Arthrose weltweit: 595 Millionen Menschen betroffen, bis 2050 mehr erwartet
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Einsatz digitaler Technologien und robotergestützter Assistenzsysteme gewinnt in der orthopädischen Chirurgie zunehmend an Bedeutung. Am Christlichen Klinikum Unna kommt beim Einsetzen von Knieprothesen bereits seit 2023 das roboterassistierte Operationssystem Mako zum Einsatz, das seit 2026 zusätzlich um eine Lasernavigation ergänzt wird.
Die dortige Klinik für Orthopädie besteht seit 2006 und fungiert als Westfälisches Gelenk- und Endoprothesenzentrum, an dem jährlich über 1000 Knie- und Hüftprothesen implantiert werden.
Zum zwanzigjährigen Bestehen der Fachklinik veranstaltet das Haus am Donnerstag, den 12. November 2026, von 16 bis 18 Uhr einen kostenfreien Patienten-Tag im Kinorama Unna, bei dem Chefarzt Dr. Matthias Pothmann ohne vorherige Anmeldung referiert.
Präzisionsinstrumente und klinische Einsatzmodelle
Roboterassistierte Verfahren kommen vor allem bei schwerer Knie-Arthrose zum Tragen, wenn nichtoperative Behandlungen ausgeschöpft sind. Das Risiko für entsprechenden Gelenkverschleiß steigt ab einem Alter von 50 Jahren; Frauen sind häufiger betroffen, während Übergewicht sowie Fehlstellungen der Beine wie Genu varum oder Genu valgum die Belastung verstärken.
Bei fortgeschrittenem Verschleiß im Stadium vier nach Kellgren-Lawrence ist ein vollständiger Kniegelenkersatz indiziert. Moderne Robotiksysteme erstellen vor und während des Eingriffs ein dreidimensionales Abbild der Knieanatomie.
Auf dieser Grundlage lassen sich Implantatgröße und Positionierung präzise abstimmen, während das OP-Team die volle Kontrolle über den Schnitt behält. Abhängig von der individuellen klinischen Bewertung können Patienten in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach dem Eingriff erste Gehübungen aufnehmen.
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Vergleichbare technische Ansätze etablieren sich auch an weiteren Standorten. Am SRH Klinikum Sigmaringen, an dem jährlich zwischen 350 und 400 Knie-Eingriffe vorgenommen werden, unterstützt das Robotersystem Rosa des Herstellers Zimmer Biomet das orthopädische Team. Das Gerät ist geleast und vertraglich an Prothesen des US-Unternehmens gebunden.
Nach Angaben der Klinik ermöglicht das System eine individuellere Passform, geringere postoperative Schmerzen und senkt die Strahlenexposition um 70 Prozent, da keine Computertomographie erforderlich ist. Den Vorgänger Da Vinci hatte der Landkreis dort 2024 mit 2,4 Millionen Euro finanziert. Chefarzt Matthias Baumann stellte klar, dass letztlich weiterhin das Ärzteteam selbst operiere.
Auch international findet die Technologie Verbreitung: Die Klinik Toulouse-Lautrec im französischen Albi erwarb im Oktober 2026 nach einer Erprobungsphase seit Juni 2026 offiziell das Rosa-Knee-System als ersten derartigen OP-Assistenten im Département Tarn, nachdem das Haus im Frühjahr 2026 bereits ein neues MRT erhalten hatte.
Aufklärung, Begleitforschung und perioperative Verfahren
Über die Möglichkeiten computergestützter Eingriffe informiert auch das Krankenhaus Maria Hilf in Bad Neuenahr-Ahrweiler, das als eines von 13 Endoprothetikzentren der Maximalversorgung in Rheinland-Pfalz zertifiziert ist. Für Dienstag, den 20. Oktober 2026, kündigte das Haus einen kostenfreien Informationsabend an, an dem Chefarzt Prof. Dr. Jan Schmolders über Implantatwahl, Künstliche Intelligenz, Robotik und Navigation spricht.
Neben dem operativen Gelenkersatz rücken regenerative Ansätze in den Fokus: Die Therapie mit autologem conditionierten Plasma (ACP bzw. PRP) wird verstärkt diskutiert. Weltweit sind 595 Millionen Menschen von Arthrose betroffen, bis 2050 voraussichtlich 11 Prozent der Weltbevölkerung, darunter in Deutschland etwa fünf Millionen Betroffene.
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Im Plasma sind über 1.100 Proteine nachgewiesen. Eine Meta-Analyse mit knapp 2.000 Patientendaten zeigte unter ACP signifikante Verbesserungen von Schmerz und Funktion gegenüber Placebo. Das Verfahren ist in der deutschen S3-Leitlinie Gonarthrose aufgeführt und erhielt eine Empfehlung der britischen NICE-Behörde.
Zusätzlich ergänzen spezialisierte Überwachungssysteme den Ablauf im Operationssaal: Das Unternehmen Senzime führte mit EMGINE Aurora eine neue Software für das TetraGraph-System ein.
Vorstandschef Philip Siberg erläuterte, dass prädiktive Algorithmen die Erholung nach der Gabe muskelentspannender Medikamente besser einschätzbar machen und Operationen planbarer abschließen sollen. Auf einem US-Kongress vom 16. bis 20. Oktober wird zudem die Analyseplattform Tetraanalytics 2.0 präsentiert.
