ARC-Score, Stanford-Modell

ARC-Score: Stanford-Modell erkennt Alzheimer-Risiko bis zu zwölf Jahre frĂŒher

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 10:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein experimenteller Hirnnetzwerk-Score verknĂŒpft fMRT-Muster mit spĂ€terem kognitivem Abbau, ist aber noch kein klinisches Diagnoseverfahren.
Ein minimalistischer, heller medizinischer Laborraum mit neutralen Farben und natĂŒrlichem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

VerÀnderungen im Gehirn beginnen oft lange bevor sich erste klinische Symptome einer Demenzerkrankung im Alltag bemerkbar machen. Eine am 4. November 2026 im Fachjournal Science Advances veröffentlichte Untersuchung von Stanford Medicine verdeutlicht, wie bildgebende Verfahren funktionelle Netzwerke im Ruhestand erfassen können.

Anhand funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) entwickelten die Forschenden den sogenannten ARC-Score (Alzheimer’s resilience-vulnerability connectome), der das Risiko einer spĂ€teren Erkrankung bis zu zwölf Jahre vor dem Auftreten erster kognitiver AusfĂ€lle abbilden kann.

Funktionelle KonnektivitÀt und der ARC-Score

Grundlage des an der Stanford University entwickelten Modells ist der Vergleich neuronaler Vernetzungsmuster: Das Forschungsteam analysierte Daten von 180 sogenannten Superagers – Personen ab 75 Jahren, deren GedĂ€chtnisleistung ĂŒber dem Durchschnitt von unter 65-JĂ€hrigen liegt – sowie von 110 diagnostizierten Alzheimer-Patienten.

Der Score bewertet die funktionelle KonnektivitÀt zwischen dem prÀfrontalen Kortex, dem temporalen Kortex und der Insula. Ein niedriger Wert signalisiert ein Netzwerk, das jenem der Superager Àhnelt, wÀhrend ein hoher Wert dem Muster von Alzheimer-Patienten gleicht.

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Im Entdeckungsdatensatz mit 290 Teilnehmenden erzielte der ARC-Score einen AUC-Wert von 0,85 bei einer Genauigkeit von 0,80; im Replikationsdatensatz mit 143 Personen lag der AUC-Wert bei 0,72. Bei der Anwendung auf ĂŒber 1.300 kognitiv unauffĂ€llige Erwachsene im Alter von 55 bis 70 Jahren – basierend auf Daten der Kohorten OASIS, Harvard Aging Brain Study und ADNI mit einer Nachbeobachtung von meist fĂŒnf bis sechs und maximal zwölf Jahren – zeigte sich, dass Alzheimer-Ă€hnliche Muster mit einem rascheren Nachlassen von GedĂ€chtnis, Aufmerksamkeit und exekutiven Funktionen einhergingen.

Zudem korrelierten sie mit einer verstĂ€rkten Ablagerung von Beta-Amyloid und einer höheren Wahrscheinlichkeit fĂŒr die spĂ€tere Diagnose einer leichten kognitiven BeeintrĂ€chtigung oder von Alzheimer.

Laut Kanhao Zhao von der Stanford University ermöglicht das Verfahren eine vergleichbare oder prĂ€zisere und vor allem frĂŒhere RisikoeinschĂ€tzung als bisherige Parameter. Yu Zhang hob dabei hervor, dass im Fokus stehe, welche Hirnregionen sich wie verĂ€ndern. Bislang handelt es sich beim ARC-Score jedoch um ein experimentelles Verfahren und noch um kein klinisches Diagnosewerkzeug; weitere Untersuchungen sind erforderlich.

ErgĂ€nzende Verfahren ĂŒber Gehirnwellen und Schlafmerkmale

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Neben der funktionellen Bildgebung untersuchen Forschungsteams vereinfachte Verfahren zur Erfassung der HirnaktivitĂ€t. Forschende der UniversitĂ€ten Bristol und Bath stellten mit „Fastball EEG“ einen dreiminĂŒtigen passiven Test vor, bei dem die HirnaktivitĂ€t wĂ€hrend der Betrachtung von Bildern aufgezeichnet wird, um GedĂ€chtnisprobleme bei leichter kognitiver BeeintrĂ€chtigung festzustellen.

Der Test kann auch im hĂ€uslichen Umfeld durchgefĂŒhrt werden. Dr. George Stothart von der UniversitĂ€t Bath wies darauf hin, dass mit bestehenden Instrumenten oft die ersten zehn bis 20 Jahre der Erkrankungsentwicklung ungenutzt verstreichen. Dies gewinne durch Medikamente wie Donanemab und Lecanemab an Bedeutung, die vor allem in frĂŒhen Krankheitsstadien wirken.

Ein weiterer Ansatz aus den USA, veröffentlicht in JAMA Network Open von Teams der University of California San Francisco und des Beth Israel Deaconess Medical Center, nutzt Schlaf-Elektroenzephalografie.

Ein Modell ermittelt anhand von 13 Mikro-Merkmalen das biologische Gehirnalter. Aus den Daten von rund 7.000 Teilnehmenden ergab sich, dass pro zehn Jahre Differenz zwischen geschÀtztem und chronologischem Hirnalter das spÀtere Demenzrisiko um fast 40 Prozent anstieg.

VielfĂ€ltige AnsĂ€tze der FrĂŒherkennung

Auch andere Fachdisziplinen prĂŒfen frĂŒhe Indikatoren. An der Universidad de Alicante entwickelte die Gruppe Lucentia zusammen mit Isabial und dem Neurologen Ángel PĂ©rez Sempere eine auf Sprachaufnahmen basierende KI-Analyse. In ersten Tests mit 184 nicht diagnostizierten und 39 diagnostizierten Probanden erreichte das System eine experimentelle Klassifikationsgenauigkeit von 98 Prozent bei Stimmmerkmalen.

Forschende der finnischen UniversitĂ€ten Oulu und Ostfinnland stellten im Journal Alzheimer’s & Dementia fest, dass Hörstörungen bei frĂŒh auftretendem Alzheimer bis zu 15 Jahre vor der Diagnose ein statistisches FrĂŒhsignal darstellen können. Diese vielschichtigen Befunde unterstreichen den wissenschaftlichen Trend, funktionelle Biomarker kĂŒnftig frĂŒhzeitig und kombiniert einzusetzen.

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