Arzneimittelforschung, Studienberichte

Arzneimittelforschung: KI verkürzt Studienberichte von 10 Wochen auf 10 Minuten

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 19:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Novo Nordisk bindet Anthropic-Modelle in Forschung und Softwareentwicklung ein und verkürzt interne Berichtprozesse teils von Wochen auf Minuten.

Novo Nordisk und Anthropic vertiefen KI-Allianz für Arzneiforschung
Ein steriles, modernes Labor mit gläsernen Apparaturen und technischer Ausrüstung in hellem, natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die pharmazeutische Industrie setzt bei der Entdeckung und Zulassung neuer Wirkstoffe verstärkt auf algorithmische Unterstützung. Eine Kooperation zwischen dem dänischen Gesundheitskonzern Novo Nordisk und dem US-amerikanischen KI-Entwickler Anthropic verdeutlicht, wie generative Sprach- und Analysemodelle tief in bestehende Forschungsstrukturen integriert werden sollen. Im Zentrum der Partnerschaft steht das Ziel, Entwicklungszeiten für Arzneimittel durch den Einsatz spezialisierter Modelle spürbar zu verkürzen.

Integration von Claude Science in die Wirkstoffentwicklung

Die Zusammenarbeit sieht vor, das Modell Claude Science in ausgewählten Prozessen der pharmazeutischen Forschung und Entwicklung von Novo Nordisk einzusetzen. Zudem sollen Modelle von Anthropic die interne, KI-gestützte Softwareentwicklung des Unternehmens unterstützen.

Um regulatorischen und ethischen Anforderungen im medizinischen Sektor zu entsprechen, wird der Einsatz der Systeme von verbindlichen Richtlinien zur Daten-Governance und fortlaufender menschlicher Aufsicht begleitet.

Novo-Nordisk-Chef Mike Doustdar betonte, dass die Kooperation die eigene Forschungs- und Entwicklungsorganisation gezielt stärke. Ziel des Konzerns sei es, sich zum weltweit führenden KI-gesteuerten Gesundheitsunternehmen zu entwickeln.

Seitens des Technologiepartners hob Anthropic-Chef Dario Amodei das Beschleunigungspotenzial der Technologie hervor: Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz könnten ein ganzes Jahrhundert biologischer und medizinischer Durchbrüche in einem einzigen Jahrzehnt verdichten.

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Bisherige Erfahrungen und messbare Effizienzgewinne

Die Kooperation baut auf bestehenden Werkzeugen und technologischen Grundlagen auf. Anthropic hatte Claude Science am 30. Juni 2026 als öffentliche Beta-Version vorgestellt. Die Anwendung greift auf das NVIDIA BioNeMo Agent Toolkit zurück und bindet mehr als 60 wissenschaftliche Datenbanken an, um komplexe Fachinformationen automatisiert zu strukturieren.

Novo Nordisk setzt intern bereits auf das System NovoScribe, das auf Claude Code basiert und über Amazon Bedrock sowie MongoDB Atlas betrieben wird. Die bisherigen Erfahrungen mit diesem Automatisierungswerkzeug zeigen deutliche Effizienzsteigerungen bei administrativen und regulatorischen Prozessen: Die Bearbeitungszeit für klinische Studienberichte sank von zuvor über zehn Wochen auf zehn Minuten.

Zudem konnte die Schreibzeit um 90 Prozent verkürzt werden, während der Ressourcenaufwand für die Erstellung von Protokollen zur Geräteverifikation um 95 Prozent zurückging.

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Breite Verankerung in der KI-Infrastruktur

Der Ausbau der Partnerschaft mit Anthropic ist Teil einer langfristig angelegten Digitalisierungsstrategie. Novo Nordisk setzt dabei nicht auf einen einzelnen Technologieanbieter, sondern verfolgt einen diversifizierten Ansatz.

So besteht seit April 2026 eine Vereinbarung über die Nutzung des Modells GPT-Rosalind von OpenAI. Anthropic wiederum hatte seine Präsenz in der Pharmabranche bereits im Mai 2026 durch eine Partnerschaft mit dem US-Konzern Bristol Myers Squibb erweitert.

Auch auf Ebene der Recheninfrastruktur wurden frühzeitig Grundlagen geschaffen. Bereits im Jahr 2024 gründete die Novo-Nordisk-Stiftung gemeinsam mit dem Technologiekonzern Nvidia und dem dänischen Export- und Investitionsfonds EIFO das Danish Centre for AI Innovation. Dieses betreibt den Supercomputer Gefion, der seither Kapazitäten für komplexe Rechenoperationen in der dänischen Life-Science-Forschung bereitstellt.

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