Arzneimittelversorgung, Apotheken

Arzneimittelversorgung: Österreich hat nur halb so viele Apotheken wie EU-Schnitt

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 05:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Ärztekammer will ärztliche Medikamentenabgabe ausweiten, während Apothekerkammer und Verband die bestehende Apothekenstruktur verteidigen.

Österreichs Arzneiversorgung: Streit um ärztliche Hausapotheken
Ein minimalistischer Apothekentresen in einer ländlichen Arztpraxis mit ordentlich sortierten Medikamentenschubladen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine Studie im Auftrag der Österreichischen Ärztekammer entfacht eine Debatte über die künftige Struktur der Arzneimittelversorgung im Land. Die Standesvertretung der Mediziner fordert einen Ausbau ärztlicher Hausapotheken beziehungsweise ein allgemeines Dispensierrecht für Ärzte – und stößt damit auf entschiedenen Widerstand von Apothekerkammer und Apothekerverband.

Die Argumentation der Ärztekammer

Die Ärztekammer stützt ihre Forderung auf eine Studie, die im Sommer präsentiert wurde. Demnach liegt die Apothekendichte in Österreich bei 16 pro 100.000 Einwohner – deutlich unter dem EU-Schnitt von 31. Aktuell gibt es im Land 807 Hausapotheken.

Aus Sicht der Ärztekammer könnte ein Ausbau dieser ärztlichen Abgabestellen Kassenstellen am Land attraktiver machen und so einer drohenden Versorgungslücke bis 2035 entgegenwirken. Die Studie sieht zudem Potenzial für eine sogenannte Landarztquote sowie einen zusätzlichen Zuverdienst für Allgemeinmediziner durch den Betrieb von Hausapotheken.

Neben versorgungspolitischen Argumenten führt die Kammer auch ökonomische und ökologische Effekte ins Feld: Ein Ausbau könnte demnach volkswirtschaftliche Kosten von 160 Millionen Euro jährlich einsparen.

Bei der CO2-Bilanz liegen die Angaben je nach Quelle unterschiedlich – von 300.000 Tonnen bis 30.000 Tonnen jährlicher Einsparung ist die Rede. ÖÄK-Präsident Steinhart verwies zudem auf aus seiner Sicht unzumutbare Wege, die Patienten in unterversorgten Regionen zurücklegen müssten, um an ihre Medikamente zu kommen.

Scharfe Kritik der Apothekerkammer

Die Österreichische Apothekerkammer weist die Forderung entschieden zurück. Ihre Vizepräsidenten Podroschko und Kobinger bezeichneten den Vorstoß der Ärztekammer als fahrlässig. Aus Sicht der Apothekerkammer würde ein Ausbau ärztlicher Notabgabestellen die wirtschaftliche Basis der 1.470 öffentlichen Apotheken im Land gefährden und damit die Versorgungssicherheit insgesamt untergraben.

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Zur Einordnung verweist die Apothekerkammer auf europäische Vergleichszahlen: Von rund 1.700 sogenannten dispensierenden Ärzten in der gesamten EU sitzen bereits 850 in Österreich – das Land habe also bereits einen überproportional hohen Anteil an Ärzten mit Arzneimittelabgabe. Die bestehende Struktur aus 1.470 öffentlichen Apotheken habe sich bewährt.

Der Apothekerverband: Zahlen zur Versorgungsleistung

Auch der Österreichische Apothekerverband positionierte sich gegen die Ärztekammer-Forderung und legte detaillierte Vergleichszahlen vor. Öffentliche Apotheken haben demnach im Schnitt 50 Stunden pro Woche geöffnet, während ärztliche Abgabestellen im Schnitt nur 20 Stunden erreichen. 95 Prozent der Bevölkerung könnten eine Apotheke in weniger als 10 Minuten erreichen.

Öffentliche Apotheken würden zudem rund 6.000 Präparate vorrätig halten und jährlich 3 Millionen individuelle Zubereitungen anfertigen – ärztliche Abgabestellen kämen dagegen nur auf 400 bis 500 Präparate.

Statt eines Ausbaus ärztlicher Dispensierrechte fordert der Verband eine stärkere Einbindung der Apotheken in die Gesundheitsversorgung insgesamt. Als Beispiele nannte er Impfungen, Gesundheitstests und erweiterte Beratungsangebote in den Apotheken selbst.

Zwei Modelle, ein ungelöster Konflikt

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Der Schlagabtausch zeigt zwei grundsätzlich verschiedene Lösungsansätze für dieselbe Herausforderung: die ärztliche und pharmazeutische Versorgung insbesondere ländlicher Regionen angesichts eines absehbaren Ärztemangels zu sichern.

Während die Ärztekammer im Ausbau ärztlicher Hausapotheken einen Hebel sieht, um Landarztstellen attraktiver zu machen, plädieren Apothekerkammer und Apothekerverband für den Erhalt und Ausbau der bestehenden Apothekenstruktur mit erweiterten Dienstleistungen. Eine politische Entscheidung über den weiteren Kurs steht bislang aus.

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