Ashwagandha-Skandal, Tagesdosen

Ashwagandha-Skandal: 6.000 mg Tagesdosen und 12 Leberschäden

30.05.2026 - 09:39:16 | boerse-global.de

Ingwer wird zur Arzneipflanze 2026 gekürt, während Ashwagandha-Präparate wegen Leberschäden in die Kritik geraten.

Ashwagandha-Skandal: 6.000 mg Tagesdosen und 12 Leberschäden - Foto: über boerse-global.de
Ashwagandha-Skandal: 6.000 mg Tagesdosen und 12 Leberschäden - Foto: über boerse-global.de

Die Auszeichnung des Ingwers (Zingiber officinalis) als Arzneipflanze des Jahres 2026 unterstreicht den wachsenden Stellenwert traditioneller pflanzlicher Heilmittel in der modernen Medizin. Grundlage der Entscheidung ist die Einstufung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), die Ingwer als gut etabliertes Arzneimittel zur Vorbeugung von Reisekrankheit anerkennt.

Von der Reiseapotheke zum Allround-Talent

Doch Ingwer kann mehr als nur Übelkeit lindern. Die pharmakologische Bewertung zeigt ein breites therapeutisches Spektrum: Die Knolle hilft bei vorübergehendem Appetitverlust, lindert Erkältungssymptome und wird zunehmend bei leichten Gelenkschmerzen eingesetzt. Das macht sie zu einem vielseitigen Mittel gegen entzündliche Beschwerden.

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Die Forschung zu pflanzlichen Wirkstoffen schreitet indes rasant voran. Eine Studie der Universität Pisa, veröffentlicht im Fachjournal Nutrients, untersuchte die Wirkung eines Präparats mit GABA und Melisse auf Patienten mit Reizdarmsyndrom (IBS-D). Das Ergebnis: 66,7 Prozent der Patienten berichteten über eine Besserung der Symptome – in der Placebogruppe waren es nur 33,3 Prozent. Die Verbesserung wurde auf die Modulation der Darmbarriere und des Immunsystems zurückgeführt, nicht auf Veränderungen der Darmflora.

Schattenseiten des Kräuterbooms

Während Ingwer hohe regulatorische Hürden nimmt, geraten andere pflanzliche Produkte zunehmend in die Kritik. Eine Marktkontrolle in Nordrhein-Westfalen im April 2026 deckte erhebliche Mängel bei Ashwagandha-Präparaten auf. Die Forscher fanden Tagesdosen von bis zu 6.000 Milligramm – das Doppelte des in Nachbarländern üblichen Grenzwerts. Die Konzentration der Wirkstoffe (Withanolide) lag teils 15-mal höher als erwartet.

Verschärft wird die Lage durch Meldungen aus den Niederlanden: Ende Mai 2026 wurden dort zwölf Fälle von Leberschäden im Zusammenhang mit Ashwagandha bekannt. Da in Deutschland keine verbindlichen Höchstdosierungen existieren, rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vom Verzehr solcher Präparate ab. Der Fall zeigt: Die strenge EMA-Klassifizierung etablierter Arzneipflanzen wie Ingwer ist kein bürokratisches Hindernis, sondern ein wichtiger Schutzmechanismus.

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Historische Funde und neue Diagnosen

Die Nutzung pflanzlicher Substanzen hat eine lange Tradition – das belegen archäologische Funde aus China. Ein Forscherteam um Professor Congcang Zhao wies auf chirurgischen Instrumenten aus der Ming-Dynastie (1368–1644) Spuren von Aconitin nach, einem starken Nervengift aus dem Eisenhut. Es ist der erste direkte chemische Beleg für den kontrollierten Einsatz pflanzlicher Betäubungsmittel auf historischen medizinischen Geräten.

Auch in der modernen Klinik gibt es Bewegung: Am 12. Mai 2026 benannte ein internationales Expertenteam das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) in Polyendokrines Metabolisch-Ovarielles Syndrom (PMOS) um. Die im Lancet veröffentlichte Neubezeichnung lenkt den Fokus auf den systemischen Stoffwechselcharakter der Erkrankung, von der weltweit rund 170 Millionen Frauen betroffen sind. Seit Januar 2026 gilt Letrozol als neue Standardtherapie bei unerfülltem Kinderwunsch, und das Screening wird nun bereits ab dem zehnten Lebensjahr empfohlen.

Von Salmonellen bis Riesenbärenklau

Die pflanzliche Welt birgt aber auch Risiken. Ende Mai 2026 rief die Handelskette Lidl einen getrockneten Rosmarin zurück – Grund war der Nachweis von Salmonellen. Parallel dazu breitet sich in Norddeutschland der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) aus. Der Pflanzensaft kann in Verbindung mit Sonnenlicht schwere Hautverbrennungen und Atembeschwerden auslösen. Die Behörden haben die Beseitigung der invasiven Art entlang von Flussufern und in öffentlichen Anlagen verstärkt.

Die Entwicklungen des Jahres 2026 – von der Ehrung des Ingwers bis zur Bekämpfung giftiger Neophyten – zeigen: Die moderne Medizin entdeckt das Pflanzenreich neu. Mit wissenschaftlicher Strenge, aber auch mit dem nötigen Respekt vor seiner Macht.

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