Aspirin und Demenz: Genetische Analyse zeigt 70 Prozent geringeres Risiko
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 08:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die präventive Wirkung von Acetylsalicylsäure auf kognitive Erkrankungen bleibt ein komplexes Forschungsfeld. Eine Analyse der Monash University von genetischen Daten aus der ASPREE-Studie liefert differenzierte Einblicke: Bei älteren Personen mit einer bestimmten genetischen Veranlagung könnte niedrig dosiertes Aspirin das Demenzrisiko deutlich senken.
Allerdings gehen die beobachteten Effekte mit gesundheitlichen Risiken einher, und die Übertragbarkeit der Ergebnisse ist an methodische Rahmenbedingungen gebunden.
Deutliche Risikoreduktion nur in spezifischer genetischer Gruppe
Die Auswertung stützt sich auf genetische Daten von mehr als 13.500 Teilnehmenden der ASPREE-Studie. Im Zentrum der Untersuchung stand der genetische Score für die Thrombozytenzahl. Die Forschenden stellten fest, dass der Effekt der Wirkstoffeinnahme stark von diesem Profil abhängt.
Ausschließlich bei älteren Menschen im obersten Fünftel des genetischen Scores für eine hohe Thrombozytenzahl zeigte sich eine deutliche Differenz: In dieser Hochscore-Gruppe entwickelten unter der Einnahme von niedrig dosiertem Aspirin lediglich 1 % der Probanden eine Demenz, verglichen mit 3,3 % (in weiteren Auswertungen als rund 3 % beziffert) in der Placebogruppe. Dies entspricht einem um rund 70 % beziehungsweise etwa 70 % geringeren relativen Risiko. In den übrigen vier Gruppen der Studienpopulation war hingegen kein klarer Nutzen durch die Einnahme nachweisbar.
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Erhöhte Blutungsgefahr dämpft präventives Potenzial
Dem potenziellen Schutz vor Demenz steht ein bekanntes Risiko der Aspirin-Therapie gegenüber. Gerade in der Gruppe mit dem hohen genetischen Score traten schwere Blutungen häufiger auf: Unter Aspirin waren 4,4 % der Teilnehmenden von schweren Blutungen betroffen, während der Anteil in der Placebogruppe bei 2,1 % lag. Ein präventiver Nutzen muss daher stets gegen die Gefahr von Blutungskomplikationen abgewogen werden.
Die Teilnehmenden der ASPREE-Kohorte waren zu Studienbeginn ab 70 Jahren alt; Personen aus bestimmten US-Minderheitengruppen wurden ab 65 Jahren eingeschlossen. Die Nachbeobachtung der Kohorte erstreckte sich über einen Zeitraum von median rund 4,6 Jahren.
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Wissenschaftliche Einordnung und offene Fragen
Fachleute ordnen die im Fachjournal Alzheimer's & Dementia (DOI: 10.1002/alz.71817) publizierte Untersuchung als Post-hoc-Befund ein. Die analysierte Kohorte bestand überwiegend aus Personen europäischer Abstammung, was die Aussagekraft der Ergebnisse für andere Bevölkerungsgruppen begrenzt.
Vor einer klinischen Anwendung müssen die Resultate in einer gezielten Folgestudie unabhängig bestätigt werden. Aus den vorliegenden Daten lässt sich keine allgemeine Empfehlung ableiten: Aspirin soll nicht ohne ärztliche Rücksprache zur Demenzprävention eingenommen werden.
