Ashwagandha-Skandal, Leberschäden

Ashwagandha-Skandal: Zwölf Leberschäden und 15-fache Grenzwertüberschreitung

01.06.2026 - 19:48:17 | boerse-global.de

Der Markt für Gewichtsmanagement wächst rasant, während Verbraucherschützer vor unregulierten Nahrungsergänzungsmitteln und irreführenden Gesundheitsversprechen warnen.

Ashwagandha-Skandal: Zwölf Leberschäden und 15-fache Grenzwertüberschreitung - Bild: über boerse-global.de
Ashwagandha-Skandal: Zwölf Leberschäden und 15-fache Grenzwertüberschreitung - Bild: über boerse-global.de

Während verschreibungspflichtige Medikamente wie Wegovy und Mounjaro die medizinische Therapie dominieren, drängen ständig neue Nahrungsergänzungsmittel und funktionelle Lebensmittel auf den Markt. Das Spannungsfeld zwischen wissenschaftlich fundierten Ansätzen und regulatorischen Lücken wird immer deutlicher.

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Neue Produkte zwischen Wissenschaft und Marketing

Hersteller erweitern ihr Portfolio um Substanzen, die den Stoffwechsel oder das Mikrobiom adressieren. Anfang Juni 2026 brachte der Anbieter Purabyo ein Bio-Grüntee-Extrakt-Präparat auf den Markt. Es kombiniert pro Tagesdosis 600 mg Extrakt mit 150 mg Polyphenolen und Vitamin C aus Bio-Acerola. Das in Deutschland abgefüllte Produkt setzt auf wasserbasierte Extraktion und laborgeprüfte Reinheit.

Der japanische Hersteller Ezaki Glico stellte einen Joghurt mit zehn Milliarden Bifidobakterien vor. Das als funktionelles Lebensmittel deklarierte Produkt soll den Energieverbrauch im Ruhezustand erhöhen und die Reduktion von Körperfett unterstützen. Die Preise für stoffwechselaktivierende Kapselpräparate wie jene von Enolenia liegen Ende Mai 2026 zwischen knapp 30 und 35 Euro.

Experten warnen vor Gesundheitsrisiken

Trotz der hohen Nachfrage schlagen Verbraucherschützer Alarm. Ein Bericht Ende Mai 2026 thematisierte schwere Nebenwirkungen von Ashwagandha – in den Niederlanden wurden zwölf Fälle von Leberschäden bekannt. Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen vom April 2026 verdeutlichte das Ausmaß der mangelnden Regulierung: Geprüfte Produkte enthielten teilweise bis zu 6.000 mg Ashwagandha, was der doppelten polnischen Höchstmenge entspricht. Die Grenzwerte für Withanolide wurden um das 15-fache überschritten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät von der Einnahme ab.

Auch für L-Arginin fehlt eine ausreichende wissenschaftliche Studienlage zur Gewichtsreduktion. Die semi-essentielle Aminosäure birgt Risiken wie Magen-Darm-Beschwerden oder eine unerwünschte Senkung des Blutdrucks. Mediziner empfehlen dringend eine ärztliche Rücksprache vor der Einnahme.

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Lebensmittelindustrie entdeckt GLP-1 für sich

Der Erfolg von verschreibungspflichtigen Medikamenten wie Wegovy (Semaglutid) und Mounjaro (Tirzepatid) beeinflusst zunehmend die Lebensmittelindustrie. Große Konzerne wie Nestlé oder Conagra kennzeichnen Produkte verstärkt mit „GLP-1 friendly“. Fachleute kritisieren diesen Trend als reines Marketinginstrument ohne wissenschaftliche Definition oder regulatorische Grundlage. Ein solcher „Halo-Effekt“ könne den Missbrauch fördern – zumal eine Zulassung für derartige Werbeversprechen in der EU derzeit als unwahrscheinlich gilt.

Während die Branche nach passenden Nischen sucht, schreitet die medizinische Forschung voran. Vom 5. bis 8. Juni 2026 werden auf einem Fachkongress neue Phase-II-Daten von Roche zu den Wirkstoffen Enicepatid und Petrelintid erwartet. Enicepatid fungiert als GLP-1/GIP-Agonist, Petrelintid wird als Amylin-Analogon entwickelt. Beide Substanzen sollen ab Mitte 2026 in Phase-III-Studien sowie in Kombinationstests weiter untersucht werden.

Erstattung und neue Darreichungsformen

Die Integration der hochwirksamen Therapien in die Gesundheitssysteme schreitet voran. In Frankreich ist ab dem 15. Juni 2026 eine Erstattung von Wegovy und Mounjaro in Höhe von 65 Prozent für Patienten mit schwerer Adipositas vorgesehen. Die Verordnung bleibt auf spezialisierte Zentren beschränkt. Die Vereinigten Arabischen Emirate ließen als zweites Land weltweit eine orale Variante von Semaglutid zur langfristigen Gewichtskontrolle zu.

Gleichzeitig bleibt die Bedeutung langfristiger Verhaltensänderungen bestehen. Supplement-Routinen mit Kreatin oder Probiotika können lediglich unterstützende Elemente in einem Gesamtkonzept aus Bewegung und dauerhaften Lebensstiländerungen darstellen.

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