Arzneimittelversorgung, Medikamente

Arzneimittelversorgung: 1.300 Medikamente in Österreich lieferkritisch

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 06:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

1.300 Arzneimittel gelten als lieferkritisch. Österreich setzt auf Wirkstoffreserven, Großhandelslogistik und ein digitales Portal für Apothekentests.

Österreich reagiert auf Arzneimittelengpässe mit Maßnahmen und neuem Portal
Leere, industrielle Lagerregale in einer sauberen Halle mit einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Nach der europaweiten Medikamentenversorgungskrise im vergangenen Winter hat die österreichische Bundesregierung ein Bündel kurzfristiger Maßnahmen zur Sicherung der Arzneimittelversorgung ergriffen. Dazu zählen Wirkstofflager, Unterstützungsbeiträge für günstige Medikamente, längere Verkaufsfristen und erleichterte Importe aus dem Europäischen Wirtschaftsraum.

Ein Wirkstofflager für Antibiotika und Erkältungsmittel wurde bereits eingerichtet. Mittelfristig soll die Pharmaindustrie kritische Arzneimittel wie Schmerzmittel, Antibiotika und Präparate für chronische Erkrankungen bevorraten – vorausgesetzt, die Europäische Kommission genehmigt das Vorhaben.

Großhandel als kritische Infrastruktur

Der österreichische Arzneimittel-Vollgroßhandel gilt als Teil der kritischen Infrastruktur des Landes. Fünf Großhändler des Verbands PHAGO lagern Medikamente an 23 Standorten und beliefern Apotheken mehrmals täglich. Trotz dieser engmaschigen Logistik bleibt die Lage angespannt: Hersteller meldeten aktuell 1.300 Arzneimittel als lieferkritisch.

Laut PHAGO sind über 40 Prozent der Antidiabetika sowie jeweils jedes vierte Schlaf- und Beruhigungsmittel und Psychose-Arzneimittel betroffen, dazu kommen Engpässe bei Augentropfen. Um Versorgungslücken abzufedern, setzen die Großhändler auf Sicherheitsbestände, Zuteilungsmanagement und angepasste Logistikprozesse.

Gürtelrose-Impfstoff bleibt Problemfall

Wie unzuverlässig die Versorgung bei einzelnen Präparaten sein kann, zeigt das Beispiel des Gürtelrose-Impfstoffs. Laut der Kärntner Ärztekammer ist er seit einem Jahr immer wieder nur eingeschränkt verfügbar, aktuell fehlt er erneut in vielen Ordinationen.

Die zweite Dosis wird üblicherweise im Abstand von zwei bis sechs Monaten verabreicht. Impfreferent Martin Rupitz stellte jedoch klar, dass eine verspätete Gabe nach einem Jahr keinen Neustart der Impfserie erfordert – Betroffene müssen also nicht von vorne beginnen, auch wenn sich der zweite Termin deutlich verzögert.

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Wie stark die Nachfrage trotz der Engpässe ist, zeigen Zahlen des Dashboards impfdaten.at: Seit dem 1. November 2025 erhielten bis zum Stichtag 21. September 2026 insgesamt 27.002 Personen die erste und 19.423 die zweite Dosis. Wer den Impfstoff selbst zahlen möchte, zahlt in Apotheken derzeit rund 250 Euro – allerdings ist die Impfung dort aktuell noch nicht möglich. Apothekenimpfungen sind erst ab dem 1. Jänner 2027 vorgesehen.

Neues Portal soll Testangebote bündeln

Parallel zu den Maßnahmen gegen Lieferengpässe hat die Österreichische Apothekerkammer ein digitales Dienstleistungsportal namens „Sicher versorgt“ gestartet. Über die seit 22. September 2026 online verfügbare Plattform können Kundinnen und Kunden Point-of-care-Tests in teilnehmenden Apotheken buchen. Der Ablauf umfasst Terminbuchung, Check-in vor Ort sowie die signierte Übermittlung der Testergebnisse per E-Mail oder SMS-Link.

Allerdings bestimmen die teilnehmenden Apotheken selbst, welche Termine im System angezeigt werden. Laut einem Bericht von PharmaNow gestaltet sich die Suche nach einer bestimmten Testung zum Start des Portals noch umständlich. Die Apothekerkammer kündigte an, das Angebot anhand von Rückmeldungen aus der Praxis weiterzuentwickeln.

Ein System unter Dauerdruck

Die verschiedenen Initiativen – von staatlichen Wirkstofflagern über die Logistikanstrengungen des Großhandels bis zum neuen digitalen Testportal der Apothekerkammer – zeigen, dass Österreichs Gesundheitssystem an mehreren Fronten gleichzeitig auf die anhaltenden Lieferengpässe reagiert.

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Ob die geplante Bevorratungspflicht für die Pharmaindustrie tatsächlich umgesetzt wird, hängt jedoch von der Zustimmung der Europäischen Kommission ab. Bis dahin bleiben Großhändler, Apotheken und Ordinationen darauf angewiesen, punktuelle Engpässe mit den vorhandenen Mitteln zu überbrücken.

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