundschulleiters auf Ausgleich fĂŒr Mehrarbeit ĂŒber die 40-Stunden-Woche vollstĂ€ndig ab (Az. 2 C 19.25).

Das Gericht begrĂŒndete die Entscheidung damit, dass keine dienstliche Anordnung vorgelegen habe und eigenverantwortliche Mehrarbeit keinen finanziellen Ausgleichsanspruch begrĂŒnde. Zuvor hatte das Oberverwaltungsgericht LĂŒneburg dem Rektor aus Hannover noch 31.435,59 Euro fĂŒr strukturelle Mehrarbeit zugesprochen.

Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts betrifft rund 160.000 LehrkrĂ€fte. Dass ArbeitsĂŒberlastung im Schulbereich weit verbreitet ist, belegt unter anderem eine Untersuchung aus Sachsen, wonach rund 50 Prozent der LehrkrĂ€fte acht Stunden unbezahlte Mehrarbeit pro Woche leisten und etwa 17 Prozent der Schulleitungen auf mehr als 48 Wochenstunden kommen.

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