Aspirin-Studie: 70% Risikoreduktion bei genetischem Profil
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 00:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der Forschung zu neurodegenerativen Erkrankungen gewinnen personalisierte AnsĂ€tze zunehmend an Bedeutung. Eine im Fachjournal Alzheimer's & Dementia veröffentlichte Analyse der australischen Monash University liefert neue Hinweise darauf, dass die Wirkung von niedrig dosiertem Aspirin auf das Demenzrisiko eng an genetische Faktoren gekoppelt sein könnte. Die Untersuchung basiert auf genetischen Daten von ĂŒber 13.500 Teilnehmenden der groĂ angelegten ASPREE-Studie.
Demnach zeigte sich bei Personen, die zu den oberen 20 Prozent eines genetischen BlutplÀttchen-Scores zÀhlten, ein deutlicher Unterschied: In dieser Gruppe entwickelten unter der tÀglichen Einnahme von Aspirin lediglich 1 Prozent der Teilnehmenden eine Demenz, verglichen mit 3,3 Prozent in der Placebogruppe. Dies entspricht einer Verringerung des relativen Risikos um rund 70 Prozent und einem absoluten Unterschied von etwa 2,3 Prozentpunkten. Die Assoziation stand nicht im Zusammenhang mit bekannten Alzheimer-Risikogenen, sondern bezog sich spezifisch auf die Biologie der BlutplÀttchen.
Erhöhtes Blutungsrisiko dÀmpft therapeutische Erwartungen
Trotz der beobachteten Risikoreduktion sehen die Forscher der Monash University in den Ergebnissen keine Grundlage fĂŒr eine allgemeine PrĂ€ventionsempfehlung. Im selben genetischen Profil traten unter Aspirin bei 4,4 Prozent der Behandelten schwere Blutungen auf, wĂ€hrend dieser Wert unter Placebo bei 2,1 Prozent lag. Das Risiko fĂŒr solche Komplikationen verdoppelte sich damit annĂ€hernd.
Die Ergebnisse mĂŒssen nach Angaben des Forschungsteams zunĂ€chst in weiteren Populationen bestĂ€tigt und in gezielten klinischen Studien ĂŒberprĂŒft werden. Bei Teilnehmenden ohne dieses spezifische genetische Profil konnte kein Schutzeffekt festgestellt werden. Da es sich um eine Beobachtungsanalyse handelte, bei der die Einnahme nicht im Versuchsaufbau kontrolliert wurde, lĂ€sst sich kein direkter Kausalzusammenhang ableiten.
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Die Skepsis deckt sich mit frĂŒheren Erkenntnissen aus der primĂ€ren, randomisierten ASPREE-Studie mit 19.114 Teilnehmenden. Ăber eine durchschnittliche Nachbeobachtungszeit von 4,7 Jahren und bei einer Dosis von 100 mg Aspirin tĂ€glich hatte sich kein Unterschied beim Auftreten von Demenz gezeigt (575 bestĂ€tigte FĂ€lle, davon 41 Prozent mit wahrscheinlicher Alzheimer-Krankheit).
Zugleich stiegen schwere Blutungen von 2,7 Prozent unter Placebo auf 3,8 Prozent unter Aspirin. Auch die ASCEND-Studie mit mehr als 15.000 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes fand keinen schĂŒtzenden Effekt von Aspirin auf den kognitiven Abbau.
US-Leitlinien aus dem Jahr 2019 empfehlen den Wirkstoff zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Ereignissen ohnehin nur bei hohem kardiovaskulÀrem und sehr geringem Blutungsrisiko.
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Neben bestehenden Wirkstoffen untersuchen Forschungsteams auch immunologische Mechanismen. Eine in Science Advances veröffentlichte Untersuchung von Johns Hopkins Medicine analysierte die Effekte einer Tuberkuloseimpfung mit BCG an genetisch verÀnderten MÀusen mit Demenzsymptomen.
Geimpfte Tiere zeigten im Vergleich zu ungeimpften etwa fĂŒnfmal hĂ€ufiger einen RĂŒckgang schĂ€dlicher Tau-Ablagerungen im Gehirn und wiesen viermal seltener anhaltende EntzĂŒndungsmarker auf.
WĂ€hrend bei unbehandelten Tieren 716 Gene im Zusammenhang mit Alzheimer, EntzĂŒndungen und Zelltod aktiv waren, normalisierte die Impfung fast das gesamte Profil bis auf neun Gene. Dies ging mit geringerem Hirngewebsverlust und besseren GedĂ€chtnisleistungen einher.
Das Team vermutet hinter dem Mechanismus eine trainierte ImmunitÀt myeloider Zellen im zentralen Nervensystem, betont jedoch den Bedarf an weiteren Untersuchungen.
Die Suche nach prĂ€ventiven Mechanismen bleibt vor dem Hintergrund steigender Fallzahlen dringlich: Laut Angaben der Organisation Dementia Australia leben im Jahr 2026 etwa 446.500 Menschen in Australien mit einer Demenzerkrankung; bis zum Jahr 2065 wird ein Anstieg auf ĂŒber eine Million Betroffene erwartet.
